Geoblocking: Wie Sie nervige Ländersperren umgehen

André Bartsch
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Ob im Auslandsurlaub oder auf Geschäftsreise: Auf unsere geliebten Streaming-Dienste möchten wir nirgends verzichten. Netflix, Disney+ & Co. sind für viele Leute der Hauptbestandteil eines gemütlichen Abends vor dem Fernseher oder Laptop. Im Ausland könnte es jedoch sein, dass Sie statt Ihrer Lieblingssendung folgende Nachricht zu lesen bekommen: „Dieser Inhalt ist in Ihrem Land nicht verfügbar“. Was nun? 

Die gute Nachricht ist, dass Sie diesen Blockaden, die auch als Geoblocking bezeichnet werden, nicht hilflos ausgeliefert sind. Wir erklären Ihnen in diesem Artikel, was es mit Geoblocking auf sich hat und wie Sie die nervige Ländersperre via VPN, Proxy-Server und Smart DNS umgehen können.

Was ist Geoblocking?

Beim Geoblocking werden Inhalte im Internet abhängig vom Standort des jeweiligen Nutzers entweder geändert oder komplett gesperrt. Wenn Sie online gehen, weist Ihnen Ihr Internetprovider nämlich eine eindeutige IP-Adresse zu. Beim Surfen im Internet verbinden Sie sich mit den jeweiligen Servern der Seitenanbieter, die Ihren ungefähren Standort anhand dieser landesspezifischen Kennziffer ermitteln können.

Nachrichten wie diese sind ärgerlich. Das zugrunde liegende Problem lässt sich jedoch umgehen.

Warum wird Geoblocking eingesetzt?

Beim Geoblocking geht es häufig um Lizenzrechte. Wenn sich beispielsweise Netflix oder DAZN im deutschen Raum die teuren Rechte für Hollywood-Blockbuster, Serien oder Sportevents sichern, dann gelten diese auch nur für Deutschland. YouTube musste Videos, die geschützte Musik enthielten, lange Jahre für deutsche User sperren, bis es 2016 endlich zu einer Vereinbarung mit der GEMA kam.

Online-Shops setzen auf Geoblocking, um Käufern aus verschiedenen Ländern die Seiten in ihrer Landessprache anzubieten. Manche Artikel können von Land zu Land unterschiedliche Preise haben, und auch beim Sortiment gibt es Abweichungen. Die Ländersperre wird auch dazu eingesetzt, Besucher aus dem Ausland vom Kauf auszuschließen, wenn kein Versand ins entsprechende Land angeboten wird. 

Für autoritäre Regimes wie China oder Nordkorea ist Geoblocking ein ideales Mittel zur Zensur von unerwünschten Inhalten. So sind in China beispielsweise Google, YouTube, Instagram und Facebook durch die sogenannte „Great Firewall“ komplett gesperrt.

So lässt sich Geoblocking umgehen

Wie eingangs erwähnt, sind Sie Ländersperren nicht machtlos ausgeliefert. Sie können das Geoblocking mithilfe von VPNs, Proxys und Smart DNS effektiv umgehen. Der Aufwand und die Kosten des Vorhabens sind dabei ganz von der gewählten Methode abhängig. Wir stellen alle drei kurz vor. 

1.

VPN

Ein VPN ist ein virtuelles privates Netzwerk, mit dem Sie Ihre Internetverbindung verschlüsseln und so Ihre sensiblen Daten auf einfache Art und Weise vor Hackern schützen können. Dabei läuft Ihr gesamter Datenverkehr über einen Server Ihres VPN Anbieters, der sich an einem anderen Standort befindet.

Der Clou an der Sache ist, dass Sie den Server-Standort frei wählen können. So gaukeln Sie Webseiten vor, dass Sie sich an einem anderen Standort befinden als in Wirklichkeit. Zudem kann Ihre wahre IP nicht mehr ausgelesen werden und weder Ihr Provider noch sonst jemand kann Ihre Online-Aktivitäten überwachen.

Es ist denkbar einfach, Geoblocking mithilfe eines VPNs zu umgehen. Laden Sie sich dazu die VPN Software Ihres Anbieters herunter, loggen Sie sich ein und stellen Sie eine Verbindung zu einem Server in Deutschland her. Nun können Sie sich auch bei einem Aufenthalt im Ausland auf die Inhalte freuen, die zuvor noch geblockt waren.

Mit einem VPN-Dienst wie Surfshark können Sie Ihren virtuellen Standort mit wenigen Klicks ändern.

In unserem EXPERTE.de VPN-Test haben wir die besten 22 VPN Anbieter miteinander verglichen. Unser Testsieger ist NordVPN, das mit exzellenten Geschwindigkeiten, einer tollen App mit vielen Funktionen und hoher Sicherheit punktet, und noch dazu recht erschwinglich ist.

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Vor- und Nachteile eines VPNs

schnelle Verbindungen

intuitive VPN Clients mit vielen Features

sichere Verbindungen mit Schutz der Privatsphäre

kann bei einigen VPN Anbietern wie NordVPN mit Smart DNS kombiniert werden

mit wenigen Ausnahmen kostenpflichtig

Internet-Geschwindigkeit sinkt ein wenig

nicht alle internetfähigen Geräte unterstützen VPNs

2.

Proxy-Server

Bei einem Proxy-Server handelt es sich um eine Zwischenstelle zwischen Ihrem Rechner und dem Ziel-Server, den Sie eigentlich aufrufen wollen. Alle Anfragen laufen über den Proxy-Server, der seine IP dabei an den Ziel-Server überträgt. Ihre IP-Adresse ist daher geschützt, aber die Verbindung ist nicht verschlüsselt, wie bei einer VPN-Verbindung.

Sie können Geoblocking umgehen, indem Sie sich mit einem Proxy-Server mit einem passenden Standort verbinden. Wenn Sie also beispielsweise in Deutschland leben und zu Besuch in den USA sind, dann verwenden Sie einen deutschen Proxy-Server – und schon ist das Thema Geoblocking kein Problem mehr für Sie.

Proxy-Server Einrichtung

Die Einrichtung eines Proxy-Servers in Ihrem Browser ist schnell erledigt. Zunächst besorgen Sie sich über Ihre favorisierte Suchmaschine eine aktuelle Proxy-Server-Liste und entscheiden sich für einen deutschen Proxy-Server.

Im Chrome-Browser funktioniert es so:

1. Öffnen Sie die Einstellungen über das Dreipunkte-Menü oben rechts und klicken Sie im Menü System auf Proxy-Einstellungen des Computers öffnen.

Proxy-Einstellungen bei Google Chrome

2. Im Fenster, das sich nun öffnet, klicken Sie unter Manuelle Proxyeinrichtung auf den Button Einrichten und geben die Adresse des Proxy-Servers ein, für den Sie sich entschieden haben.

Manuelle Proxy-Konfiguration einrichten

3. Klicken Sie auf den Button Speichern und schließen Sie damit die Einrichtung Ihres Browser-Proxys ab.

Sie können alternativ auch zentral einen System-Proxy in Ihrem Betriebssystem einrichten, über den dann Ihr gesamter Datenverkehr erfolgt.

Vor- und Nachteile eines Proxy-Servers

auch kostenlos erhältlich

keine Zusatz-Software nötig

manuelle Einrichtung erforderlich

oft überlastet, was unterbrechungsfreies Streaming schwierig macht

einige Proxys geben die echte IP doch weiter, was Geoblocking unmöglich macht

müssen öfter gewechselt werden

keine Verschlüsselung wie bei VPNs

3.

Smart DNS

DNS steht für „Domain Name Service“ und meint damit die Umwandlung von Domainnamen wie EXPERTE.de in maschinenlesbare IP-Adressen. Anders als bei VPN- und Proxy-Servern läuft bei Smart DNS fast der gesamte Datenverkehr ausschließlich über Ihren Rechner. Sie müssen also keinerlei Tempoeinbußen in Kauf nehmen.

Smart DNS ist ein meist kostenpflichtiger Service, bei dem Sie die DNS-Adresse eines Servers im Ausland nutzen. Dadurch ändert sich Ihre Länderkennung und Sie können auf die zuvor geblockten Seiten und Inhalte zugreifen.

Wenn Sie also im Ausland sind und beispielsweise das deutsche Netflix nutzen wollen, dann läuft der Zugriff über die Adresse eines DNS-Servers mit Sitz in Deutschland. Das Prinzip ist also dasselbe wie bei VPN und Proxy-Servern: Dem Zielserver wird ein passender regionaler Standort vorgegaukelt.

Einrichtung von Smart DNS

Sie benötigen prinzipiell keine spezielle Software von Ihrem Smart DNS Anbieter. Es reicht aus, wenn Sie die DNS-Adressen in den Netzwerkeinstellungen eingeben. Das geht so:

1. Wenn Sie Windows 11 nutzen, klicken Sie dazu auf den Windows Start Button, gehen Sie in die Einstellungen und klicken Sie im Bereich Netzwerk und Internet auf Erweiterte Netzwerkeinstellungen.

Netzwerk und Internet in den Einstellungen von Windows: Adapteroptionen ändern.

2. Klicken Sie nun unter Verwandte Einstellungen auf Weitere Netzwerkadapteroptionen.

Wählen Sie die Netzwerkverbindung aus, die Sie ändern wollen.

3. Wählen Sie die Netzwerkverbindung, die Sie ändern wollen, per Rechtsklick aus und klicken Sie auf Eigenschaften. Es öffnet sich ein Pop-up-Fenster.

Es öffnet sich eine Liste mit allen Netzwerkverbindungen.

4. Doppelklicken Sie Internetprotokoll Version 4 (TCP/IPv4).

Wählen Sie das Element Internetprotokoll, Version 4 (TCP/IPv4).

Wählen Sie Folgende DNS-Serveradressen verwenden aus. Tragen Sie jetzt die DNS-Adressen ein, die Sie von Ihrem Smart DNS bekommen haben.

Geben Sie hier die Adressen des Smart DNS Anbieters ein.

Klicken Sie auf den Button OK und starten Sie Ihren Rechner neu. Wenn alles geklappt hat, können Sie von nun an Geo-Sperren umgehen.

Vor- und Nachteile von Smart DNS

keine Einbußen bei der Verbindungsgeschwindigkeit

funktioniert auf den meisten Endgeräten

in der Regel mit Kosten verbunden

keine Daten-Verschlüsselung und somit keine Sicherheit

nur populäre Seiten einer Region sind zugänglich

andere geblockte Seiten können nur auf Bitte beim Smart-DNS-Anbieter entsperrt werden

muss je nach Anbieter manuell eingerichtet werden

Vergleich: Welche Methode ist die beste?

Bei den Themen Sicherheit und Privatsphäre können nur VPNs überzeugen, denn Proxy-Server und Smart DNS verschlüsseln Ihre Daten nicht. In puncto Benutzerfreundlichkeit ist ein VPN auch überlegen, da Sie nur den einfach zu bedienenden Client Ihres VPN-Anbieters downloaden müssen. Proxy-Server und Smart DNS richten Sie manuell ein, wobei sich der Aufwand für Sie aber in Grenzen hält.

Für Proxy-Server spricht zwar, dass man eine Vielzahl von ihnen gratis nutzen kann. Die kostenlosen Server sind aber fürs Streaming kaum geeignet, weil sie oft überlastet sind. Somit ist ein VPN die unserer Ansicht nach beste Methode für die Umgehung von Geoblocking. Die meisten Angebote sind zwar kostenpflichtig, aber dasselbe gilt auch für Smart DNS. Da sich die Preise stark ähneln, ist ein VPN die deutlich bessere – und sicherere – Wahl.

Fazit

Wie Sie gesehen haben, können Sie Geoblocking beim Streaming oder Online-Shopping ohne allzu große Schwierigkeiten umgehen. Mit VPNs, Proxy-Servern und Smart DNS stehen drei populäre Methoden zur Wahl, die verschiedene Vor- und Nachteile haben.

Ein VPN ist dabei die insgesamt beste Methode, weil es Performance und Sicherheit vereint. Sie müssen für diesen Service zwar bezahlen, die Kosten sind jedoch überschaubar. VPN Clients sind zudem benutzerfreundlich, flexibel und bieten Schutz, indem sie Ihre Daten verschlüsseln.

Welche Anbieter zu empfehlen sind, erfahren Sie im großen EXPERTE.de VPN-Vergleich, bei dem wir 22 VPN-Dienste ausgiebig getestet haben.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Geoblocking?
Geoblocking, auch Ländersperre oder Geoblockade genannt, sorgt dafür, dass Inhalte und Dienste nur für bestimmte Regionen verfügbar sind. Anfragen aus anderen Ländern werden ausnahmslos blockiert. Geoblocking wird meist aus lizenzrechtlichen Gründen praktiziert, aber auch totalitäre Regimes nutzen die Technik zur konsequenten Abschottung vom Rest der Welt.

Wie kann man Geoblocking umgehen?
Es gibt drei einfache Möglichkeiten, wie Sie Geoblocking mit wenig Aufwand umgehen können: Proxy-Server, VPN und Smart DNS. Sie unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Kosten, Sicherheit, Performance und Benutzerfreundlichkeit. Ein VPN-Dienst ist die beste Methode, weil er hohe Sicherheit und gute Performance mit einer intuitiven Bedienung kombiniert.

Ist das Umgehen von Geoblocking legal?
Die Nutzung von VPNs, Smart DNS und Proxy-Servern ist legal, aber das Umgehen von Geoblocking ist eine gewisse Grauzone. Sie verstoßen ziemlich sicher gegen die AGBs Ihres Streaming-Anbieters oder Online-Shops, rechtliche Konsequenzen haben Sie jedoch nicht zu befürchten. Ihr Account bei bestimmten Streaming-Diensten könnte gesperrt werden, was aber in der Praxis so gut wie nie passiert.

Wie bekomme ich eine deutsche IP-Adresse?
Das Prinzip ist bei VPN-Diensten, Proxy-Servern und Smart-DNS-Servern immer dasselbe: Sie wählen einfach einen Server aus, der in Deutschland steht. So erhalten Sie automatisch eine deutsche IP-Adresse und können auf gesperrte Inhalte und Dienste zugreifen.

Autor: André Bartsch
André Bartsch ist Germanist und zertifizierter Technischer Redakteur. Er hat 12 Jahre in der IT in den Bereichen Spracherkennung und Geschäftsprozess-Software gearbeitet. Seit 2020 ist er als Autor, Werbetexter/Copywriter und Lektor selbstständig. Seine Schwerpunkte sind Software, Internet und Online-Marketing.
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