Proxy Server

Proxy Bedeutung einfach erklärt: Was ist ein Proxy-Server?

Janis von Bleichert
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Anonymität ist im Internet Mangelware. Das liegt unter anderem daran, dass Ihre individuelle IP-Adresse Rückschlüsse über Ihre Identität, Ihren Standort oder Ihren Internet Service Provider (ISP) zulässt. Wenn Sie eine Website aufrufen, müssen Sie Ihre IP-Adresse an jene weitergeben – es sei denn, Sie benutzen einen Zwischenhändler. Genau diese Rolle nehmen Proxy-Server ein.

Ein Proxy-Server ist ein Webserver, der sich zwischen Ihr Gerät und das Internet klinkt. Er nimmt Ihre Anfragen entgegen und leitet sie an die Websites, die Sie besuchen, weiter, und umgekehrt. Somit gibt es keinen „direkten“ Berührungspunkt mit dem Internet, und weil Sie die IP-Adresse des Proxy-Servers übernehmen, können Websites Ihren Standort oder Ihren ISP nicht herausfinden.

Wozu sind Proxy-Server gut?

Proxy-Server haben mehrere Einsatzbereiche, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Dazu zählen:

Anonym surfen
Weil ein Proxy-Server Ihre IP-Adresse verbirgt, lassen sich keine Rückschlüsse über Ihre Identität ziehen. Sie erreichen damit einen gewissen Grad an Anonymität.

Ländersperren umgehen
Indem Sie sich die IP-Adresse des Proxy-Servers borgen, können Sie virtuell den Standort ändern. Damit lassen sich Geoblocking-Methoden, beispielsweise von Streaming-Diensten wie Netflix oder Mediatheken wie der des ZDF, austricksen. Auch autoritäre Zensurmaßnahmen wie die Great Firewall of China können Sie umgehen.

Content filtern
Besonders in Firmen-Netzwerken sind Proxy-Server eine beliebte Methode, um bestimmte Anfragen zu blockieren. Wenn Sie nicht möchten, dass Mitarbeitende auf bestimmte Websites zugreifen oder Filesharing betreiben, können Sie einen Proxy-Server dafür nutzen.

Geschwindigkeit erhöhen
Proxy-Server können Kopien der übertragenen Daten lokal speichern, um den Zugriff auf Websites, die Sie regelmäßig besuchen, zu beschleunigen. Statt die Daten jedes Mal komplett zu übertragen, werden sie einfach temporär im Cache hinterlegt – deshalb spricht man bei dieser Funktion auch von Caching.

Lastenverteilung
Websites nutzen Proxy-Server auch als eine Art „Türsteher“, der Traffic umverteilt, um Ressourcen besser zu nutzen und Stabilität zu gewähren.

Ein Proxy-Server ist also ein durchaus praktisches Tool. Doch wie genau funktioniert das Ganze?

Wie funktioniert ein Proxy-Server?

Wenn Sie eine Website besuchen, schicken Sie von Ihrem Gerät, beispielsweise dem Browser auf Ihrem Computer, eine Anfrage an einen Zielserver. Diese Anfrage enthält unter anderem Ihre IP-Adresse. Über Ihre IP überprüft der Zielserver, woher die Anfrage kam und wohin die Antwort gesendet werden muss.

Ohne Proxy-Server senden Sie Anfragen im Internet direkt an die Website, die Sie besuchen.

Wenn Sie einen Proxy-Server verwenden, nimmt er eine Art Vermittlerrolle zwischen Ihnen und dem Internet ein. Sobald Sie eine URL eingeben und somit eine Anfrage senden, wird jene an den Proxy-Server geschickt. Jener leitet sie weiter an den Server der Ziel-Website, und drückt ihr seine IP-Adresse auf, sodass Ihre anonym bleibt.

Auch die Antwort vom Zielserver geht nur über den Proxy-Server zurück zu Ihrem Gerät, sodass es zu keinem direkten Kontakt zwischen Ihnen und dem Netzwerk kommt.

Ein Proxy-Server klinkt sich dazwischen und verbirgt Ihre IP-Adresse.

Dieses Prinzip ist die Basis aller Proxy-Server, doch verschiedene Einsatzbereiche erfordern verschiedene Proxy-Typen.

Welche Arten von Proxy-Servern gibt es?

Proxy ist nicht gleich Proxy: Es gibt zahlreiche verschiedene Arten von Proxy-Servern, die nach Eigenschaften wie ihrem Anonymisierungsgrad oder der Verbindungsrichtung kategorisiert werden. Die Kategorien gehen jedoch ineinander über. Beispielsweise unterscheidet man zwischen folgenden Typen:

  • Forward- und Reverse-Proxy-Server:
    Beim Forward-Proxy handelt es sich um den klassischen Proxy-Server, der im Auftrag eines Clients (also beispielsweise Ihres Laptops) Anfragen erhält und an einen Zielserver weiterleitet. Beim Reverse-Proxy verhält es sich umgekehrt: Er leitet ebenfalls Anfragen weiter, allerdings im Auftrag des Zielservers. Das ist beispielsweise nützlich, wenn Betreiber einer Website die eingehenden Anfragen aus Sicherheitsgründen erst überprüfen oder auf verschiedene Server umverteilen möchten (Lastenverteilung).
  • Transparente und anonyme Proxy-Server:
    Anonyme Proxy-Server verschleiern die IP-Adresse des Clients, damit Nutzer beispielsweise Sperren oder Firewalls umgehen können. Weiter unterscheidet man zwischen „regulär“ anonymen Diensten, die ihre eigene Identität als Proxy-Server preisgeben und „hochgradig anonymen“ Proxies, die es nicht tun. Transparente Proxy-Server sind das Gegenteil: Sie verstecken weder sich selbst, noch die IP-Adresse der Clients. Sie werden beispielsweise von Unternehmen oder Schulen für die Content-Filterung eingesetzt.
  • HTTP(S)- und SOCKS-Proxy-Server: HTTP-Proxy-Server sind speziell dafür konfiguriert, HTTP-Anfragen weiterzuleiten, eignen sich also nur für Web-Content. HTTPS-Proxies verschlüsseln den Traffic zusätzlich mit dem HTTPS-Protokoll. SOCKS-Proxy-Server sind flexibler und leiten jede Art von Traffic weiter, eignen sich also auch für Torrents oder E-Mails.

Wie nutze ich einen Proxy-Server?

Wenn Sie einen Proxy-Server verwenden möchten, gibt es verschiedene Methoden, die unterschiedlich aufwändig, flexibel und sicher sind.

1.

Web-Proxy

Ein Web-Proxy ist die wohl einfachste Möglichkeit, einen Proxy-Server zu verwenden. Dabei müssen Sie selbst nichts konfigurieren, sondern nur die Website des Proxy-Anbieters besuchen. Dort geben Sie eine URL in ein Suchfeld und wählen den Proxy-Standort und eventuell andere Einstellungen aus, der Web-Proxy leitet Ihre Anfrage schließlich über den ausgewählten Proxy-Server weiter.

Web-Proxys gibt es beispielsweise bei ProxySite, HideMyAss oder Hide.me.

Mit Web-Proxy-Diensten können Sie mit wenigen Klicks und ohne manuelle Einrichtung eine Proxy-Verbindung herstellen.

Vorteilhaft an den Web-Proxy-Tools ist, wie simpel sie sind: Es ist keine Konfiguration nötig und man kann sie von jedem Browser aus erreichen. Dafür sind sie oft nicht besonders schnell oder zuverlässig, und eignen sich deshalb beispielsweise weniger fürs Video-Streaming. Zudem unterstützen sie generell nur Web Traffic.

In unserem Web-Proxy-Artikel erfahren Sie alles, was Sie über die simplen Proxy-Tools wissen müssen.

2.

Web-Proxy als Browser-Erweiterung

Wenn Sie nicht immer erst die Web-Proxy-Website aufrufen möchten, um sich mit einem Proxy-Server zu verbinden, können Sie stattdessen eine Browser-Erweiterung nutzen. Auch eine solche bietet HideMyAss beispielsweise kostenlos. Im Prinzip handelt es sich dabei nur um eine simple Web-Proxy-Lösung, nur dass Sie nicht immer erst die Website des Proxy-Tools aufsuchen müssen.

Mit einer Web-Proxy-Browser-Erweiterung müssen Sie nicht immer erst die Web-Proxy-Seite besuchen.

Wenn Sie mehr Flexibilität und Leistung benötigen, können Sie den Proxy auch manuell im Browser konfigurieren. Wie das funktioniert, erklären wir in unseren Ratgebern für Google Chrome (das allerdings nur die Proxy-Einstellungen von Windows nutzt) und Mozilla Firefox.

Manuelle Konfiguration im Betriebssystem

Wenn Sie einen Proxy-Server für Ihre gesamte Internetverbindung nutzen möchten, müssen Sie ihn auf Betriebssystemebene konfigurieren. Auf Windows gibt es dafür in den Einstellungen unter Netzwerk und Internet > Proxy zwei grundlegende Möglichkeiten:

Entweder Sie verwenden ein automatisches Setup-Skript, das Sie beispielsweise von der Universität oder Ihrem Unternehmen enthalten, oder Sie richten den Proxy-Server manuell ein. Dafür benötigen Sie die IP-Adresse eines Proxy-Servers, die Sie in unserer kostenlosen Proxy-Liste finden oder gegen Geld mieten können. Kostenlose Server sind jedoch häufig instabil oder langsam.

Wenn Sie den Proxy auf Betriebssystemebene einrichten, können Sie ihn für die gesamte Internetverbindung nutzen.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Einrichtung eines Proxy-Servers finden Sie in unserem Ratgeber zum Thema.

Was sind die Nachteile eines Proxy-Servers?

Proxy-Server sind ein nützliches Tool, doch im Vergleich zu anderen Lösungen haben sie auch Nachteile:

Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit
Insbesondere kostenlose Proxy-Server sind häufig langsam und nicht besonders zuverlässig. Deshalb kann es sein, dass Sie häufig den Server wechseln müssen.

Keine Verschlüsselung
Ein Proxy-Server ermöglicht zwar ein gewisses Maß an Anonymität, doch verschlüsselt wird Ihre Verbindung über in aller Regel nicht. Wenn Sie Ihre Identität verschleiern und sich gleichzeitig schützen möchten, gibt es also bessere Methoden.

Sicherheitsrisiken durch Betreiber
Oft ist nicht bekannt, wer einen Proxy-Server betreibt, vor allem bei kostenlosen Angeboten. Somit könnte die Gefahr bestehen, dass zwielichtige Betreiber Ihre Aktivitäten ausspionieren oder die HTML manipulieren.

Eingeschränkte Einsatzbereiche
Je nach Proxy-Server kann sich die Proxy-Verbindung nur für bestimmten Traffic eignen, beispielsweise HTTP.

Benutzerfreundlichkeit
Zwar gibt es simple Web-Proxys, doch ihre wahre Stärke spielen Proxy-Server erst aus, wenn man sie manuell einrichtet und kostenpflichtig erwirbt. Das ist auch für Anfänger kein Problem, aber etwas komplizierter als andere Lösungen.

Alternativen zu Proxy-Servern

Die offensichtliche Alternative zum Proxy-Server ist ein VPN. Auch ein VPN nimmt eine Vermittlerrolle ein, um beispielsweise Ihre Identität zu verschleiern und Ihren Standort virtuell zu ändern. Neben diesen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch ein paar wichtige Unterschiede: Ein VPN liefert beispielsweise mehr Sicherheit, weil es nicht nur Ihre IP verheimlicht, sondern Ihren Traffic zugleich komplett verschlüsselt.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Vermittler-Tools haben wir hier für Sie zusammengestellt:

Proxy-ServerVPN

Verschlüsselung

In der Regel nicht verschlüsselt

Verschlüsselung der gesamten Verbindung

Kosten

Meist (mit Einschränkungen) kostenlos

Meist kostenpflichtig, aber (mit Einschränkungen) kostenlos nutzbar

Bedienung

Manuelle Einrichtung erforderlich (Ausnahme: Web-Proxys und Browser-Erweiterungen)

Benutzerfreundliche Apps

Geschwindigkeit

Theoretisch schneller, aber stark vom Proxy-Server abhängig

Höhere Geschwindigkeitseinbußen durch Verschlüsselung, doch insgesamt konstanter

Zuverlässigkeit

Stark vom Proxy-Server abhängig

In der Regel zuverlässig

VPN-Dienste sind durch ihre Verschlüsselungsstandards, die Zuverlässigkeit ihrer Verbindungen und die benutzerfreundliche Bedienung eine attraktive Alternative zu Proxy-Servern. Allerdings sind gute VPN-Dienste ohne Geschwindigkeits- und Bandbreiten-Limits meist kostenpflichtig (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Auswahl an VPN-Diensten ist groß. Im EXPERTE.de VPN-Vergleich haben wir 22 davon getestet und einen Gewinner gekürt:

EXPERTE.de VPN-Testsieger: NordVPN

Testsieger 2022
NordVPN Test
NordVPN
(655.076)
5400+ Server, 60 Länder
Exzellente Geschwindigkeiten
Keine Logs
6 Geräte gleichzeitig
Günstig im 2-Jahres-Paket
NordVPN vereint Geschwindigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Funktionsumfang zu einem stimmigen Gesamtpaket, das noch dazu relativ erschwinglich ist.
Datenvolumen
unbegrenzt
Geräte
6
Protokolle
5
Laufzeit
1 - 24 Monate
NordVPN 2-Jahres-Paket
3,49 €
mtl. Effektivpreis
zum Anbieter »
30 Tage Geld-zurück-Garantie
Testurteil
1,3
sehr gut

NordVPN kombiniert exzellente Geschwindigkeiten in unserem VPN-Speedtest mit hoher Benutzerfreundlichkeit und einem großen Server-Netzwerk. Auch die Sicherheitsstandards des Anbieters mit Sitz in Panama, der verspricht, keine Logs zu sammeln und sich regelmäßig Audits von Drittanbietern unterzieht, sind hoch.

EXPERTE.de-Testsieger NordVPN punktet mit Speed, Features und Sicherheit.

Alle wichtigen VPN-Funktionen (inklusive Split-Tunneling) sind vorhanden; zudem bietet NordVPN nützliche Spezial-Server, beispielsweise für die Nutzung von P2P-Plattformen oder noch mehr Anonymität durch eine Verbindung zum Tor-Netzwerk.

Weil darüber hinaus auch der Preis solide ist, bietet NordVPN das unserer Meinung nach beste VPN-Paket auf dem Markt.

Testurteil
1,3
04/2021
sehr gut
zum Anbieter
Performance
Note 1,0
Kundensupport
Note 1,3
Bedienung und Features
Note 1,3
Sicherheit und Privatsphäre
Note 1,3
Server-Netzwerk
Note 1,7

Fazit

Ein Proxy-Server ist eine Art Vermittler zwischen einem Client, etwa einem Internet-Browser, und dem Internet. Weil er Ihre IP-Adresse und Ihren Standort verschleiert, eignet er sich beispielsweise zur Umgehung von Ländersperren – doch es gibt noch viele weitere Einsatzbereiche, sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen.

Proxy-Server sind in der Regel kostenlos, verschlüsseln Ihre Verbindung jedoch nicht und sind häufig unzuverlässig. Deshalb sind VPN-Dienste eine beliebte Alternative: Sie funktionieren auf Betriebssystemebene, verschlüsseln den gesamten Traffic und liefern stabile Verbindungen, sind dafür aber meist kostenpflichtig.

Wenn Sie einen Proxy-Server manuell einrichten möchten, finden Sie in der EXPERTE.de Proxy-Liste eine Auswahl kostenloser Proxy-IPs. Falls Sie doch lieber zum VPN greifen möchten, finden Sie in unserem VPN-Vergleich ausgiebige Rezensionen von 22 Anbietern.

FAQs

Was ist ein Proxy Server?
Ein Proxy-Server ist ein Server, der eine Vermittlerrolle in einem Netzwerk einnimmt. Er nimmt Anfragen eines Browsers entgegen und leitet sie an einen Webserver weiter, um direkten Kontakt eines Clients mit dem Internet zu verhindern. Dadurch bleiben Informationen wie die IP-Adresse des Geräts, das mit dem Internet verbunden ist, vom Webserver unerkannt.

Ist ein Proxy-Server sinnvoll?
Ein Proxy-Server hat viele mögliche Einsatzbereiche, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Sie können ihn nutzen, um Ländersperren, beispielsweise von Streaming-Diensten wie Netflix, zu umgehen. Unternehmen und Einrichtungen nutzen Proxy-Server hingegen, um Content zu filtern oder ihre Websites durch Lastenausgleich stabiler zu machen.

Wie kann ich einen Proxy-Server einrichten?
Um alle Vorteile eines Proxy-Servers zu nutzen, muss man ihn auf Betriebssystemebene manuell einrichten. Bei Windows ist dies in den Einstellungen unter Netzwerk und Internet > Proxy möglich. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es im EXPERTE.de-Ratgeber zum Thema. Alternativ können Sie auch Web-Proxys nutzen, um direkt im Browser eine Proxy-Verbindung für spezifische Websites zu verwenden.

Autor: Janis von Bleichert
Janis von Bleichert hat Wirtschaftsinformatik an der TU München und Informatik an der TU Berlin studiert. Er ist seit 2006 selbständig und ist der Gründer von EXPERTE.de. Er schreibt zu den Themen Hosting, Software und IT-Security.
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