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Passwort-Manager im Test: Enpass

  Martin Gschwentner   9. Sep. 2019

Nie wieder Passwörter merken müssen: Passwort-Manager wie Enpass machen genau das möglich. Fast zumindest: Nur noch ein einziges Master-Passwort dient als Schlüssel zum Schlüsselbund; jenes sollten Sie allerdings unter keinen Umständen verlieren. Denn dann kann auch Enpass nicht mehr helfen. Wie gut die Software funktioniert, wenn Ihr Gedächtnis Sie nicht im Stich lässt, verrät unser Test.

Was ist Enpass?

Enpass ist ein Passwort-Manager, der am Desktop für Windows, Mac und Linux erhältlich ist. Außerdem gibt es Apps für Android und iOS sowie verschiedene Browser-Erweiterungen. Eine der Besonderheiten von Enpass ist das Tarifmodell: Anders als die meisten Passwort-Manager setzt das Programm nicht auf einen Abo-Service, sondern kann zum Einmalpreis erworben werden.

Testbericht

Einrichtung
Note 1,3
Benutzeroberfläche & Bedienkomfort
Note 1,3
Support
Note 2,0
Sicherheit
Note 2,0
Features
Note 2,3
Mobile Nutzung
Note 3,0

Pro & Contra

intuitive Desktop-App

günstiger Einmalpreis statt Abo

Cloud-Anbindung optional

solide Features

Autofill der Android-App unzureichend

schwacher Support

gefährliches Passwort-Sharing

Einrichtung

Je nachdem, auf welcher Plattform Sie Enpass installieren möchten, leitet Sie die Website auf die verschiedenen Marktplätze weiter. Wir entscheiden uns für die Windows-Version, die wir im Microsoft Store herunterladen. Wegen der Tarif-Struktur benötigen Sie vorweg keinen Account, und regeln alles bei der Einrichtung selbst. Zunächst müssen Sie nach der Installation Ihr Master-Passwort festlegen, wobei Ihnen das Programm Tipps zu dessen Sicherheit gibt.

Sobald Sie Ihr Master-Passwort erstellt haben, landen Sie im Dashboard des Desktop-Client von Enpass. Jener ist in das klassische Drei-Spalten-Layout gehüllt, das wir auch von anderen Programmen kennen - mehr dazu im nächsten Punkt. Die Installation der anderen Komponenten - Browser-Erweiterungen und mobile Apps - müssen Sie manuell vornehmen, was aber über die Website kein Problem ist.

Außerdem können Sie nun Daten importieren, wenn Sie bereits einen anderen Passwort-Manager verwendet haben. Unser Test mit einer .csv-Datei von LastPass erzielte gute Ergebnisse: Die meisten Einträge wurden korrekt aufgenommen, und die Benutzernamen und Passwörter landeten in den richtigen Feldern. Hier und da mussten ein paar Anpassungen vorgenommen werden, doch im Vergleich zu manchen anderen Programmen funktionierte der Import hervorragend.

Enpass macht Nutzern den Anfang besonders einfach, und bis das Programm einsatzbereit und sogar mit importierten Datensätzen gefüttert ist, vergeben nur wenige Minuten.

Note: 1,3

Benutzeroberfläche & Bedienkomfort

Die Desktop-Steuerung von Enpass spielt sich in zwei Komponenten ab: der Offline-App und einer Browser-Erweiterung.

Desktop-App

Der Offline-Client von Enpass ähnelt mit seiner übersichtlichen Drei-Spalten-Struktur bewährten Dashboards anderer Anbieter. Links befindet sich das scrollbare Menü mit den Datensatz-Kategorien, Tags und einer Art Sicherheits-Center. In der Mitte sind die jeweiligen Datensätze einer Kategorie aufgelistet, und in der rechten Spalte Informationen zu den einzelnen Datensätzen. Bekannte Seiten werden im Client von ihrem Logo begleitet, den restlichen Logins wird ein generisches Icon verpasst.

Eigene Kategorien können Sie für Ihre Datensätze nur als Premium-Nutzer erstellen, dafür können Sie ihnen verschiedene Tags zuweisen, die im linken Hauptmenü aufgelistet sind. Unsere selbst erstellen LastPass-Kategorien wurden beim Import als Tags übernommen, was Sinn macht. Sie können Ihre Daten somit relativ frei sortieren, doch eine Kategorie-Funktion innerhalb der von Enpass vorgegebenen Rubriken würde die Navigation noch einfacher machen.

Neue Datensätze können Sie mit einem Klick auf das "Plus"-Zeichen im oberen Menü anlegen. Hier finden Sie auch den Passwort-Generator und das Einstellungs-Menü.

Browser-Erweiterung

Auch die Browser-Erweiterung wirkt wie ein Best Of bewährter Komponenten. Ein vereinfachtes Menü gibt Ihnen Zugriff auf Favoriten, Kreditkarten, Identitäten, und auch den Passwort-Generator. Außerdem gibt es eine Suchfunktion im Browser-Fenster, sowie häufig und kürzlich verwendete Logins.

Enpass setzt beim Interface auf bewährte Eingabekonzepte, und der konservative Ansatz zählt sich aus: Im Dashboard kommt man sofort zurecht, keine Funktion muss lange gesucht werden und Frust sollte auch bei technisch weniger versierten Nutzern aufgrund der intuitiven Bedienung nicht aufkommen.

Note: 1,3

Features

Enpass deckt die meisten Grundfunktionen eines Passwort-Managers ab. Im Passwort-Generator, den Sie in der Desktop-App und von der Browser-Erweiterung aus erreichen können, haben Sie ausreichend Optionen für die Erstellung sicherer Passwörter, wenn auch nicht ganz so viel Freiheit wie bei manchen Konkurrenten.

Die Cloud als Option

Während die meisten Passwort-Manager auf eingebundene Cloud-Funktionalität setzen, was die Prominenz des Abo-Modells erklärt, sind Cloud-Features bei Enpass ein optionaler Bonus. Mit bekannten Anbietern wie Dropbox, Google Drive oder OneDrive können Sie Ihre Daten bei Bedarf synchronisieren. In der Voreinstellung werden Daten nur lokal gesichert, was das Programm für manche Nutzer besonders interessant machen könnte. Mehr dazu im Bereich "Sicherheit".

Ein ausgeklügeltes Sicherheits-Center wie andere Passwort-Manager hat Enpass nicht, doch im Untermenü "Passwort-Prüfung" können Sie immerhin sehen, welche Ihrer Passwörter den Standards des Programms nicht gerecht werden und welche Sie wiederholt verwendet haben. Zudem verlinkt die Desktop-App zur Website haveibeenpned.com, auf der Sie überprüfen können, ob Ihre Accounts gefährdet sind. Unzureichende Passwörter müssen Sie leider in Handarbeit ändern, denn einen automatischen Password Changer wie bei Dashlane gibt es nicht.

Autofill lässt selten im Stich

Die Browser-Erweiterung stellte sich in unserem Test als recht verlässlich heraus. Beim Besuch einer Website, deren Anmeldedaten bereits gespeichert sind, sollte ein Klick auf das Enpass-Logo in der Adressleiste den Datensatz offenbaren. Mit einem Doppelklick füllen Sie dann die Felder und werden automatisch eingeloggt. Andere Passwort-Manager zeigen sich hingegen mit kleinen Buttons auch in den Eingabefeldern selbst, sodass Sie die Browser-Erweiterung gar nicht erst öffnen müssen. Diese Lösung ist noch etwas eleganter, doch der "Umweg" über die Adressleiste ist kein großes Problem.

Wenn Sie sich neu einloggen und noch kein Datensatz vorhanden ist, greift die automatische Speicherung, die ebenfalls zuverlässig ihren Dienst verrichtete.

Auch bei den Funktionen konzentriert sich Enpass auf die Basics, was leider zu ein paar Kompromissen führt. Das Sicherheits-Center ist im Vergleich zur Konkurrenz etwa beschnitten und ein automatischer Passwortwechsel wäre ebenfalls willkommen. Die Share-Funktion ist zudem nicht besonders ausgereift: Wenn Sie einen Datensatz teilen, exportiert Enpass Passwort und Benutzername (je nachdem, was Sie teilen möchten) in Klarschrift - nicht empfehlenswert.

Was Enpass macht, macht Enpass gut - doch für die Zukunft gibt es noch ein paar Features, die wir gerne noch sehen würden.

Note: 2,3

Sicherheit

Enpass verschlüsselt Ihre Daten wie die meisten Passwort-Manager mit dem AES 256-Bit Standard, der als der momentane Goldstandard gilt. Wenn Sie auf Cloud-Synchronisierung ganz verzichten, werden Ihre Daten nur lokal gespeichert, was manche auf Sicherheit bedachten Nutzer als Vorteil sehen könnten. Wenn Sie allerdings auf Cloud-Dienste zurückgreifen, sind Sie auf die Sicherheitsstandards der jeweiligen Anbieter angewiesen,

Eine typische 2FA-Option gibt es bei Enpass leider nicht. Dafür haben Sie die Möglichkeit, für gewisse Datensätze intern erstellte Einmalpasswörter, sogenannte TOTPs (Time-based One Time Passwords) vorzuschreiben. Jene funktionieren wie eine eingebaute Authenticator-App, die in Enpass selbst immer wieder aktuelle Werte des TOTPs generiert, welche 30 Sekunden lang gültig sind. Die Sache wirkt etwas unnötig kompliziert, und eine klassische 2FA-Möglichkeit wäre wünschenswert. Ansonsten birgt die schwache Teilen-Funktion die meisten Sicherheitsrisiken - doch vor der Nutzung warnt immerhin auch Enpass selbst.

Note: 2,0

Mobile Nutzung

Die mobilen Enpass-Versionen sind fast Feature-gleich mit der Desktop-Anwendung. Die Bedienung ist natürlich an die Smartphone-Bildschirme angepasst, und anstelle der Drei-Spalten-Struktur gibt es ein Hauptmenü, das sich ausklappt, und verschiedene Tabs für die Datensätze und deren Einstellungen. Sie können die mobilen Apps auch per Fingerabdruck oder PIN entsperren, um nicht ständig wieder ihr Master-Passwort eingeben zu müssen.

Leider konnte die mobile App die hervorragenden Autofill-Leistungen der Desktop-Version nicht wiederholen. Selbst bei bekannten Websites - Reddit oder Facebook - mussten wir darauf zurückgreifen, die Werte über die Zwischenablage von der Enpass-App aus in die Formulare zu bringen. Zudem gibt es keinen integrierten Browser: Bei anderen Passwort-Managern öffnen sich gespeicherte Websites per Fingerdruck im Datensatz, doch bei Enpass können Sie die URL nur kopieren und in Ihren primären Browser einfügen.

Der gute Ersteindruck der eleganten App ging leider an ihrer enttäuschenden Performance und Mängeln wie dem fehlenden Browser zugrunde.

Note: 3,0

Support

Einen richtigen Support-Weg per Ticket oder gar Live-Chat gibt es bei Enpass leider nicht. Wenn wir unter den englischsprachigen FAQs und Tutorials im Support-Bereich nicht fündig werden sollten, schlägt man uns vor, im - relativ lebhaften - Forum nachzufragen. Diesen Aufwand wird jedoch nicht jeder Enpass-Nutzer betreiben wollen.

Auf ein Support-Formular stoßen wir schließlich doch, auch wenn Enpass kein besonders großes Vertrauen in die eigenen Kapazitäten zu haben scheint. Auf unsere Testfrage erhielten wir jedoch bereits nach etwa 14 Stunden am Morgen nach unserer E-Mail eine hilfreiche Antwort.

Note: 2,0

Preis

Enpass gibt es nicht im Abo, sondern zum sehr günstigen Einmalpreis, der allerdings immer nur für eine Plattform gilt. Möchten Sie die Premium-Version der App beispielsweise auf Windows und Android nutzen, müssen Sie zwei Lizenzen erwerben. Eine aktuelle Preisliste der Software finden Sie hier:

Desktop FreeMobile FreeMobile PremiumDesktop Premium
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 10.71 € 10.71 €
Grundpreis pro Monat 0.00 € 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Preis pro Nutzer 0.00 € 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Vertragslaufzeit (Monate) 0 0 0 0
Limits
Anzahl Benutzer 1 1 1 1
Anzahl Passwörter unbegrenzt 20 unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 1 1 1 1
Features
Sync mehrerer Geräte
Passwörter teilen
Teams
Nur lokale Speicherung
Zero-Knowledge Encryption
Notfallkontakte
Zwei-Faktor-Authentisierung
Speichert auch
Kreditkarten
Adressen
Notizen
Kreditkarten
Adressen
Notizen
Kreditkarten
Adressen
Notizen
Kreditkarten
Adressen
Notizen
Browser
Edge
Chrome
Firefox
Safari
Opera
Edge
Chrome
Firefox
Safari
Opera
Plattformen
Windows
macOS
Linux
iOS
Android
iOS
Android
Windows
macOS

Sie können Enpass auch kostenlos nutzen, was vor allem in den mobilen Versionen grobe Einschränkungen mit sich bringt. Dort können Sie nur 20 Datensätze speichern. Auf Windows und Mac hingegen können Sie auch als Gratis-Nutzer beliebig viele Datensätze und Tresore anlegen. Hier fehlen nur Extra-Features wie das Erstellen benutzerdefinierter Kategorien oder Vorlagen. Linux-Nutzer können sich besonders freuen: Sie können alle Premium-Features kostenfrei nutzen.

Fazit

Einrichtung
Note 1,3
Benutzeroberfläche & Bedienkomfort
Note 1,3
Support
Note 2,0
Sicherheit
Note 2,0
Features
Note 2,3
Mobile Nutzung
Note 3,0

Enpass weiß durchaus zu gefallen. Das beginnt schon beim Preismodell: Am Desktop erhält man bereits in der Gratis-Version ein vollwertiges Produkt, und eine Lizenz für den Premium-Dienst ist im Vergleich zu den Abonnements vieler anderer Programme ein echtes Schnäppchen. Gerade am Desktop gefällt uns auch die Anwendung außerordentlich gut: Die wichtigsten Funktionen sind vorhanden, das Interface ist benutzerfreundlich und Autofill macht, was es soll. Manche Funktionen fehlen oder sind unausgereift, doch die Unzulänglichkeiten lassen sich größtenteils verschmerzen.

EnpassEnpass Passwort Manager
 12.895
0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
intuitive Desktop-App
günstiger Einmalpreis statt Abo
Cloud-Anbindung optional
Kauf für jede Plattform separat
Enpass Desktop Free + 3 weitere Tarife
Passwörter
1
Gerät
1
Nutzer

Weniger verschmerzbar hingegen war die Performance auf dem Mobilgerät: Hier war Autofill alles andere als verlässlich, und Enpass sorgte genau dort für Frust, wo Passwort-Manager eigentlich für mehr Komfort stehen sollten. Außerdem ist Passwort-Sharing bei Enpass bisher eine sicherheitstechnische Katastrophe.

Es gibt also noch einiges zu tun, wenn Enpass den Spitzenreitern auf dem Passwort-Manager-Markt Konkurrenz machen möchte. Die guten Ansätze und die tolle Leistung am Desktop machen das Programm aber auch schon jetzt einen Blick wert.

Kundenbewertungen

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 12895 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.2 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

Empfehlung: Testsieger 2019
DashlaneDashlane Passwort Manager
 103.737
0,00 €
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Hohe Kundenzufriedenheit
Zero-Knowledge Encryption
Dark-Web Überwachung
Premium: VPN integriert
Dashlane Kostenlos + 2 weitere Tarife
1. Platz im Test
50
Passwörter
1
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 4.348
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Offline Sync möglich
Fingerabdruck Scan
Lebenslange Lizenz möglich
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Sticky Password Free + 3 weitere Tarife
2. Platz im Test
Passwörter
1
Gerät
1
Nutzer
Empfehlung: Preis-Leistungs-Sieger 2019
AviraAvira Password Manager
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0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
gute Gratis-Version ohne Limits
einfache und intuitive Anwendungen
exzellente Sicherheit
vergleichweise wenige Features
Avira Kostenlos + 2 weitere Tarife
3. Platz im Test
Passwörter
Geräte
1
Nutzer

So testen wir

Die Browser-Erweiterung von Enpass wurde auf Google Chrome getestet, die mobile Applikation auf einem Android-Gerät (Version 8.1.0).

Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.