Anonyme Suchmaschinen - 3 Google Alternativen im Vergleich

Julia P. Manzau

Die Suchmaschine Google dominiert die Onlinewelt und zählt zu den mächtigsten Tools des Alphabet-Konzerns. Ihre unstillbare Neugier bringt sie allerdings auch immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Denn wenn es um Datenschutz und Privatsphäre geht, ist der Internetriese nicht zimperlich und späht seine Nutzer nach Kräften aus. Kein Wunder, geht es bei knapp 3,8 Millionen Suchanfragen in der Minute auch monetär um ein Milliardengeschäft. 

Laut Statista befragen in Deutschland rund 90 Prozent der Internet-Nutzer den Suchgiganten, wenn sie etwas online finden wollen. Nur zehn Prozent nutzen eine der zahlreichen Alternativen. Dabei sind Datenschutz und Privatsphäre nur zwei Aspekte, die gegen den Einsatz von Google sprechen. Manche Anbieter bieten im Vergleich zum Platzhirsch beispielsweise erweiterte Suchfunktionen oder haben sich auf spezielle Themen fokussiert.

Wir haben uns drei anonyme Suchmaschinen – DuckDuckGo, Startpage und Qwant – genauer angesehen um herauszufinden, was sie in der Praxis zu bieten haben, welche Schwerpunkte sie setzen und wie zufriedenstellend die Ergebnisse sind, die sie liefern.

DuckDuckGo

Mehr Relevanz, weniger Werbung waren die ursprünglichen Ziele des Entwicklers Gabriel Weinberg, als er DuckDuckGo 2008 online schickte. Allerdings führte die Suchmaschine lange eher ein Nischendasein und war ein Geheimtipp für Nutzer, die Wert auf Privatsphäre legten.

Googles unersättliche Neugier allerdings sorgte gerade in den vergangenen Jahren für einen Boom bei DuckDuckGo und kaum eine alternative Suchmaschine hat so sehr vom User-Wunsch nach Anonymität profitiert wie sie. Die Suchplattform mit der niedlichen Ente verzeichnet mittlerweile mehr als 100 Millionen Suchanfragen pro Jahr; die Zahl der Nutzer hat sich in rund einem Jahr fast verdoppelt.

Raus aus der Filterblase

Besonders attraktiv an der Suchmaschine ist, dass sie weder die IP-Adressen ihrer Nutzer speichert, noch Informationen über sie sammelt, protokolliert oder verfolgt. Auch Cookies werden nur in minimalem Maße gesetzt. Zwar finanziert sich auch DuckDuckGo durch Werbung, diese orientiert sich aber nicht am Profil der User, sondern an den jeweiligen Suchbegriffen.

Diese Datenschutz-Politik sorgt gleichzeitig dafür, dass sich auch die Ergebnisse ausschließlich auf die Suche und nicht auf das Profil des Suchenden beziehen. Während Google Suchergebnisse an das Nutzerprofil anpasst und so eine Art digitale Filterblase schafft, präsentiert DuckDuckGo auch alternative Vorschläge. Darüber hinaus verschlüsselt die Suchmaschine jede Anfrage nach dem besonders sicheren Perfect Forward Secrecy-Verfahren.

DuckDuckGo präsentiert sich strukturiert und übersichtlich. Die Suchmaschine mit der Ente legt viel Wert auf Datenschutz und Privatsphäre.

Auch wenn DuckDuckGo seinen Nutzern Anonymität zusichert, darf man nicht vergessen, dass die Suchmaschine ihren Unternehmenssitz in Paoli/ Pennsylvania (USA) hat und wie alle US-Unternehmen dem Patriot Act unterliegt. Wenn also eine Regierungsbehörde wie die NSA eine Herausgabe der Daten verlangt, wird sich auch DuckDuckGo dagegen nicht wehren können. Außerdem erhält der Suchdienst Partner-Provisionen von Amazon und Ebay, muss also den Suchverlauf speichern, wenngleich anonym. 

Was kann DuckDuckGo?

Fast alles, was auch Google kann. Die Suchmaschine hat eine aufgeräumte Benutzeroberfläche mit wenig Werbung, die man über die Konfigurationseinstellungen abschalten kann. Die Suchergebnisse werden übersichtlich auf einer Seite präsentiert, per Klick werden weitere auf derselben Seite nachgeladen.

In den Einstellungen können Sie die DuckDuckGo-Suchmaschine personalisieren

Neben Begriffen lassen sich auch Bilder, Videos, Neuigkeiten und Karten suchen. Man kann nach Aktualität filtern und Inhalte für Erwachsene ausblenden lassen. Darüber hinaus hat DuckDuckGo eine interessante Funktion namens Bangs. Mit dieser lässt sich sofort auf die Suchfunktion anderer Seiten zugreifen, wie der von Amazon oder Facebook. Gibt man zum Beispiel !amazonde TV ein, gelangt man direkt zur Seite des Anbieters, wo alle TV-Geräte aufgelistet sind. Aber: man verlässt damit auch die anonyme Suchmaschine.

Suchdienste sind immer nur so gut wie der Index, also die durchsuchbare Schlagwortsammlung, den sie nutzen. In dieser Hinsicht ist DuckDuckGo ordentlich aufgestellt. Es greift unter anderem auf die Suchindizies von Yandex und Bing zurück und durchforstet mit dem eigenem Webcrawler DuckDuckBot das Internet.

Anonymisierung der Suchen

Schutz der Privatsphäre

strukturiert und übersichtlich

Qualität der Suchergebnisse

Unternehmenssitz USA

anonymisierte Speicherung des Suchverlaufs

Startpage

Laut Stiftung Warentest ist Startpage, die 1998 als Ixquick an den Start ging und 2006 umbenannt. wurde, die diskreteste Suchmaschine der Welt. Betrieben wird sie von der niederländischen Startpage B.V. mit Sitz in Den Haag. Diese gehört seit 2019 zur US-amerikanischen Privacy One Group – man muss also abwarten, ob das Unternehmen Datenschutz und Privatsphäre seiner User auch weiterhin so ernst und wichtig nimmt wie bisher.

Auch Startpage speichert im Gegensatz zu Google weder die IP-Adresse seiner Nutzer noch deren Suchen oder ihre Browser. Auch verschlüsselt Startpage jede Anfrage und stellt somit sicher, dass keine andere Webseite das Surfverhalten der Nutzer ausspionieren kann. Anfragen aus Europa leitet das Unternehmen ausschließlich über europäische Server.

Startpage bedient sich des Google-Suchindex - und liefert daher auch Top-Ergebnisse. Die Niederländer überzeugen durch Diskretion und Datenschutz, wurden jedoch erst vor kurzem an eine US-Holding verkauft.

Obwohl auch Startpage sein Geld mit Anzeigen verdient, verzichtet das Unternehmen auf personalisierte Werbung. Die gezeigten Annoncen beziehen sich wie bei DuckDuckGo nur auf die aktuellen Suchanfragen. Das Design der Suchmaschine ist einfach und schnörkellos, Ergebnisse lassen sich nach Art, Datum und Region filtern.

Google ohne Schnüffler

Die alternative Suchmaschine kann alles, was Google kann – kommt aber ohne dessen Neugier und Filterung aus. Auch Startpage nutzt den Google-Index und liefert damit genauso gute Ergebnisse wie Google, anonymisiert aber alle Anfragen, sodass Google nicht nachverfolgen kann, wer wo was sucht.

Zusätzlich können User mit der anonymen Ansicht Seiten der Suche über einen Proxy-Server öffnen. Dieser funktioniert ähnlich wie ein VPN- oder Tor-Browser und verschleiert die IP-Adresse sowie andere identifizierbare Informationen vor der besuchten Seite.

Mit der Funktion "Anonyme Ansicht" besuchen Sie Websites völlig anonym. Dazu klicken Sie neben dem Suchergebnis auf das Masken-Symbol. Die aufgerufene Webseite erkennt als Besucher dann nur Startpage.com, nicht den eigentlichen User.

Ein Nachteil mag sein, dass man keine lokalen Ergebnisse erhält, da Startpage eben nichts trackt, auch den Standort nicht. Außerdem gibt es keine Kartenfunktion wie Google Maps. Wer ein gewünschtes Ziel im Netz gefunden hat, muss sich die Navigation über einen alternativen Anbieter anzeigen lassen.

anonyme Suche

hoher Datenschutz

Suchergebnisse mti Google-Qualität

Verkauf an US-Holding, Entwicklung bleibt abzuwarten

Qwant

Bunt geht es bei Qwant zu, das seit 2013 auf dem Markt ist. Die Suchmaschine des gleichnamigen französischen Unternehmens präsentiert sich ihren Nutzern in knalligen Farben und ebenfalls mit dem Versprechen, deren Privatsphäre hundertprozentig zu wahren. Anfangs nutzte vor allem das französische Publikum die landeseigene Entwicklung, seit März 2014 gibt es auch eine deutsche Version der Suchmaschine.

Auch Qwant hat sich dem Datenschutz verschrieben und speichert weder Informationen der Suchenden noch setzt sie Cookies, die Nutzer wiedererkennen oder ihnen folgen können.

Qwant ist eine bunte Suchmaschine mit Ambitionen. Dich Suche ist komfortabel, der Datenschutz streng und die Ergebnisse sind konkurrenzfähig.

Wer als anonyme Suchmaschine etwas auf sich hält, liefert selbstverständlich Inhalte nur ungefiltert in neutraler Reihenfolge und nicht angepasst ein Suchprofil des Users. Das hat Qwant gemeinsam mit DuckDuckGo und Startpage – nutzt dabei allerdings einen eigenen Suchindex. Dafür haben die Franzosen intensiv in die Entwicklung investiert, denn Qualität und Relevanz der Suchergebnisse sind Grundlage für den Erfolg.

Wie die beiden anderen Protagonisten finanziert sich auch Qwant durch Anzeigen, deren Relevanz von der Suche und nicht von der suchenden Person abhängt.

Spezieller Service für Kinder

Das Qwant-Angebot umfasst mittlerweile nicht nur die klassische Internetsuche, sondern mit Qwant Junior auch einen Suchdienst für Kinder und Jugendliche von sechs bis zwölf Jahren, der in mehreren Sprachen verfügbar ist.

Noch bunter wird es mit Qwant Junior, der Suchmaschine eigens für Kinder

Das Unternehmen möchte jungen Menschen damit die Möglichkeit geben, innerhalb eines geschützten Raumes das Internet für sich zu entdecken. Dort finden sich Märchen, Geschichten, Wissensvideos und kindgerechte News. Wer ein Nutzerkonto mit Genehmigung der Eltern anlegt, kann auch auf die Kategorien Spiele, Lernen und Hobbys zugreifen. Diese Ergänzungen gibt es bisher allerdings nur in französischer Sprache.

2020 hatte die Suchmaschine in Frankreich nach eigenen Angaben rund fünf Millionen Besucher pro Monat; in Deutschland waren es etwa 500.000.

Datenschutz und Privatsphäre

spezielles Suchangebot für Kinder

eigener Suchindex mit guten Ergebnissen

Fokus (noch) auf französische User

Weitere Alternativen

Neben den anonymen Suchmaschinen im Fokus tummeln sich noch weitere virtuelle Spürhunde auf dem Markt. Darunter befinden sich interessante Kandidaten wie swisscows oder Ecosia. Erstere kommt aus der Schweiz und verspricht: "Da wir Deine Daten NIEMALS sammeln, verfolgen wir auch NIEMALS Deine Daten! Wir respektieren Deine Privatsphäre.“ Die Eidgenossen speichern weder IP-Adresse, noch Browser- oder Geräteinformationen und auch keine Suchbegriffe.

Die Suchmaschine indexiert das Netz selbst und nutzt eigene Server. Diese stehen, gut geschützt, in Bunkern tief unterhalb der Schweizer Alpen. Der Dienst finanziert sich aus Spenden und Sponsoren, die dafür ein unaufdringliches Banner erhalten, und plant den Börsengang. Swisscows legt außerdem Wert auf Familienfreundlichkeit, daher werden nicht jugendfreie Inhalte gar nicht erst gelistet.

Mit der Suche Gutes tun

Sich mit jeder Suche aktiv für den Klimaschutz engagieren, das verspricht die anonyme Suchmaschine Ecosia aus Berlin. Laut eigenen Angaben laufen die Server mit Strom aus erneuerbaren Energien und der Großteil der Werbeeinnahmen komme der Aufforstung von Wäldern zugute.

Suchen und nebenbei Bäume pflanzen? Das ermöglicht Ecosia.

Gegründet wurde Ecosia von Christian Kroll, der selbst lange in Nepal und Südamerika unterwegs war. Ihn erbosten die ökologischen Ungerechtigkeiten vor Ort und er entschloss sich, eine Suchmaschine mit grünem Anspruch zu entwickeln. In der Praxis sieht das so aus, dass Ecosia die Einnahmen aus Sponsorenlinks und –anzeigen zu einem gewissen Teil in Aufforstung investiert. Durchschnittlich benötigt es laut Ecosia rund 45 Suchanfragen für einen Baum.

In die Kritik geraten ist Ecosia unter anderem, weil sie seit Oktober 2019 eine Pranger-Funktion eingeführt haben, die die 200 größten Klimasünder kennzeichnet. Eine ideologische Wertung, die man von einer objektiven Suchmaschine nicht erwartet. Auch speichert Ecosia Suchanfragen temporär und anonymisiert sie erst nach einer Woche. Ecosia arbeitet nicht mit einem eigenen Suchindex, sondern nutzt den von Bing.

Fazit

Bei einer anonymen Suchmaschine ist es nicht nur wichtig, dass Daten und Privatsphäre geschützt sind, sondern auch, dass Qualität und Relevanz der Suchergebnisse stimmen. Aktuell schneidet dabei Startpage als beste Google-Alternative ohne Schnüffelambitionen ab, wobei abzuwarten bleibt, wie sich der Verkauf in die USA auswirken wird.

Der Klassiker DuckDuckGo erweist sich als ebenfalls gute Alternative, obwohl auch beim Suchdienst mit Ente die restriktiven Bestimmungen der amerikanischen Justiz eine hundertprozentige Anonymität verhindert.

Qwant ist ein weiterer ernstzunehmender Google-Konkurrent: Der französische Anbieter setzt nicht nur auf strengen Datenschutz, sondern auch auf einen eigenen Suchindex.

Insgesamt gibt es heute zahlreiche leistungsstarke Alternativen zur Datenkrake Google und wer auf Anonymität und Datenschutz Wert legt, muss sich nur der Gewohnheit entreißen, den Internetriesen zu nutzen und sich ein wenig umstellen.

Autor: Julia P. Manzau
Julia P. Manzau verfügt über 30 Jahre Berufserfahrung in leitenden Positionen in Redaktion und Marketing, unter anderem für Unternehmen aus dem Bereich Premium-Automotiv, Maschinenbau und Medizin. Sie hat Politik und Geschichte in Bonn sowie Marketing an der St. Galler Business School studiert und einen Abschluss als Bachelor of Media Engineering (CCI). Seit 2015 arbeitet sie als freie Autorin. Auf EXPERTE.de schreibt sie über die Themen Software, Internet und Marketing.
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