Deutsche VPN Anbieter: VPN mit deutscher Rechtsprechung

Martin Gschwentner

Ein VPN hat viele Einsatzzwecke. Viele davon sind legal, wie das sichere Arbeiten im Homeoffice. Andere basieren auf rechtlichen Grauzonen, etwa das Streaming ausländischer Inhalte. Manche sind gesetzeswidrig – illegales File Sharing beispielsweise. Hierfür sind VPNs mit Sitz in Steueroasen mit schwachen Datenschutzgesetzen beliebt, wie Panama oder Malaysia. Doch was ist mit VPNs aus Deutschland?

Die besten VPNs für Deutschland haben wir bereits vorgestellt. Sie stellen deutsche Server Verfügung, mit denen Sie beispielsweise auf deutsche Inhalte bei Streaming-Plattformen zugreifen können. Dieses Kriterium erfüllen fast alle VPNs, doch ihren Sitz haben die meisten Anbieter anderswo. Wir haben uns einmal angeschaut, welche VPN-Dienste mit Sitz in Deutschland der Markt hergibt, und warum man darauf überhaupt Wert legen sollte.

Warum VPN Anbieter mit Sitz in Deutschland?

Vermutlich achten viele Nutzer bei der Auswahl eines VPNs zunächst auf dessen Server-Netzwerk und die angebotenen Standorte. Der Unternehmenssitz ist dafür zweitrangig – es gibt aber auch gute Gründe, ihn zu berücksichtigen. Länder wie Panama oder die Britischen Jungferninseln sind beispielsweise beliebt, weil es keine stringenten Datenschutzgesetze gibt, die Unternehmen dazu verpflichten, Kundendaten an Behörden rauszurücken.

Wenn Sie kein Problem damit haben, einen Anbieter zu wählen, der im Zweifel mit Nachrichtendiensten oder Justizbehörden zusammenarbeitet, sind Anbieter aus Ländern mit starken Datenschutzgesetzen eine sicherere Wahl. Bei ihnen ist der Missbrauch Ihrer Daten aufgrund stringenter Gesetzgebung weniger wahrscheinlich und Sie müssen sich weniger stark auf das Wort des VPN-Anbieters verlassen.

Und warum gerade ein VPN in Deutschland? Auch dafür gibt es einige guten Gründe:

Strenge deutsche Datenschutzregeln
Deutschland hat strenge Datenschutzgesetze. Im Vergleich der Anwaltskanzlei DLA Piper, die eine Karte zur Datenschutzgesetzgebung rund um die Welt entwickelt hat, zählt Deutschland zu den Ländern mit den robustesten Gesetzen. Somit können Sie sicher sein, dass VPN-Dienste mit Sitz in Deutschland Ihre Daten nicht missbrauchen.

Daten bleiben in Deutschland
Gerade Unternehmen ist oft wichtig, wo ihre Daten und Kundendaten gespeichert werden. Bei einem VPN mit Sitz in Deutschland ist (je nach VPN) wahrscheinlicher, dass auch Ihre Daten das Land nicht verlassen.

Deutsche Technik
„Made in Germany“ steht vielerorts noch immer für Qualität. Deshalb könnten es VPN-Nutzer bevorzugen, auf einen in Deutschland entwickelten und ansässigen VPN-Dienst zurückzugreifen.

Nachhaltige Server
Nachhaltigkeit wird auch beim Thema Cloud und Rechenzentren immer wichtiger. Bei VPN-Dienstleistern, die nicht in zwielichtigen Steueroasen sitzen, können Sie den Umweltabdruck der Server möglicherweise besser abschätzen. Der deutsche VPN-Dienst Gardion wirbt sogar mit nachhaltigen Servern in Deutschland.

Die Karte von DLA Piper zeigt, wo wie starke Datenschutzgesetze gelten. Deutschland gehört zur Kategorie mit den strengsten Regeln. (Quelle: DLA Piper)

Deutsche VPN Anbieter

Doch welche VPN-Dienste mit Sitz in Deutschland gibt es überhaupt? Die Auswahl ist überschaubar – wir konnten nur zwei finden:

Gardion

Gardion ist ein noch recht junges VPN, das erst 2016 gegründet wurde. Betrieben wird der Dienst aus Freiburg von einem sechsköpfigen Team, das sich laut eigenen Angaben der Autonomie im Internet und der Netzwerksicherheit verschrieben hat. Der Fokus liegt bei Gardion nicht auf Einsatzbereichen wie Torrenting oder der Überwindung von Geoblockaden; ausländische Server gibt es nicht. Im Fokus stehen Sicherheit und Anonymität.

Auf eine eigene Desktop- oder Smartphone-App verzichtet Gardion. Stattdessen verwenden Sie die kostenlose Wireguard-App, in die Sie die Konfigurationsdatei aus der Gardion-Weboberfläche importieren.

Gardion hat keine eigene App, die Einrichtung erledigen Sie über die Web-Oberfläche.

Gardion schlägt also ganz bewusst einen anderen Weg ein, als die meisten anderen VPN-Dienste. Im Gegenzug gibt es ein paar andere interessante Funktionen und Alleinstellungsmerkmale:

Erweiterte Filterfunktionen

Gardion bezeichnet sich als VPN+, also als VPN mit einer leistungsfähigen Filterfunktion. So können Sie beispielsweise Tracking durch Konzerne wie Google, Microsoft oder Facebook entgehen.

Die Einrichtung von Gardion erfolgt in fünf Schritten, die im Web-Dashboard erklärt werden.

Alle Server in Deutschland

Gardion hat wie erwähnt kein Servernetz, das die Welt umspannt. Verwendet werden ausschließlich Server in deutschen Rechenzentren in Nürnberg und Falkenstein bei den Hostern Hetzner Online und netcup – ebenfalls aus Deutschland. Gardion untersteht somit ausschließlich deutschen Gesetzen, die wie erwähnt im Bereich Datenschutz besonders stringent sind. Gardions Rechenzenzren arbeiten dabei zu 100% mit regenerativ erzeugter Energie aus Wasserkraft.

Ebenfalls sicherheitsrelevant: Gardion nutzt ausschließlich quelloffene Software, darunter neben WireGuard auch Linux, Terraform und Ruby on Rails.

Nicht für Torrents oder virtuelle Weltreisen

Nicht geeignet ist Gardion, wenn Sie ein VPN suchen, um Geo-Sperren zu umgehen oder ohne Angst vor Konsequenzen Illegales anzustellen.

Die Kosten hängen ab von der Anzahl der Geräte. Der Mindestpreis (für drei Geräte) liegt bei 10 € bzw. 8,33 € falls Sie jährlich bezahlen. Zudem bietet Gardion eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie.

alle Server in Deutschland

befolgt strenge deutsche Datenschutz-Regeln

erweiterte Filterfunktionen

starke Verschlüsselung mit WireGuard

nachhaltige Server

keine Server in anderen Ländern

nicht geeignet für Torrenting oder zur Umgehung von Geo-Sperren

ZenMate

Der zweite deutsche Anbieter im Bunde ist ZenMate, der zwar in Berlin sitzt, seit 2018 allerdings zur in London ansässigen Tech-Firma Kape Technologies gehört. Jene betreibt auch die VPN-Dienste Cyberghost und Private Internet Access. Zenmate ist im Vergleich zu Gardion ein klassisches VPN mit Serverstandorten auf der ganzen Welt. Es eignet sich also auch für ausländisches Video-Streaming oder File Sharing.

„Befriedigende“ Leistung im Test

Im EXPERTE.de-Test landete Zenmate mit der Note „befriedigend“ auf den hinteren Rängen. Gefallen haben uns die benutzerfreundliche App des Dienstes und das solide Server-Netzwerk. Auch die Geschwindigkeiten im Speedtest gingen in Ordnung, wobei Zenmate hier im Vergleich mit anderen Anbietern ebenfalls auf den hinteren Plätzen liegt.

Die Zenmate-App ist sauber und elegant.

Fragwürdiger Mutterkonzern

Abstriche gab es beim Support, weil sich Zenmate bei der Beantwortung unserer Fragen Zeit ließ. Besonders kritisch stimmt uns jedoch die Zugehörigkeit zum Unternehmen Kape, das bereits mehrmals mit Malware-Infektionen und anderen anderen Problemen aufgefallen ist.

Möglicherweise liegen alle diese Probleme in der Vergangenheit, doch einen unabhängigen Audit seiner Datenschutz-Praktiken und Sicherheit, wie ihn mittlerweile viele andere VPNs bieten, bleibt Zenmate bisher schuldig.

Wer ein VPN mit Sitz in Deutschland somit primär aus Sicherheitsgründen sucht, ist bei Zenmate aufgrund dieser Bedenken weniger gut aufgehoben.

benutzerfreundliche Anwendungen

solide Geschwindigkeiten

kein Split-Tunneling

Fragezeichen bei Datenschutz und Privatsphäre

Fazit

Ein VPN mit Sitz in Deutschland kann sich lohnen, weil es strengen Datenschutzgesetzen unterliegt und Daten in Deutschland speichert. Uns sind jedoch nur zwei VPN-Anbieter mit Sitz in Deutschland bekannt - Gardion und Zenmate - und jene könnten unterschiedlicher kaum sein.

Gardion ist ein junges VPN, das seine Server ausschließlich in Deutschland betreibt und mit Transparenz und Datenschutz wirbt. Wer VPN-Tunnel in erster Linie für Anonymität und Sicherheit nutzen möchte und keine internationalen Server benötigt, ist hier gut aufgehoben. Zenmate bietet ein globales Server-Netzwerk und eignet sich somit auch für die Umgehung für Geo-Restriktionen, wirft dafür beim Datenschutz durch die Zugehörigkeit zu einem dubiosen Mutterkonzern Fragen auf.

Ausführliche Rezensionen zu 22 Anbietern finden Sie im großen EXPERTE.de VPN-Test.

Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.