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Produktideen finden: Was lässt sich gut online verkaufen?

Martin Gschwentner
Autor
Letzte Aktualisierung

Der Online-Handel boomt: In Deutschland belief sich der Umsatz von Verkäufen übers Internet 2020 auf rund 73 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Kein Wunder, dass immer mehr Leute ein Stück vom Kuchen abbekommen und Produkte online verkaufen möchten. Weil Erfolg dabei aber alles andere als garantiert ist, sollte man sein E-Commerce-Geschäft gut planen – und das beginnt mit dem richtigen Produkt.

Die Auswahl der Produkte für den Online-Verkauf ist eine Kunst für sich. Die Nachfrage sollte groß sein, die Konkurrenz gering. Die Qualität hoch, die Hürden vor dem Verkauf niedrig. Um im heiß umkämpften E-Commerce-Markt erfolgreich zu sein, sollten Sie Ihre eigene Nische finden oder Produkten, deren Verkaufsstärke bereits erwiesen ist, einen Mehrwert hinzufügen. Beides erfordert ausgiebig Recherche.

Wir erklären, wie Sie gute Produkte für den Online-Verkauf finden, was Sie dabei beachten müssen und welche Produktkategorien und Produkte sich aktuell besonders eignen.

Produktideen finden: Was macht ein gutes Produkt aus?

Das nächste Hit-Produkt ist immer nur eine gute Idee entfernt. Was sich am Ende verkauft wie warme Semmeln, und was zum Ladenhüter wird, lässt sich nicht so einfach voraussagen – sonst würde es schließlich jeder tun. Es gibt aber ein paar Regeln, die Sie beachten sollten, um Ladenhüter zu vermeiden:

Hohe Nachfrage
Natürlich sollten Sie nur Dinge verkaufen, die auch jemand braucht. Die Nachfrage können Sie anhand mehrerer Faktoren festmachen – durch eigene Umfragen, veröffentlichte Studien, Suchmaschinen-Trends oder die Verkaufszahlen der Konkurrenz beispielsweise. Mehr dazu später.

Wenig Konkurrenz
Wenn die Nachfrage hoch ist, wird sie vermutlich bereits gestillt. Es ist schwierig, sich in einer Nische zu etablieren, in der bereits viele Unternehmen erfolgreiche Produkte verkaufen. Deshalb kann es sich lohnen, Produkte zu verkaufen, die man nicht bereits an jeder Ecke bekommt, und neue Trends zu antizipieren.

Lösung eines Problems
Auf der Suche nach dem nächsten Verkaufsschlager vergessen manche angehenden Verkäufer, dass ein Produkt auch einen Zweck haben sollte. Das Ergebnis sieht man immer wieder in TV-Sendungen wie der „Höhle des Löwen“ oder „Dragon's Den“, wo den Investoren häufig Produkte gepitcht werden, die eigentlich niemand benötigt. Produkte, die ein echtes Problem lösen, bestenfalls für ein großes Publikum, haben eine weitaus bessere Aussicht auf Erfolg.

Preis & Herstellungskosten
Je teurer ein Produkt ist, desto kleiner ist die Zielgruppe, die dafür infrage kommt. Und auch bei günstigeren Produkten sollten die Margen groß genug sein, damit Sie zuverlässig Gewinne erzielen können. Verkaufen Sie also Produkte, deren Preis für Ihre Zielgruppe attraktiv und deren Margen gewinnbringend für Sie sind.
Kosten sparen können Sie auch mit Produkten, die klein und einfach zu liefern sind. So können Sie Liefer- und Lagerkosten sparen und diese Ersparnisse an Ihre Kunden weitergeben, was Ihre Produkte noch attraktiver macht.

Hohe Qualität
Das Internet ist voll von billig produzierten Produkten, die selten mehr als schlechte Kopien wertigerer Alternativen sind. Dafür mag es einen Markt geben, doch treue und glückliche Kunden gewinnen Sie mit hochwertigen Produkten, die halten, was sie versprechen.

Leidenschaft
Spaß machen sollte der Online-Verkauf natürlich auch. Wenn Sie Produkte verkaufen, von denen Sie wirklich überzeugt sind, und Ihr Produkt nicht nur als Mittel zum Zweck betrachten, sind Sie vermutlich mit wesentlich mehr Leidenschaft bei der Sache. Auch das kann den Erfolg Ihres E-Commerce-Projekts beeinflussen.

Das „perfekte“ Produkt oder der „sicheren“ Verkaufsschlager existiert nicht. Es gibt zudem durchaus erfolgreiche Produkte, die keinerlei Probleme lösen und Verkäufer, die auf einem Markt mit viel Konkurrenz hohe Gewinne erzielen. Dennoch sollten Sie diese Faktoren bei der Auswahl Ihres Produkts berücksichtigen – hier beginnt die eigentliche Produktrecherche jedoch erst.

Recherchemethoden: Wie findet man gute Produktideen?

Unterschätzen Sie die Macht der Marktforschung nicht: Es gibt viele Daten und Statistiken, die Sie ganz kostenlos einsehen können, und Methoden, die Ihnen dabei helfen, die bestehende oder potenzielle Nachfrage nach einem Produkt einzuschätzen. Wir stellen einige der wichtigsten kurz vor:

1.

Such-Trend-Tools

Eine gute Möglichkeit, herauszufinden, was Menschen interessiert, sind Such-Trends. Mit Google Trends können Sie beispielsweise herausfinden, wie häufig Menschen nach welchen Produkten und Suchbegriffen suchen. Dabei können Sie unterschiedliche Filter anwenden, etwa um zwei Begriffe miteinander zu vergleichen oder die Suchtrends nach Märkten zu gliedern.

Google Trends ist ein wertvolles Tool, um herauszufinden, wonach Menschen suchen.

Bei Google Trends müssen Sie manuell nach Begriffen suchen, sollten also schon vorab einige Ideen mitbringen. Es gibt aber auch Tools, die Ihnen diese Arbeit abnehmen: Bei Exploding Topics können Sie beispielweise herausfinden, welche Begriffe in welchen Kategorien gerade wachsende Beliebtheit verzeichnen.

2.

Konkurrenzanalysen

Nur wenige Online-Verkäufer erfinden das Rad neu. Es ist keine Schande, sich bei anderen abzugucken, welche Produkte gerade populär sind – denn hochwertige Konkurrenz belebt das Geschäft.

Leider veröffentlichen nicht viele Unternehmen die Verkaufszahlen ihrer Produkte. Allerdings gibt es Mittel und Wege, Trends herauszufinden. Bei Amazon können Sie die aktuellen Bestseller, unterteilt in Kategorien, beispielsweise jederzeit einsehen.

Die Bestseller bei Amazon geben Aufschluss, was Menschen gerade kaufen.

3.

Dropshipping-Verzeichnisse

Dropshipping bezeichnet eine Dienstleistung, bei der Sie Produkte verkaufen, ohne sie selbst im Inventar zu haben. Die Ware wird direkt vom Händler oder Hersteller an Kunden geschickt, Sie übernehmen nur den Verkauf. Plattformen wie Oberlo machen es einfach, lukrative Produkte fürs Dropshipping zu finden und sie per Integration mit Plattformen wie Shopify direkt an Käufer zu versenden.

4.

Markt- und Produktforschung

„Know your market“ ist auch im E-Commerce eine Grundregel. Bevor Sie ein Produkt auf einen Markt loslassen, sollte Sie ihn so gut wie möglich verstehen. Dabei hilft es, sich ein paar wesentliche Fragen zu stellen:

  • Wie groß ist mein Markt?
    Mithilfe von Statistiken und Demografien können Sie einschätzen, wie viele potenzielle Kunden es für Ihr Produkt gibt. Möchten Sie beispielsweise Kaffeeprodukte in Deutschland verkaufen, können Sie anhand von Studien einsehen, wie viele Kaffeetrinker es in welcher Altersgruppe gibt. Natürlich gibt es nicht zu allen Produktsorten repräsentative Studien, doch selbst eine gut fundierte Vermutung kann helfen, die Marktgröße einzuschätzen.
  • Wer sind meine Kunden?
    Wenn Sie noch kein Produkt haben, müssen Sie natürlich nicht wissen, an wen genau Sie verkaufen möchten. Dennoch kann es helfen, sich die verschiedenen Zielgruppen und deren Bedürfnisse vor Augen zu führen. Da wäre beispielsweise das Einkommen: Premium-Produkte, die für eine wohlhabendere Klientel gedacht sind, müssen natürlich anders präsentiert werden als Schnäppchen für ein breites Publikum. Andere Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Wohnort (sind Ihre Kunden eher auf dem Land oder in der Stadt?) sind ebenfalls von Bedeutung.
  • Was hat die Konkurrenz zu bieten?
    Den Wert einer Konkurrenzanalyse haben wir bereits vorgestellt. Wer ein wirklich erfolgreiches Produkt auf den Markt bringen möchte, sollte aber nicht bei den Verkaufszahlen aufhören: Finden Sie heraus, was genau die Konkurrenz zu bieten hat und warum sich gerade deren Produkt so gut verkauft. So können Sie dafür sorgen, dass sich Ihr Produkt von der Konkurrenz abhebt.
  • Was ist Trend, was Modeerscheinung?
    Auch auf die bereits vorgestellten Such-Trends sollten Sie sich natürlich nicht blind verlassen. Wer erinnert sich noch an den Fidget Spinner? 2017 wollte plötzlich jeder das kleine Gadget – heute kräht kein Hahn mehr danach. Wenn Such-Trends nach einem Produkt plötzlich in die Höhe schießen, kann es bereits zu spät sein, auf den Zug aufzuspringen. Behalten Sie Trends also länger im Auge und bieten Sie für langfristigen Verkaufserfolg Produkte, deren Nachfrage beständig ist oder stets weiter wächst.
5.

Produkteigenschaften

Auch wenn Sie noch kein konkretes Produkt vor Augen haben, sollten Sie sich einige Fragen zur Art und den Eigenschaften der Produkte stellen, die Sie gerne verkaufen möchten:

  • Welche Preiskategorien möchte ich bedienen?
    Je günstiger Ihr Produkt ist, desto mehr davon müssen Sie verkaufen, um nennenswerte Einnahmen zu erzielen. Je teurer Ihr Produkt ist, desto weniger Käufer kommen dafür infrage. Der Preis bestimmt also, wie viele Einheiten Sie an den Menschen bringen müssen. Mit beiden „Extremen“ kann man natürlich sehr erfolgreich sein, doch Produkte in mittleren Preissegmenten sind ein guter Mittelweg, um ordentliche Einnahmen zu erwirtschaften.
  • Wie berechne ich meine Marge?
    Billig einkaufen, teuer verkaufen: So einfach ist das Prinzip, das viele E-Commerce-Betriebe antreibt. Doch der Einkaufs- oder Herstellungspreis ist nicht der einzige Preis, der entlang der Wertschöpfungskette auf Sie zukommt. Auch Steuern, Transaktionskosten, Lager- und Lieferkosten und weitere Gebühren müssen Sie berücksichtigen, um Ihren Produktpreis und Ihre Marge zu berechnen.
  • Welche Produkteigenschaften beeinflussen mein Geschäft?
    Schwer oder leicht? Wegwerfprodukt oder wiederverwendbar? Zerbrechlich oder unzerstörbar? Saisonal oder das ganze Jahr über verfügbar? Der Erfolg Ihres Produkts hängt von all diesen und vielen weiteren Aspekten ab. Wenn Sie ein Produkt verkaufen, das lange erhalten bleibt, wird es ein Kunde nur einmal kaufen und Sie müssen immer neue Kunden gewinnen. Ist ein Produkt zerbrechlich, könnte bei der Lieferung viel schiefgehen und Sie müssen mit Rückgaben oder verärgerten Käufern rechnen.

Top 5 Produktkategorien

Nun wissen Sie, welche Schritte Sie bei der Auswahl potenziell ertragreicher Produkte beachten sollten. Um nicht auf den neuesten Trend hereinzufallen oder von Ladenhütern in den Ruin gestürzt zu werden, sollten Sie diese Recherche-Phase ernst nehmen.

Falls Sie dennoch noch etwas Inspiration benötigen, haben wir einige Produktkategorien zusammengestellt, die sich für den Online-Verkauf besonders eignen.

1.

Elektronik & Accessoires

2020 hatte der Consumer Electronics-Bereich einen Anteil von 24,5% im Onlineverkauf in Deutschland. Mit Elektroprodukten und Gadgets lassen sich also ordentliche Umsätze erzielen, und auch der Markt für Accessoires wächst mit jedem verkauften Elektroprodukt.

Beispiele:

  • Smartwatches
  • Bluetooth-Lautsprecher
  • drahtlose Kopfhörer

Smartwatches sind ein Gadget, das immer beliebter wird.

Auch bei den Accessoires gibt es einige Dauerbrenner:

  • Smartphone-Stative
  • Mauspads
  • drahtlose Ladegeräte
2.

Modeartikel

Der Markt für Modeartikel und Accessoires lag im Online-Monitor des Handelsverbands Deutschland auf Platz 2, mit rund 16,8 Milliarden Euro Umsatz. Auch hier gibt es unzählige Produkte, die in großen Mengen verkauft werden können.

Ein Blick in die Amazon-Bestsellerlisten kann dabei helfen, beliebte Modeartikel zu finden.

Beispiele:

  • Gürtelschnallen
  • Aktivkleidung à la Lululemon
  • Brillen
3.

Freizeit, Sport & Hobby

Fitness-Ausrüstung verkauft sich nicht erst seit COVID-19 wie geschnitten Brot, doch die Pandemie hat in vielen Menschen eine Leidenschaft fürs Home Workout geweckt, die auch nach der Wiedereröffnung von Fitnessstudios geblieben ist. Dementsprechend gut verkaufen sich Fitnessprodukte und Accessoires.

Beispiele:

  • Yogamatten
  • Trainingsgeräte
  • Wasserflaschen
4.

Wohnen & Einrichten

Auch die Nachfrage nach Möbeln und Wohnaccessoires ist durch die Pandemie gestiegen - schließlich haben wir noch nie so viel Zeit zu Hause verbracht. Doch auch in „normalen“ Zeiten sind Produkte für Haus und Garten immerzu beliebt, weil Menschen es lieben, ihrem Wohnraum ihren Stempel aufzudrücken. Im Online-Monitor des Handelsverbands Deutschland liegt die Kategorie „Wohnen & Einrichten“ immerhin mit 9,2% auf Platz 5.

Beispiele:

  • Sitzsäcke
  • Gartenmöbel
  • Home Office-Accessoires
5.

Medien: Bücher, Musik & Co.

Physisch oder elektronisch: Bücher sind nach wie vor ein Riesengeschäft und allein in Deutschland für rund 7,5 Milliarden Umsatz verantwortlich. Besonders beliebt sind physische Medien auch in der Musik – nämlich Schallplatten. Deren Popularität ist in den letzten Jahren stark gestiegen: Wurden 2011 gerade einmal 700.000 Exemplare verkauft, waren es 2020 rund 4,2 Millionen. Auch Bücher und Musik werden in den kommenden Jahren also weiter lukrativ für Verkäufer bleiben.

Fazit

Wenn Sie ins E-Commerce-Geschäft einsteigen möchten, benötigen Sie zuallererst ein Produkt. Jenes ist mehr als ein Mittel zum Zweck: Es ist die Daseinsberechtigung Ihres Online-Shops – und bestimmt, ob Sie mit Ihrem Unterfangen Profit schlagen werden oder nicht. Nutzen Sie Marktforschung, Online-Tools und gesunden Menschenverstand, um potenzielle Verkaufsschlager von Ladenhütern zu unterscheiden.

Grundsätzlich gilt: Im E-Commerce gibt es keine Erfolgsgarantie und viele Geschäfte, selbst solche mit guten Produkten, gehen bereits nach den ersten Monaten unter. Bleiben Sie deshalb realistisch und fallen Sie auf keine Leitfäden herein, die schnelles Geld versprechen. Wenn Sie Ihre Hausaufgaben machen, Ihren Markt und Ihre Zielgruppe kennen und Produkte mit hoher Qualität sowie vernünftigen Gewinnmargen anbieten, sind Sie vielen E-Commerce-Glücksrittern schon ein paar Schritte voraus.

Sie haben ein Produkt ausgewählt und möchten nun den nächsten Schritt gehen – Ihren eigenen Online-Shop aufbauen? Wir haben 10 Shopsysteme getestet, die Ihnen dabei helfen können.

Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.
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