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RGB vs. CMYK: Die wichtigsten Unterschiede, einfach erklärt

Julia Philipp
Autor
16. Dez. 2022
Letzte Aktualisierung

„Hefte raus, Klausur beginnt: Farbenlehre!” Dass Studierende bei diesem Satz Angst bekommen, ist verständlich: Schließlich handelt es sich um einen vielschichtigen, abstrakten Bereich der Grafikgestaltung. Aber Grundkenntnisse der Farbenlehre sind wichtig – nicht nur im Studium, sondern auch in der Praxis. 

Die Wahl des richtigen Farbprofils von Endprodukten wie Websites, Broschüren oder Design-Gegenständen ist maßgeblich für die Qualität der Erzeugnisse am Ende des Produktionsprozesses. 

In diesem Artikel bringen wir Licht in den Farbdschungel und erklären die zwei wichtigsten Farbräume RGB und CMYK. Dabei gehen wir auf die Unterschiede zwischen den beiden Kategorien ein und geben Tipps für die praktische Arbeit.

Unterschiede zwischen RGB und CMYK

Warum ist Farbenlehre so komplex? Weil dabei gleich mehrere, heterogene Faktoren berücksichtigt werden müssen: Physik, Psychologie und Physiologie. Denn wie Farbe in welchem Kontext wahrgenommen wird, hängt davon ab:

  • wie Licht ergänzt oder weggenommen wird (Physik)
  • wie das Auge die Farbinformation aufnimmt (Physiologie) und 
  • wie das Gehirn die vom Auge gesendeten Informationen interpretiert (Psychologie). 

Diese Komplexität wird durch eine international gültige Definition von Farbräumen abgemildert. Jene unterscheiden sich vor allem in der Art, wie Farbe eigentlich entsteht. 

Der RGB-Farbraum

Im Farbraum RGB (Rot – Grün – Blau) beginnen alle Farben zunächst mit schwarz. Diesem wird nun Licht in den drei Grundfarben hinzugefügt, um das Schwarz aufzuhellen. Somit handelt es sich um einen sogenannten additiven Farbraum. Man spricht auch vom Modell der Lichtfarben. Leuchtet man einen schwarzen Punkt jeweils zu 100 % mit den drei RGB-Grundfarben aus, entsteht weiß. 

Im RGB-Farbraum gibt es 16,8 Millionen mögliche Farben. Verwendet wird RGB im Bereich der digitalen Bildwiedergabe: Scanner, Digitalkameras und Monitore nutzen immer diesen Farbraum. Wer ein Produkt für die Wiedergabe auf Monitoren oder Fernsehern erstellen möchte, muss daher in seinem Programm meist keine gesonderten Einstellungen vornehmen.

Am häufigsten kommen hier Dateiformate wie JPEG, PNG oder auch das neuere WEBP zum Einsatz. 

Der RGB-Farbraum bei Photoshop.

Mit RGB können strahlende Farben in hoher Intensität dargestellt werden. Bei der Arbeit am PC muss man für die Definition der gewünschten Farbe je einen Wert für jede Farbe (R-G-B) angeben. Auch Browser verstehen die Angabe, sie hat dann das Format rgb (255, 0, 0). 

Hexadezimale Angabe

Es gibt für die Arbeit an digitalen Produkten noch eine weitere Art der Farbdefinition: Man kann RGB-Töne auch hexadezimal anzeigen. Der Code für das reine Rot lautet zum Beispiel #FF0000. Aber: Es handelt sich hier nicht um einen weiteren Farbraum, sondern lediglich um eine alternative Notation von RGB.

Der CMYK-Farbraum

Als zweiten Farbraum neben RGB betrachten wir das Modell CMYK. Die Buchstaben stehen für die Farben Cyan, Magenta, Yellow und Key. Das Key steht für die schwarze „Schlüsselplatte” und wird in der Notation statt des B verwendet (denn B meint in der Regel Blau). Womit wir auch schon bei der Funktionsweise von CMYK angekommen sind:

CMYK ist ein subtraktiver Farbraum. Das bedeutet, dass dem weißen Licht Farben abgezogen werden. Wenn man alle Farben miteinander mischt, entsteht schwarz. Man spricht hier auch von sogenannten Pigmentfarben. Farbe entsteht allein durch die Reflexion von Licht. So kommt es auch, dass Farben im CMYK Farbraum weniger strahlend sind. 

Der CMYK-Farbraum bei Photoshop.

Verwendet wird CMYK im Vierfarbdruck – sowohl von Desktop-Druckern im Heimgebrauch als auch in großen Druckereien. Jede Grafik wird aus den drei einzelnen Farben Cyan, Magenta und Gelb erstellt.

Zu Hause hat der Desktop-Drucker für jede Farbe eine Patrone, im gewerblichen Druck spricht man von Druckplatten. Als viertes Element kommt Schwarz zum Einsatz, um die Farben abzudunkeln. Mit einer CMYK Farbpalette können weniger Farben erzeugt werden, als mit RGB.

Was passiert, wenn man den falschen Farbraum verwendet?

Das war viel „graue” Theorie. Doch in der Praxis ist es enorm wichtig, die Grundlagen der Farbenlehre zu kennen und den richtigen Farbraum zu wählen. Beachtet man dies nicht, könnte das Ausgabemedium die Farbe falsch darstellen. Dies ist gerade im Printbereich wichtig, denn im CMYK-basierten Vierfarbdruck stehen viel weniger Töne zur Verfügung als in RGB. Was also am Monitor strahlend erscheint, kann im Druck matt oder falsch wirken.

Tipps für das praktische Arbeiten 

Am besten klärt man also immer vor Beginn der Kreation, für welches Medium man produziert. 

Handelt es sich um eine Drucksache, sollten Sie bei der Druckerei das Farbprofil erfragen. Online-Druckdienste bieten hierzu umfangreiches Informationsmaterial und Downloads auf Ihren Webseiten an. 

Häufig verwendet wird hier derzeit das Profil ISO Coated v2. Es handelt sich um einen Standard, der sich einfach auf dem PC installieren lässt. Im Grafikprogramm (zum Beispiel Adobe InDesign) können Sie dann den Arbeitsfarbraum auswählen. Das Dokument zeigt in seiner Farbpalette automatisch nur noch Farben an, die mit dem gewählten Standard auch darstellbar sind. 

Der Farbwähler von Adobe InDesign mit den verschiedenen Farbräumen und Notationen.

Ausliefern sollte man Drucksachen am besten im PDF-Format. Dieses Format bündelt alle Informationen, die die Druckerei für eine fehlerfreie Produktion benötigt.   

Im Web hat man es, was das Farbmanagement angeht, einfacher. In der Regel haben alle Ressourcen und Programme schon die richtige Farbeinstellung. Moderne Browser können neben RGB auch CMYK interpretieren. Zudem gibt es zahlreiche Internetseiten, auf denen man seinen Farbwert umrechnen kann. Auch die gängigen Grafikprogramme zeigen immer alle Werte – RGB, CMYK und Hexadezimal – an.

Berühmtes Beispiel aus der Praxis

Erkennen Sie den in der oberen Darstellung ausgewählten Farbton? Welcher Konzern hat diese Firmenfarbe? Genau: Die Deutsche Telekom. Anhand dieses Beispiels lässt sich verdeutlichen, wie wichtig exakte Farbwiedergabe ist. Das Magenta der Telekom hat die folgenden Werte:

  • CMYK: 6 / 100 / 0 / 0
  • RGB: 226 / 0 / 16 
  • Hexadezimal: #E20074

Würde eine Telekom-Veröffentlichung – sei es im Web oder auf Papier – nun einen leicht falschen Wert verwenden, würden wir als Rezipienten dies sofort erkennen. Wir würden vermutlich sogar davon ausgehen, dass es sich um einen Fake, zumindest aber um eine sehr minderwertige Produktion handelt. Die richtige Farbwiedergabe ist zentral für die Qualität von Kommunikation.

Der CMYK Workflow 

Sie möchten eine neue Printgestaltung beginnen oder vielleicht eine ursprünglich für das Web erstellte Kreation auch in einer Drucksache nutzen? Dann ist der wichtigste Tipp: Verlassen Sie sich nie auf die Darstellung am Computer. Die gedruckte CMYK-Version wird sich garantiert farblich unterscheiden. Um das beste Ergebnis gedruckt zu erhalten, haben wir folgende Tipps für Sie: 

  • Nehmen Sie eine Kalibrierung Ihres digitalen Arbeitsplatzes vor (hierfür gibt es Devices im Internet zu bestellen).
  • Nutzen Sie auch Fotos in der Drucksache? Dann ändern Sie hier den Farbraum erst am Ende der Bildbearbeitung von RGB auf CMYK.
  • Erstellen Sie einen digitalen Farbproof der Drucksache.
  • Halten Sie sich exakt an die Profilvorgaben der Druckerei.
  • Wenn es Zeit und Budget zulassen: Lassen Sie sich von der Druckerei einen Kontrollabzug zusenden.

Druckvorgaben bei Adobe InDesign

In Adobe InDesign finden Sie die Einstellung für CMYK in den Druckvorgaben im Menüpunkt Datei. In diesem Fenster wird auch das von der Druckerei vorgegebene Farbprofil ausgewählt. Einige sind hier schon vorinstalliert. Haben Sie, wie zuvor im Artikel beschrieben, das richtige Farbprofil heruntergeladen, wird es hier ebenfalls angezeigt. 

Die Druckvorgaben bei InDesign.

Mit dieser Einstellung ändern Sie die Vorgaben des aktuell geöffneten Dokuments. Es ist auch möglich, InDesign eine globale Vorgabe mitzuteilen. Dies erfolgt über die Menüpunkte Bearbeiten > Farbeinstellungen > Farbmanagement-Richtlinien

Farbpaletten bei Canva

Sie arbeiten mit dem Tool Canva? Für Abonnenten der kostenpflichtigen Pro-Version ist es hier ebenfalls möglich, Dokumente in CMYK anzulegen. Im Bereich Werkzeuge kann man unter Marke mehrere Farbpaletten – in CMYK oder in RGB – anlegen. 

Fazit

Von der „grauen” Theorie bis hin zur praktischen Umsetzung haben wir in diesem Artikel die grundlegenden Informationen rund um die Farbräume RGB und CMYK dargelegt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Vor jeder Arbeit sollte man wissen, welchen Farbraum man für das Endprodukt benötigt - denn sonst kann es vor allem im Druck zu Problemen kommen.

Wer sich im Bereich Farbe noch weiterbilden möchte, kann als Nächstes die Stichworte Pantone und RAL checken. Bis dahin wünschen wir brillante Arbeitsergebnisse, die immer den richtigen Ton treffen.

Autor: Julia Philipp
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