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Browser-Fingerprinting - Was ist es und wie kann ich mich schützen?

Sie sind nicht wie die anderen. Sie sind einzigartig. Was sich anhört, wie ein harmloser, wenn auch klischeebeladener Motivationsspruch, kann in einer Diskussion zum Datenschutz im Internet einen bedrohlichen Unterton annehmen. Denn die Einzigartigkeit Ihrer Identität macht Sie angreifbar: Für Werbung, Datenhändler und Missbrauch. Dafür sorgt Ihr persönlicher Fingerabdruck im Netz.

Was ist ein Browser Fingerprint?

Sie denken vielleicht, im Internet sind Sie anonym unterwegs. Doch jeder Klick, den Sie von Ihren Gadgets aus machen, gibt Aufschluss über Ihre Person.

Immer wenn Sie online gehen, versorgt Ihr Gerät die Seiten, die Sie besuchen, mit ganz spezifischen Daten. Dabei kann es sich beispielsweise um Informationen zu Ihrem Betriebssystem und Ihren Einstellungen handeln. Sogar auf Ihre Hardware lassen sich Rückschlüsse ziehen. 

Wenn jemand diese Daten verwendet, um Ihre Identität festzustellen, spricht man vom Browser-Fingerprinting. Webseiten tun dies zum Beispiel, um Ihren Browser, Plugins, Sprache, Bildschirmauflösung, Zeitzone und andere Einstellungen zu erkennen.

Damit identifizieren sie einzigartige Besucher und können deren Online-Aktivitäten folgen.

Browser-Fingerprinting: Gut oder schlecht?

Ihre Daten sind natürlich gefundenes Fressen für die internationale Marketing-Maschine. Darauf basierend präsentieren Ihnen Webseiten gezielt Werbung, die zum Konsumieren anregen soll. Auch Datendiebe und schädliche Malware-Angreifer nutzen die Informationen.

Doch es gibt auch sinnvollere Gründe, aus denen diese Daten gesammelt werden. Banken beispielsweise können sich auf Ihren Fingerabdruck im Netz verlassen, um Betrug vorzubeugen.

Browser-Fingerprinting ist also nicht per se schlecht – Gründe zur Sorge liefert es dennoch genug.

Wie akkurat ist Browser-Fingerprinting?

Der Name kommt nicht von irgendwoher: Ist ein digitaler Fingerabdruck erst erstellt, kann Ihre Identität damit präzise festgestellt werden. Laut Mozilla ist „das Verfahren in der Lage, User in 99% der Fälle korrekt zu identifizieren.“

Selbst wenn Sie Cookies blocken, mit VPN surfen oder sich an andere Sicherheitsmaßnahmen halten, die im Netz so oft empfohlen werden, kann Ihr digitaler Fingerabdruck Sie verraten.

Wie finde ich heraus, was es mit meinem persönlichen Browser-Fingerprint auf sich hat?

Auf Webseiten wie Panopticlick und Am I Unique können Sie herausfinden, wie einzigartig Ihr digitaler Fingerabdruck ist. Testen Sie Ihren Browser und finden Sie heraus, ob Sie leicht identifizierbar sind – und tätig werden müssen. Auch EXPERTE.de hat einen Tool im Angebot - mit unserem Browser Privacy Check sehen Sie, welche Spuren Sie beim Surfen hinterlassen.

Warum sollte ich meinen Browser-Fingerprint schützen?

Wo persönliche Daten gesammelt werden, besteht immer die Gefahr für Missbrauch. Im Gegensatz zu anderen Faktoren der Identifizierung wie Ihrer IP-Adresse, ist Ihr digitaler Fingerabdruck unsichtbar und deshalb schwerer zu schützen. Viele User wissen also gar nicht, dass sie ihre Daten weitergeben.

Vielleicht verkaufen Unternehmen diese Daten an Dritte, um daraus Profit zu schlagen. Auch Malware-Angriffe können mit den personalisierten Daten effektiver werden.

Wie kann ich mich effektiv vor Browser-Fingerprinting schützen?

Die schlechte Nachricht zuerst: Es ist nahezu unmöglich, sich vollständig vor Fingerprinting zu schützen. Dennoch können Sie Ihren Fingerabdruck mit einer Reihe von Methoden abschwächen.

1) Nutzen Sie Ihren Browser im Inkognito-Modus

Die einfachste Methode, seinen Fingerabdruck zu verkleinern, ist das Surfen im Inkognito-Modus. Fast jeder Browser bietet diese Funktion an.

Wenn Sie im privaten Modus Webseiten besuchen, werden jene nicht im Browserverlauf gespeichert. Ihr Browser-Profil wird auf einen bestimmten Standard gesetzt, der für alle User im Inkognito-Modus gleich ist. Deshalb sehen die digitalen Fingerabdrücke dieser User ähnlich aus – und ihre Einzigartigkeit nimmt ab.

Besonders effektiv ist diese Methode jedoch nicht, weil beim Browser-Fingerprinting noch viele andere Daten eine Rolle spielen, auf die der Inkognito-Modus keine Auswirkungen hat.

2) Surfen Sie mit dem Tor-Browser

Wer es ernst meint, sollte nicht nur den Modus wechseln, sondern gleich den ganzen Browser. Der Tor-Browser ist so vorkonfiguriert, dass der digitale Fingerabdruck aller Nutzer identisch ist. Zudem blockiert der Browser sehr effektiv JavaScript.

Je nachdem, welche Features im Tor-Browser individuell aktiviert sind, lassen sich aber doch Rückschlüsse auf Ihre digitale Identität ziehen. Zudem ist der Tor-Browser gerade für Laien weniger bedienungsfreundlich.

3) Deaktivieren Sie JavaScript

Über JavaScript können Webseiten Plugins und andere Informationen sammeln, die das Profil Ihres digitalen Fingerabdrucks schärfen. Sie können JavaScript entweder manuell über Ihren Browser deaktivieren, oder Tools wie NoScript oder AdBlock Plus verwenden.

Weil viele Webseiten auf JavaScript angewiesen sind, könnte die Deaktivierung Ihren Surf-Genuss jedoch stark beeinträchtigen.

4) Verschleiern Sie Ihre IP-Adresse mit einem VPN

Mit einem VPN (Virtual Private Network) können Sie über einen abgesicherten Tunnel auf ein in sich geschlossenes, sicheres Netzwerk zugreifen. Wie genau das funktioniert, und welche Anbieter es gibt, erklären wir hier.

Als Zwischenhändler Ihrer Daten sorgt das VPN dafür, dass Webserver nicht in Kontakt mit Ihrer IP-Adresse kommen.

Die IP-Adresse ist jedoch nur ein Faktor Ihrer Identität, und Browser-Einstellungen hingegen werden von einem VPN nicht verschleiert. Deshalb ist ein VPN allein kein effektiver Schutz, und nur in Verbindung mit anderen Methoden – beispielsweise dem Tor-Browser – von Vorteil.

5) Nutzen Sie spezielle Datenschutz-Software und Erweiterungen

Datenschutz ist auch für Software-Entwickler ein ständiges Thema, und zahlreiche Anbieter und Erweiterungen versprechen effektive Hilfe. Privacy Badger beispielsweise blockiert gewisse Domains, die Fingerprinting-Technologien verwenden. Disconnect funktioniert auf ähnliche Weise. Gemeinsam mit einem starken Adblocker helfen diese Erweiterungen, Ihre Identität im Netz vor schadhaften Domains zu schützen.

Browser-Fingerprinting: Den perfekten Schutz gibt es nicht

Wie Sie gesehen haben, gibt es keinen absolut wasserdichten Schutz vor Browser-Fingerprinting. Jede der vorgestellten Maßnahmen hat Vor- und Nachteile.

Für besseren Schutz können Sie die verschiedenen Möglichkeiten kombinieren, doch gerade für normale Internetnutzer könnte der Aufwand zu groß sein.

Dennoch sollten Sie versuchen, Ihren digitalen Fingerabdruck so klein wie möglich zu halten. Schon Software, die sowieso jeder verwenden sollte – Adblocker oder Anti-Malware etwa – kann viel bewirken.

Ergreifen Sie die Maßnahmen, die Ihnen am vernünftigsten erscheinen – und sehen Sie im Vorher-Nachher-Vergleich auf Panopticlick oder Am I Unique, wie sehr sich Ihr Browser-Fingerprint verkleinert hat.

Autor: Martin Gschwentner
Martin hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.