Anonym surfen - so bewegen Sie sich anonym im Netz

Carsten Podszun

Nicht erst seit der Datenschutzgrundverordnung befassen sich viele mit dem Thema Datensicherheit und Anonymität im Internet. Wir hinterlassen so viele Daten wie nie zuvor, die unseren Online-Fingerabdruck immer eindeutiger machen. Um dem entgegenzuwirken, löschen Deutsche ihre Browser-Cookies häufiger als alle anderen Bürger Europas. Auch E-Mails verschlüsselt man in Deutschland fleißiger als anderswo auf der Welt. Doch was genau bringt das eigentlich? Reichen diese Methoden schon aus, um sicher und anonym im Internet unterwegs zu sein?

Die Antwort ist simpel: nein. Denn sowohl Internetprovider als auch Webseiten und Behörden tracken Ihre IP-Adresse, Aktivitäten und die Hardware-Konstellation Ihres PCs. Dadurch erhalten Sie einen einmaligen Fingerabdruck und Ihr Verhalten im Internet ist genauer nachvollziehbar, als Ihnen vielleicht bewusst ist. Um das zu verhindern, reicht das Löschen von Browserdaten keineswegs aus. Welche Möglichkeiten es gibt, anonym zu surfen, und welche Vor- und Nachteile die einzelnen Methoden haben, haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Warum sollte man anonym surfen?

Anonymität im Netz macht Ihr Leben nicht nur sicherer, sondern auch einfacher. Manche Websites nutzen beispielsweise Geoblocking, um Inhalte regional zu sperren. Mit einer anonymen IP-Adresse, deren Ursprung in einem anderen Land liegt, kann man diese Sperren umgehen. Zusätzlich schützen Sie Ihre persönlichen Daten, denn viele Dienste verschlüsseln gleichzeitig die Aktivitäten. So wird es für Hacker, Internetprovider und andere Dienstleister deutlich schwerer, Ihre Aktivitäten zurückzuverfolgen.

Wenn Sie sich nicht aktiv um Anonymität bemühen, geben Sie weit mehr von sich preis als Ihre IP-Adresse. Webseitenbetreiber wissen, welchen Browser Sie nutzen, welche Spezifikationen Ihr PC hat und sogar welche Schriftarten Sie installiert haben. Mit dieser einzigartigen Kombination lässt sich Ihr Rechner genau identifizieren – wie ein digitaler Fingerabdruck. Über Ihre Onlinezeiten kann in Verbindung mit diesen Daten ein komplettes Bewegungsprofil erstellt werden: wann Sie aufwachen, wann Sie arbeiten, wann Sie zu Hause sind. Mit zusätzlichen Plugins und Tracking-Tools, wie Sie von Diensten wie Google oder Facebook verwendet werden, erhält Ihre IP-Adresse eine konkrete Identität. Etwas beängstigend, oder nicht?

Browser Privacy Check

Mit dem EXPERTE.de Browser Privacy Check können Sie ermitteln, welche Spuren Sie und Ihr Browser beim Surfen hinterlassen. Der Test soll ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Daten von Webseiten und Werbetreibenden verwendet werden können, um ein Profil von Ihnen zu erstellen und Ihre Aktivitäten auch über mehrere Seiten hinweg zu verfolgen.

Welche Möglichkeiten gibt es, anonym im Internet zu surfen?

Ihnen gefällt der Gedanke nicht, im Internet überwacht zu werden? Dann können Sie noch heute aktiv werden, um etwas dagegen zu tun. Wir stellen Ihnen ein paar der gängigsten Methoden vor, wie Sie Ihre Anonymität im Netz stärken können.

Proxy-Webseite
Die wohl einfachste Möglichkeit, Ihre IP-Adresse zu verschleiern, ist der Weg über eine Proxy-Webseite. Solche Seiten können einfach über den Browser aufgerufen werden und leiten Ihre Verbindung zur Zielwebseite um. Einer der ältesten dieser Anonymisierungsdienste ist anonymouse.org. Der Anbieter unterstützt zwar weder SSL noch URL-Verschlüsselung, dafür ist die Nutzung (mit Werbefenstern) kostenlos und die Performance trotz Umleitung ordentlich.

Besonders für "schnelle" Anonymität, wenn Sie nur kurz eine Aufgabe erledigen möchten, ist eine Proxy-Webseite eine gute Lösung. Allerdings müssen Sie im Vergleich zu bezahlten Lösungen mit einer langsameren Verbindung leben. Zudem sollten Sie natürlich darauf achten, nur vertrauenswürdige Proxy-Websites zu verwenden.

Proxy-Server-Dienst
Ein Proxy-Server-Dienst funktioniert auf eine ähnliche Weise wie eine Proxy-Webseite. Dabei wird Ihr Traffic über einen Server umgeleitet und Ihre IP-Adresse durch die des Dienstes ersetzt.

Mit JonDo beispielsweise müssen Sie lediglich im Webbrowser die lokale Adresse des JonDo-Clients als Proxy-Server-Adresse eintragen. Über den Client wird dann die Verbindung verschlüsselt und es wird ein Kaskadenmix durchgeführt, sodass Ihre persönlichen Daten geschützt und Ihre IP-Adresse verschleiert werden. Dabei setzt der Betreiber ausschließlich auf lizenzierte Mixbetreiber, um unabhängig und sicher zu bleiben. JonDo ist grundsätzlich kostenlos, wobei die Performance im kostenpflichtigen Premium-Tarif deutlich besser ist.

Tor-Browser
Tor (Kurzform für „The Onion Router“) ist ein kostenloser Browser, der Sie komplett anonymisiert, indem er Ihre IP-Adresse verschleiert und Ihre Daten verschlüsselt. Dabei wird Ihre Verbindung gleich über mehrere Server umgeleitet, was die Verbindung besonders sicher macht. Im Gegensatz zum Proxy, bei dem nur eine einzelne Verbindungsbrücke zum Einsatz kommt, ist die Methode der Tor-Browsers deutlich komplexer, was allerdings auch zu erhöhten Ladezeiten führt.

Weil der Tor-Browser aufgrund seiner hohen Sicherheit auch gerne für zweifelhafte Aktivitäten im Darknet verwendet wird, hat er in manchen Kreisen einen etwas fragwürdigen Ruf. Davon sollten Sie sich aber nicht abhalten lassen, denn der für Windows, Android und Linux erhältliche Browser ist auch für gewöhnliches Surfen relativ benutzerfreundlich.

Öffentliches WLAN
Eine einfache und schnelle Methode, kurzfristig anonym eine Aufgabe erledigen zu können, ist die Nutzung eines öffentlichen WLANs. Durch die neue IP-Adresse können Sie losgelöst von Ihrem Heim- oder Firmennetzwerk anonym surfen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, denn im öffentlichen WLAN sind sie potenziell auch Gefahren durch Angreifer ausgesetzt, die sich im gleichen Netzwerk befinden, und Ihre Daten stehen gewissermaßen auf dem Präsentierteller. Außerdem lässt sich über ein öffentliches WLAN die regionale Zugehörigkeit Ihrer IP-Adresse nicht verändern; Geoblocking können Sie damit also nicht umgehen.

VPN-Netzwerke
VPN steht für „virtuelles privates Netzwerk“. In den letzten Jahren sind VPN-Dienstleister immer beliebter geworden und es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Anbietern, die es Ihnen ermöglichen, über eine VPN-Verbindung anonym und sicher im Internet zu surfen. Es gibt sowohl kostenlose auch kostenpflichtige VPN-Anbieter, wobei Freemium-Anbieter im kostenlosen Bereich am vertrauenswürdigsten sind.

Die VPN-Software läuft entweder direkt auf Ihrem Router oder auf Ihrem PC, Smartphone oder anderen Geräten. Als zusätzliche Schutzschicht ist sie dafür verantwortlich, Ihren gesamten Traffic über einen anderen Server umzuleiten. Große Anbieter bieten hierfür eine ganze Reihe von Servern an unterschiedlichen Standorten in aller Welt, sodass Sie Ihren virtuellen Aufenthaltsort nach Belieben wechseln können. Dies kann auch bei Reisen in Länder mit restriktiven Internet-Gesetzen wie China hilfreich sein.

Während kostenlose VPN-Lösungen in der Regel Ihre Geschwindigkeit oder das Datenvolumen einschränken, müssen Sie mit Premium-Abonnements keinerlei Einbußen in Kauf nehmen.

Die beste Möglichkeit, anonym und sicher zu surfen

Die perfekte Kombination aus Geschwindigkeit und Flexibilität ist ein VPN. Mit einem Abonnement können Sie sogar Streaming-Dienste nutzen, Ihren virtuellen Standort jederzeit wechseln und haben zudem stets eine sichere und stabile Verbindung mit Datenverschlüsselung und anonymer IP-Adresse.

Wir können Ihnen die drei folgenden VPN Anbieter uneingeschränkt empfehlen:

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1,6
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Wenn Sie hingegen eine kostenlose Lösung zum Surfen benötigen und nicht zwangsläufig hohe Datenmengen über die verschlüsselte Verbindung übertragen möchten, ist der Tor-Browser eine einfache und komfortable Lösung. Proxy-Server und die Nutzung eines öffentlichen WLAN sind hingegen weniger sicher. Web-Anonymizer, die als Proxy-Dienst aufgebaut sind, arbeiten zwar ebenfalls sehr sicher, sind aber weitaus weniger benutzerfreundlich als VPN-Dienste.

Letztendlich kommt es also darauf an, welche Anforderungen Sie haben und wie hoch Ihre Sicherheitsstandards sind. Halten Sie sich bei allem Aufwand aber stets vor Augen, dass Sie sich vor gezielten Hackerangriffen großer Organisationen nur bedingt schützten können.

Fazit: 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht

Auch mit VPN oder Tor: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Mit ausreichend Ressourcen und technischen Möglichkeiten lässt sich auch eine mehrfach verschachtelte und verschleierte Verbindung zurückverfolgen. Außerdem gibt es Zusammenschlüsse von Geheimdiensten, wie die Five Eyes Allianz, die sich dazu verpflichtet haben, gesammelte Nutzerdaten und Aktivitäten im Internet mit ihren Partnern zu teilen. Den Gerichtsbeschlüssen entgehen nur VPN-Betreiber, die in unabhängigen Regionen wie den Britischen Jungferninseln (ExpressVPN) oder Panama (NordVPN) sitzen.

Datenschutz beginnt bei Ihnen

Alle Anonymität und Vorsicht nützt wenig, wenn Sie unsachgemäß mit Daten wie Passwörtern oder Zugangsrechten umgehen. Insbesondere im Unternehmen sollte genau geregelt sein, wer auf welche Daten Zugriff hat. Außerdem sollten Sie genau darauf achten, wo und wie Sie Passwörter und personenbezogene Daten speichern. Ein Post-It Zettel auf dem Monitor ist sicherlich kein angemessener Aufbewahrungsort für ein Passwort. 

Beachten Sie daher auch lokale Schwachstellen, wenn Sie sich mit dem Thema anonymes Surfen befassen. An öffentlichen PCs sollten Sie stets den Browserverlauf löschen und idealerweise anonymes Surfen im Browser aktivieren. Surfen Sie so wenig wie möglich in offenen Netzwerken und achten Sie darauf, wer einen Blick auf Ihre Geräte werfen kann. Auch sollten Sie immer sparsam mit Daten umgehen, die Sie auf Webseiten eingeben. Dies sind die ersten Schritte zum sicheren und anonymen Surfen und dem Schutz Ihrer Privatsphäre. 

Erst wenn all diese Aspekte gewährleistet sind, macht es Sinn, sich mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen wie dem Tor-Browser oder VPN-Diensten zu befassen.

Autor: Carsten Podszun
Carsten Podszun hat Informatik und Betriebswirtschaft studiert und war 15 Jahre lang selbständig im Einzelhandel tätig. Seit 2014 ist er Berater für Startups, freier Autor und schreibt bei EXPERTE.de rund um die Themen Homepage, Hosting & IT-Security.
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