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VPNs im Test: ProtonVPN

  Martin Gschwentner   16. Sep. 2019

ProtonVPN begann als eine Art Begleit-Produkt: Aus dem Wunsch heraus, die Journalisten und Aktivisten zu beschützen, die ProtonMail verwenden, entwickelten dessen Macher ein hauseigenes VPN. Mittlerweile ist ProtonVPN auch über die Nutzerbasis von ProtonMail hinaus bekannt und vergrößert sein Netzwerk kontinuierlich.

Was ist ProtonVPN?

ProtonVPN ist ein VPN-Service aus dem Hause ProtonMail, einem Schweizer E-Mail-Anbieter. Als relativ junger Anbieter ist die Server-Infrastruktur von ProtonVPN noch im Wachstum, und auf dem Papier zumindest muss man sich in vielerlei Hinsicht gegen die erfahrene Konkurrenz geschlagen geben. Ob sich der Neuankömmling auf dem VPN-Markt dennoch behaupten kann, verrät unser Test.

Testbericht

Sicherheit und Privatsphäre
Note 1,7
Performance
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,0
Kundensupport
Note 2,7
Server-Netzwerk
Note 3,0

Pro & Contra

solide Performance

benutzerfreundliche Anwendungen

Sicherheits-Features wie "SecureCore"

kein Protokoll-Wechsel

keine Informationen zur Server-Auslastung

unbeeindruckendes Server-Netzwerk

Bedienung und Features

ProtonVPN stellt Anwendungen für Windows, Mac, Linux, Android und iOS bereit. Alternativ kann das VPN auch manuell für andere Clients oder Router eingerichtet werden. Wie viele Geräte und gleichzeitige Verbindungen möglich sind, entscheidet dabei Ihr Tarif: Die Bandbreite reicht von einem bis zu zehn Geräten.

Das ProtonVPN-Interface verbindet den Minimalismus eines schlanken Quick Connect-Fensters mit der optischen Genugtuung einer ausklappbaren Weltkarte. Letztere zeigt neben allen verfügbaren Server-Standorten auch Statistiken zur laufenden Sitzung an.

Um eine VPN-Verbindung herzustellen, müssen Sie die Weltkarte jedoch keines Blickes würdigen: Mit einem Klick auf "Quick Connect" werden Sie mit dem bestmöglichen Server verbunden. Direkt unter dem Button finden Sie die komplette Länderliste, wobei Sie jedes Land für eine direkte Auswahl der Server ausklappen können. Auch eine Suchfunktion gibt es, doch weil die Länder-Liste von ProtoVPN bisher überschaubar ist, müssen Sie ohnehin nicht lange scrollen. Neben den Standorten weisen kleine Symbole darauf hin, ob die Server Tor- und P2P-tauglich sind.

Infos zur Server-Auslastung und der voraussichtlichen Verbindungsqualität werden es aber leider nicht angezeigt.

Favoriten gibt es bei ProtonVPN nicht, dafür können Sie in einem weiteren Tab im Startfenster Ihre eigenen Verbindungsprofile anlegen. Voreingestellt sind Profile für die schnellste verfügbare und eine zufällige Verbindung, doch die Anzahl der Profile ist unbegrenzt. Nutzen Sie das VPN hin und wieder für Torrents, können Sie beispielsweise ein P2P-Profil anlegen, das Sie per Mausklick zum nächstbesten P2P-tauglichen Server verbindet.

In den Einstellungen finden Sie die typischen Autostart-Optionen und VPN-Features wie den Kill Switch, DNS Leak-Schutz und Split Tunneling. Letztere Funktion, die es Ihnen erlaubt, Applikationen gezielt über die VPN-Verbindung laufen zu lassen, hat sich noch nicht bei allen VPN-Clients als Standard etabliert, deshalb ist die Inklusion erfreulich. In den Verbindungs-Einstellungen können Sie auswählen, welches Ihrer Profile beim Quick Connect voreingestellt sein soll.

Keine Auswahl hingegen lässt Ihnen ProtonVPN beim VPN-Protokoll: Sie sind an OpenVPN gebunden und können nur zwischen UDP und TCP wechseln. Bei OpenVPN handelt es sich um den derzeitigen Gold-Standard, doch ein paar weitere Protokoll-Optionen wären dennoch wünschenswert.

Im Streaming-Test machte das VPN eine gute Figur: Amerikanisches Netflix und den britischen iPlayer der BBC konnten wir mit den entsprechenden Servern ohne Probleme zum Laufen bringen.

Mobile App

Auch in der mobilen Version ist das Protokoll eingerastet. Hier wird statt OpenVPN allerdings IKEv2 verwendet. Davon abgesehen ist die Android-App jedoch recht identisch mit der Desktop-Version: Mit dem Quick Connect-Button werden Sie je nach eingestelltem Profil mit dem nächstbesten Server verbunden. Auch die Weltkarte und Ihre Verbindungs-Profile finden Sie hier.

In den Einstellungen können Sie per Split-Tunneling bestimmte Apps an die VPN-Verbindung knüpfen. Einen Kill Switch gibt es in der mobilen Version allerdings nicht (wobei diese Funktionalität ab Android 7.1 sowieso integriert sein sollte).

ProtonVPN erfindet mit seinen Anwendungen das Rad nicht neu, das ist aber auch gar nicht nötig: Die Apps sind benutzerfreundlich und intuitiv, und die meisten VPN-typischen Features enthalten. Bei den VPN-Protokollen wünschen wir uns mehr, oder besser gesagt überhaupt eine Auswahl, und auch Informationen zur Qualität der Server würden die Apps noch besser machen. Zudem sind die Anwendungen bisher nur in englischer Sprache erhältlich, wobei laut Support Lokalisierungen geplant sind.

Note: 2,0

Server-Netzwerk

ProtonVPN ist derzeit mit 424 Servern in 33 Ländern vertreten. Viele Top-Provider stellen mehrere Tausend Server zur Verfügung und decken auf der Weltkarte eine weitaus größere Fläche ab - in dieser Hinsicht ist der Neuankömmling auf dem VPN-Markt also noch weit von der Spitze entfernt.

In Europa ist ProtonVPN gut aufgestellt, doch in Asien, Mittel- und Südamerika und Afrika geht man - mit den typischen Ausnahmen - eher leer aus. Diese Regionen werden aber auch von lange etablierten Anbietern oft ignoriert, und obwohl ProtonVPN weit von der Spitze entfernt ist, wächst die Infrastruktur kontinuierlich.

Note: 3,0

Performance

Wir messen die Performance der von uns getesteten VPNs von einem Server in Frankfurt mit einer 1 Gbit/s-Anbindung aus. Dabei testen wir mehrmals täglich einen zufälligen ProtonVPN-Server, um ein ausführliches Bild der Geschwindigkeiten zu zeichnen. Mehr Informationen zur Methodik finden Sie in unserem VPN Speedtest.

Die folgende Tabelle zeigt, absteigend nach Download + Upload-Geschwindigkeiten sortiert, die Ergebnisse der letzten sieben Tage:

Zum Zeitpunkt des Tests erreichte Perfect Privacy mit einem Download von 169,2 Mbit/s und einem Upload von 20,7 Mbit/s den 9. Platz in unserem Speedtest. Mit den schnellsten VPNs kann Perfect Privacy damit nicht mithalten, doch weit abgeschlagen ist das VPN mit noch immer "guten" Geschwindigkeiten auch nicht.

Note: 2,0

Sicherheit und Privatsphäre

ProtonVPN verspricht Nutzern einen besonderen Fokus auf Sicherheit und Privatsphäre. Branchentypisch werden Verbindungen mit dem Gold-Standard AES 256 Bit abgesichert. Dabei nutzt der Desktop-Client das OpenVPN-Protokoll, dass als sicherstes auf dem Markt gilt.

Zudem bietet PureVPN Sicherheits-Features wie Split Tunneling oder den bekannten Kill Switch. Besonderer ist die "Secure Core"-Funktion, die Verbindungen durch einen zusätzlichen, sicheren Server lenkt, und auch dann beschützt, wenn der primäre VPN-Server beeinträchtigt ist.

DNS-, IP- und WebRTC-Leak-Tests bestand ProtonVPN ausnahmslos.

ProtonVPN verspricht, keine Logs seiner Nutzer zu speichern. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Schweiz und muss mit den strengen und transparenten Datenschutz-Regeln des Landes konform gehen. Zudem ist die Schweiz nicht Teil der Five-, Nine- und 14 Eyes-Abkommen.

Die Website RestorePrivacy wirft ProtonVPN Verbindungen zu US-Investoren vor, und stellt die Versprechen der Unabhängigkeit in Frage. Wie immer muss man sich bei No Logs-Versprechen und der Hingabe zu Datenschutz und Privatsphäre ein Stück weit auf die Versprechen der Firmen verlassen, doch richtig konkrete Beschwerden und Skandale konnten wir bei ProtonVPN bisher nicht finden.

Note: 1,7

Kundensupport

Einen Live-Chat wie viele anderen VPN-Anbieter stellt ProtonVPN leider nicht zur Verfügung. Die einzige Kontakt-Option sind Support-Tickets auf der Website. In unseren Tests wurden jene immerhin bereits nach rund einer Stunde ausführlich, und nicht nur mit einem Link zur Website, beantwortet. Generell sei man bemüht, auf Anfragen nach ein bis zwei Tagen zu reagieren.

Der restliche Support-Bereich ist etwas knapp gehalten, und Anleitungen sind leider nur auf Englisch verfügbar.

Das Ticket-System von ProtonVPN geht in Ordnung, dennoch würden wir uns eine Chat-Funktion wünschen.

Note: 2,7

Preisgestaltung

ProtonVPN verfügt über eine Gratis-Version, die Sie den VPN-Dienst mit gedrosselter Geschwindigkeit und einem einzigen verbundenen Gerät über Server in drei Ländern testen lässt. Die Bezahl-Versionen hingegen sind in "Basic", "Plus" und "Visionary" unterteilt. Die Preise befinden sich eher im gehobeneren Segment - im teuersten Tarif ist allerdings auch ProtonMail inkludiert. Die aktuelle Preisliste finden Sie hier:

Basic 12 MonateBasicPlus 12 MonatePlus
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 3.57 € 4.46 € 7.14 € 8.93 €
Vertragslaufzeit (Monate) 12 1 12 1
Limits
Datenvolumen (GB) unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 2 2 5 5
Features
Anzahl Server 325 325 325 325
Anzahl Länder 29 29 29 29
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
- OpenVPN
- IKEv2
- IPSec
- OpenVPN
- IKEv2
- IPSec
- OpenVPN
- IKEv2
- IPSec
- OpenVPN
- IKEv2
- IPSec

Fazit

Sicherheit und Privatsphäre
Note 1,7
Performance
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,0
Kundensupport
Note 2,7
Server-Netzwerk
Note 3,0

ProtonVPN kann in keiner Einzeldisziplin mit den führenden VPN-Anbietern mithalten, liefert aber dennoch ein solides Gesamtpaket ab. Besonders bei der Server-Abdeckung besteht Aufholbedarf, doch weil ProtonVPN sich stetig im Wachstum befindet, könnte die Infrastruktur schon bald viel besser aussehen.

ProtonVPNProtonVPN
 100
3,57 €
∅ mtl. Effektivpreis
12 Monate Laufzeit
Hoher Fokus auf Sicherheit
400+ Server in 30+ Ländern
Unternehmenssitz Schweiz
Speichert keine Logs
ProtonVPN Basic 12 Monate
2
Geräte
Datenvolumen
3
VPN Protokolle

Mit Features wie Split Tunneling und SecureCore beweist ProtonVPN, dass man Nutzern mehr als nur das Mindeste bieten möchte, und im Bereich Sicherheit und Datenschutz hat das Unternehmen eine relativ weiße Weste ProtonVPN ist eine solide Wahl, die als echte Alternative zu den großen VPN-Namen betrachtet werden sollte.

Kundenbewertungen

ProtonVPN kann in den von uns erfassten Kunden-Reviews überwiegend gute Noten aufweisen. Kritisiert werden vor allem der Preis, der im Vergleich zu anderen VPN-Diensten etwas hoch ist, und der Support, der beispielsweise keine Chat-Funktion hat. Hervorgehoben wird von Nutzern der Fokus auf die Privatsphäre der Nutzer.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 100 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.3 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

Empfehlung: Testsieger 2019
ExpressVPNExpressVPN
 3511
7,43 €
∅ mtl. Effektivpreis
15 Monate Laufzeit
2000+ Server
148 Städte in 94 Ländern
Speichert keine Logs
30-Tage Geld-zurück-Garantie
ExpressVPN 12 Monate
3
Geräte
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Empfehlung: Preis-Leistungs-Sieger 2019
NordVPNNordVPN
 1112
2,67 €
∅ mtl. Effektivpreis
36 Monate Laufzeit
5000+ Server weltweit
60 Länder
Keine Logs
6 Geräte gleichzeitig
NordVPN 3-Jahres-Paket
6
Geräte
Datenvolumen
4
VPN Protokolle
hide.mehide.me VPN
 68
0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
55+ Standorte in 34+ Ländern
Speichert keine Logs
14-Tage Geld-zurück-Garantie
mit kostenlosem Tarif
hide.me Free
1
Gerät
2 GB
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.