Über uns | Kontakt

info@experte.de

Anonym surfen - so bewegen Sie sich anonym im Netz

Nicht erst seit der Datenschutzgrundverordnung befassen sich viele mit dem Thema Datenschutz, Datensicherheit und Anonymität im Internet. Wir hinterlassen so viele Daten im Internet wie nie zuvor und unser Online-Fingerabdruck wird immer eindeutiger. Bemerkenswert ist, dass Deutsche ihre Cookies im Browser häufiger löschen als alle anderen Bürger Europas. Auch E-Mails verschlüsselt man in Deutschland fleißiger als anderswo auf der Welt. Doch was genau bringt das eigentlich? Reichen die „Anonym“-Funktion des Browsers, das Löschen von Cookies und das Verschlüsseln von Mails schon aus, um sicher und anonym im Internet unterwegs zu sein?

Die Antwort ist simpel: Nein. Denn sowohl Internetprovider als auch Webseiten und Behörden tracken Ihre IP-Adresse, Ihre Aktivitäten und die Hardware-Konstellation Ihres PCs. Dadurch erhalten Sie einen einmaligen Fingerabdruck und Ihr Verhalten im Internet ist genauer nachvollziehbar, als Ihnen vielleicht bewusst ist. Verhindern kann man dies nur, wenn man komplett anonym im Internet unterwegs ist. Das Löschen von Browserdaten reicht hier keineswegs aus. Welche Möglichkeiten es gibt, anonym zu surfen und welche Vor- und Nachteile die einzelnen Methoden haben, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Warum sollte man anonym surfen?

Es gibt mehrere gute Gründe, anonym im Internet unterwegs sein zu wollen. So sperren beispielsweise verschiedene Webseiten oder Dienste Inhalte von Seiten, um bestimmte Länder vom Content auszuschließen. Man spricht dabei von Ländersperren oder Geoblocking. Surft man hingegen anonym, mit einer fremden IP-Adresse, deren Ursprung in einem anderen Land liegt, kann man Zugriff auf Inhalte erhalten, die sonst gesperrt wären. Neben Geoblocking hilft Anonymität auch dabei, seine persönlichen Daten zu schützen, denn viele Dienste verschlüsseln gleichzeitig die Aktivitäten. Dadurch haben es Hacker, Internetprovider und andere Dienstleister schwerer, Ihre Aktivitäten zurückverfolgen zu können. Auch Hackern wird das Leben deutlich schwerer gemacht, wenn man seine Internetverbindung verschlüsselt und anonym unterwegs ist. 

Um zu verstehen, was es bedeutet, nicht anonym im Internet unterwegs zu sein, muss man sich nur vor Augen halten, welche Daten man beim Surfen preisgibt. Denn dies geht weit über die eigene IP-Adresse hinaus. So erfahren Webseitenbetreiber, welchen Browser Sie nutzen, welche Spezifikationen Ihr PC hat, welche Schriftarten Sie installiert haben und so weiter. Über diese einzigartige Kombination lässt sich Ihr Rechner genau identifizieren – wie ein digitaler Fingerabdruck. Über Ihre Onlinezeiten kann in Verbindung mit diesen Daten ein komplettes Bewegungsprofil erstellt werden. Wann Sie arbeiten, wann Sie zuhause sind und so weiter. Ergänzt man dies durch zusätzliche Plugins und Tracking-Tools, wie Sie von Diensten wie Google, Facebook & Co. verwendet werden, kann der IP-Adresse sogar eine Identität zugewiesen werden. Spätestens bei diesem Gedanken sträuben sich vielen die Haare.

Welche Möglichkeiten gibt es, anonym im Internet zu surfen?

Wem der Gedanke nicht gefällt, im Internet überwacht werden zu können, der sollte schnellstmöglich aktiv werden. Hier erfahren Sie einige der gängigsten Möglichkeiten, anonym und sicher im Internet unterwegs surfen zu können.

Proxy-Webseite
Die wohl einfachste Möglichkeit, Ihre IP-Adresse zu verschleiern, ist der Weg über eine Proxy-Webseite. Solche Seiten können einfach über den Browser aufgerufen werden und leiten Ihre Verbindung zur Zielwebseite um. Einer der ältesten dieser Anonymisierungsdienste ist anonymouse.org. Der Anbieter unterstützt zwar weder SSL noch URL-Verschlüsselung, dafür ist die Nutzung kostenlos und die Performance ist insgesamt trotz Umleitung sehr ordentlich. Allerdings muss man mit Werbefenstern leben. 

Insbesondere wenn Sie schnell eine Aufgabe erledigen und anonym sein wollen, ist eine Proxy-Webseite eine gute Lösung. Allerdings müssen Sie im Vergleich zu bezahlten Lösungen mit einer langsameren Verbindung leben und sollten zudem stets darauf achten, nur vertrauenswürdige Seiten zu wählen, denn andernfalls könnten Ihre Daten von einem nicht vertrauenswürdigen Proxy-Webseiten-Betreiber abgefangen werden

Proxy-Server-Dienst
Ein Proxy-Server-Dienst funktioniert auf eine ähnliche Weise wie eine Proxy-Webseite. Ihr Traffic wird über einen Server umgeleitet und Ihre IP-Adresse wird durch die des Dienstes ersetzt. Ein Beispiel für einen Web-Anonymizer, wie Proxy Dienste auch bezeichnet werden, ist JonDo. Sie müssen lediglich in der zu anonymisierenden Anwendung wie beispielsweise dem Webbrowser die lokale Adresse des JonDo-Clients als Proxy-Server-Adresse eintragen. Über den Client wird dann die Verbindung verschlüsselt und es wird ein Kaskadenmix durchgeführt, sodass Ihre persönlichen Daten geschützt und Ihre IP-Adresse gleichzeitig verschleiert wird. Dabei setzt der Betreiber ausschließlich auf lizenzierte Mixbetreiber, um unabhängig und sicher zu bleiben. Bei JonDo gibt es sowohl bezahlte Modelle für eine sehr gute Performance, als auch kostenlose Möglichkeiten, anonym zu surfen, wobei Sie auch hier mit Einbußen bei der Performance leben müssen.

Tor-Browser
Mit Tor (Kurzform für „The Onion Router“) ist es möglich, kostenlos und ohne großen Aufwand einen Browser zu nutzen, über den Sie komplett anonym surfen können. Es wird sowohl die IP-Adresse verschleiert, als auch eine Verschlüsselung Ihrer Daten vorgenommen. Dabei wird Ihre Verbindung gleich über mehrere aneinandergereihte Server umgeleitet, was die Verbindung besonders sicher und kaum zurück verfolgbar macht. Im Gegensatz zum Proxy, bei dem nur eine einzelne Verbindungsbrücke zum Einsatz kommt, ist die Methode der Tor-Browsers deutlich komplexer, was letztendlich auch zu erhöhten Ladezeiten führt. Gleichzeitig ist die Methode aber auch besonders sicher und zudem kostenlos. Aufgrund dessen wird der Tor-Browser leider auch gerne für zweifelhafte Aktivitäten im Darknet verwendet, weshalb er auf viele anrüchig wirkt. Dies ist aber ein Trugschluss, denn der Browser ist sehr benutzerfreundlich und sowohl für Windows als auch für Android und Linux erhältlich.  

Öffentliches WLAN
Eine einfache und schnelle Methode, kurzfristig anonym eine Aufgabe erledigen zu können, ist die Nutzung eines öffentlichen WLANs. Durch die neue IP-Adresse können Sie losgelöst von Ihrem Heim- oder Firmennetzwerk agieren und dadurch anonym surfen. Allerdings müssen Sie diese Methode mit Vorsicht genießen, denn im öffentlichen WLAN sind sie potentiell auch Gefahren durch Angreifer ausgesetzt, die sich im gleichen WLAN befinden. Ihre Daten sind im öffentlichen Netz also nicht so gut geschützt. Außerdem lässt sich über ein öffentliches WLAN die regionale Zugehörigkeit Ihrer IP-Adresse nicht verändern. Sie können sich über diesen Weg daher keinen Zugriff zu Inhalten verschaffen, die Ländersperren unterliegen.

VPN-Netzwerke
VPN steht für „virtuelles privates Netzwerk“. In den letzten Jahren sind VPN-Dienstleister immer beliebter geworden und es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Anbietern, die es Ihnen ermöglichen, über eine VPN-Verbindung anonym und sicher im Internet zu surfen. Es gibt sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige VPN-Anbieter bzw. viele Anbieter bieten sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Abos. Die VPN-Software läuft entweder direkt auf Ihrem Router oder auf Ihrem PC, Smartphone oder sonstigem Endgerät. Als zusätzliche Schutzschicht ist sie dafür verantwortlich, Ihren gesamten Traffic über einen anderen Server umzuleiten. Große Anbieter bieten hierfür eine ganze Reihe von Servern an unterschiedlichen Standorten in aller Welt, sodass Sie nach Belieben Ihren virtuellen Aufenthaltsort wechseln können. Dies kann beispielsweise auch sehr hilfreich sein, wenn Sie auf Reisen auf Dienste zugreifen möchten, die sonst von Ihrem Aufenthaltsort aus gesperrt wären. Dies kann beispielsweise der Zugriff auf Ihr Google-Konto aus China oder auch der Zugriff auf Ihre in Deutschland abgeschlossenen Streaming-Abos von Netflix, Sky & Co. sein. 

Während kostenlose VPN-Lösungen häufig mit Einschränkungen bei der Geschwindigkeit oder dem Datenvolumen einhergehen, müssen Sie bei einem guten Abonnement bei einem zahlungspflichtigen Anbieter in der Regel keinerlei Einbußen in Kauf nehmen. Beliebte große VPN-Anbieter mit vielen Serverstandorten sind beispielsweise CyberGhost, NordVPN oder auch VyprVPN.

Die beste Möglichkeit, anonym und sicher zu surfen

Wenn Sie das Optimum hinsichtlich Geschwindigkeit und Flexibilität herausholen wollen, ist ein VPN die beste Lösung für Sie. Mit einem Abonnement können Sie sogar Streaming-Dienste nutzen, können Ihren virtuellen Standort jederzeit wechseln und haben zudem stets eine sichere und stabile Verbindung mit Datenverschlüsselung und anonymer IP-Adresse. 

Wenn Sie hingegen eine kostenlose Lösung zum Surfen benötigen und nicht zwangsläufig hohe Datenmengen über die verschlüsselte Verbindung übertragen möchten, ist der Tor-Browser eine einfache und komfortable Lösung. Proxy-Server und die Nutzung eines öffentlichen WLAN sind hingegen weniger sicher. Web-Anonymizer, die als Proxy-Dienst aufgebaut sind, arbeiten zwar ebenfalls sehr sicher, sind aber mitunter komplizierter einzurichten als ein VPN-Dienst.

Letztendlich kommt es also darauf an, welche Anforderungen Sie haben und wie ernst Sie es mit dem anonymen Surfen nehmen. Halten Sie sich bei allem Aufwand aber stets vor Augen, dass Sie sich vor gezielten Hackerangriffen großer Organisationen nur bedingt schützten können.

100-prozentige Sicherheit gibt es nicht

Sie sollten sich stets vor Augen halten, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nie geben kann. Mit ausreichend Ressourcen und technischen Möglichkeiten lässt sich auch eine mehrfach verschachtelte und verschleierte Verbindung zurückverfolgen. 

Außerdem gibt es verschiedene Geheimdienstallianzen wie die Five Eyes Allianz, denen verschiedene Länder angehören. Sie haben sich dazu verpflichtet, gesammelte Nutzerdaten und Aktivitäten im Internet mit ihren Partnern zu teilen. Per Gerichtsbeschluss kann ein Proxy- oder VPN-Anbieter in einem Mitgliedsstaat dazu gezwungen werden, Verbindungsdaten zu veröffentlichen und damit Ihre echte IP-Adresse zu offenbaren. Zu den Five Eyes gehören die USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien und Kanada. Allerdings gibt es auch weitere Allianzen wie die Nine Eyes und die 14 Eyes, die die Five Eyes Allianz und deren Abkommen um weitere Länder ergänzen, zu denen auch Deutschland gehört sowie der nahezu komplette Rest Europas gehört. Wer diesbezüglich auf Nummer sicher gehen will, der sollte auf einen Schweizer VPN wie VyprVPN oder ein privat organisiertes Netzwerk wie den Tor-Browser setzen. Vor Überwachung sind Sie dadurch zwar gut geschützt, gegen ernsthafte Hackerangriffe großer Geheimdienste wie dem BND, der NSA & Co. hilft aber auch der beste VPN-Dienst nichts.

Anonymes Surfen und Datenschutz beginnen vor dem PC

Alle Anonymität und Vorsicht nützt wenig, wenn Sie unsachgemäß mit Daten wie Passwörtern oder Zugangsrechten umgehen. Insbesondere im Unternehmen sollte genau geregelt sein, wer auf welche Daten Zugriff hat. Außerdem sollten Sie genau darauf achten, wo und wie Sie Passwörter und personenbezogene Daten speichern. Ein Post-It Zettel auf dem Monitor ist sicherlich kein angemessener Aufbewahrungsort für ein Passwort. 

Beachten Sie daher auch lokale Schwachstellen, wenn Sie sich mit dem Thema anonymes Surfen befassen. An öffentlichen PCs sollten Sie stets den Browserverlauf löschen und idealerweise anonymes Surfen im Browser aktivieren. Surfen Sie so wenig wie möglich in offenen Netzwerken und achten Sie darauf, wer einen Blick auf Ihre Geräte werfen kann. Auch sollten Sie immer sparsam mit Daten umgehen, die Sie auf Webseiten eingeben. Dies sind die ersten Schritte zum sicheren und anonymen Surfen sowie dem Schutz Ihrer Privatsphäre. 

Erst wenn all diese Aspekte gewährleistet sind, macht es Sinn, sich mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen wie der Verwendung des Tor-Browser oder dem Einrichten einer VPN-Verbindungen zu befassen.