IP-Adresse verbergen: Mit diesen Methoden surfen Sie anonym durchs Internet

Manuela Lenz

Die zunehmende Digitalisierung und die damit verbundenen weltweite Vernetzung haben leider auch Ihre Schattenseiten. Beim Surfen senden Computer und Smartphones zahlreiche Daten ins Netz, und vor allem die IP-Adresse lässt dabei eindeutige Rückschlüsse auf Ihren Standort und Ihre Identität zu. Was als gefundenes Fressen für Werbefirmen einfach nur lästig ist, kann im Falle eines Hackers oder bei einem autoritärem Regime auch ganz schnell richtig gefährlich werden.

Oftmals stecken aber auch ganz banale Gründe hinter dem Bedürfnis, die IP-Adresse zu maskieren. Beim sogenannten „Geoblocking“ werden Inhalte in bestimmten Ländern und Regionen gesperrt, wodurch vor allem bei den Streaming-Diensten die Angebote (und auch die Preise) stark variieren.

In diesem Beitrag erfahren Sie, mit welchen Methoden Sie Ihre IP-Adresse im Internet verbergen können und wie anonym diese tatsächlich sind.

1.

IP-Adresse über VPN ändern

Eine der besten und auch beliebtesten Methoden, um sich unerkannt durch das Internet zu bewegen, führt über VPN („Virtual Private Network“). Dabei handelt es sich um ein in sich geschlossenes (privates) Netzwerk, über das Daten verschlüsselt und anonym über das Internet versendet werden können.

Am Einfachsten funktioniert das über den Service eines kommerziellen VPN-Dienstes. Dieser ersetzt die bestehende IP-Adresse mit der einer seiner VPN-Servers und baut gleichzeitig einen sicheren Tunnel zum Ziel-Server auf. Die Zielseite kennt somit nur die IP-Adresse des VPN-Anbieters, nicht aber Ihre wahre Identität.

Die Zielseite beantwortet die Anfrage des VPN-Servers und gibt die gewünschte Daten an ihn zurück. Während der Weitergabe wird der der gesamte Datenverkehr beginnend von Ihrer Netzwerkkarte bis hin zum VPN-Server verschlüsselt. Auf diese Weise entsteht eine zusätzliche Sicherheits-Schicht, die Sie vor neugierigen Blicken durch unbefugte Dritte schützt.

Darüber hinaus bietet die VPN-Software neben den gängigen Sicherheitsmechanismen oftmals auch noch zusätzliche Funktionen in Hinblick auf den Datenschutz und die technische Sicherheit. Aus diesem Grund nutzen vor allem Unternehmen oder Behörden gerne VPN-Netzwerke, um Ihren Mitarbeitern auch von extern einen sicheren Zugang zu internen Programmen und Dateien zu ermöglichen.

Inzwischen gibt es zahlreiche VPN-Dienste auf dem Markt, von denen einige sogar mehrere tausend Gateways weltweit betreiben. Die Auswahl der Server-Standortes kann beliebig erfolgen, was natürlich besonders in Hinblick auf das Umgehen von Geoblocking interessant ist. Auf diese Weise können Sie nämlich auch auf Streaming-Angebote zugreifen, die in Deutschland aus lizenzrechtlichen Gründen gesperrt sind.

Für die Registrierung benötigen Sie in der Regel nicht mehr als Ihre Mail-Adresse. Teilweise können Sie die Konten aber auch komplett anonym (also auch ohne Email) eröffnen und die Gebühren einfach per Bitcoin bezahlen. Zudem versprechen die Anbieter ausnahmslos, keine Verbindungsdaten aufzuzeichnen und auch keine Informationen herauszugeben.

Tipp:

Besitzer einer Fritz!Box können mit der Anwendung Fritz!Fernzugang von einem Windows-Rechner aus eine sichere Verbindung zu ihrem Heimnetzwerk herstellen. Sie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.

2.

Anonym Surfen über ein Browser-Plugin

Wenn Sie ausschließlich Ihren Browser-Verkehr und keine zusätzlichen Dateien oder Emails anonymisieren möchten, können Sie Ihr Webprogramm mit Hilfe eines entsprechenden VPN-Plugins aufrüsten. Diese verschlüsseln nicht nur alle Ihre Browser-Aktivitäten, sondern verschleiern gleichzeitig auch Ihre IP. Sowohl für den Mozilla Firefox als auch für Google Chrome gibt es eine ganze Reihe praktischer Erweiterungen (z.B. von Hotspot Shield Free VPN Proxy oder ZenMate), die sich einfach per Knopfdruck global für alle Webseiten aktivieren lassen.

Der Opera Browser hat bereits standardmäßig einen unlimitierten VPN-Dienst integriert. Im Gegensatz zu anderen VPN-Apps müssen Sie sich dafür nicht extra anmelden, sondern können die Funktion ganz einfach über die Einstellungen aktivieren. Dort wählen Sie im Anschluss auch Ihren virtuellen Standort aus oder lassen sich diesen automatisch zuweisen. Leider steht Ihnen hier aber im Gegensatz zu den meisten VPN-Apps keine expliziten Länder zur Verfügung, sondern Sie können sich nur zwischen den Regionen Asien, Amerika und Europa entscheiden.

Ein weiterer Haken: Mit dem integrierten VPN von Opera lassen sich leider auch keine Musik- und Videoangebote im Ausland nutzen, da die IPs den Streaming-Anbietern bereits bekannt sind und von diesen ebenfalls geblockt werden.

Die Plugins sind allerdings nicht jedermanns Sache. Viele Nutzer vermuten dahinter nur eine weitere perfide Methode, um an persönliche Daten zu gelangen. Beachten Sie zudem auch immer, dass der sichere Tunnel bei dieser Methode ausschließlich Ihren Browser schützt. Das bedeutet, Sie surfen zwar anonym, andere Anwendungen sehen aber weiterhin Ihre „echte“ IP.

Gut zu wissen:

Im Internet hält sich das hartnäckige Gerücht, dass ich durch die Nutzung von VPN die Verbindungsgeschwindigkeit signifikant verringern soll. In der Praxis ist allerdings kaum eine Reduktion durch den Verschlüsselungsmechanismus spürbar, der Verlust beträgt meist weniger als 5 Prozent der maximal verfügbaren Bandbreite.

3.

IP über einen Proxy-Server verbergen

Ein Proxy-Server ist eine Art Vermittler, der sich beim Aufruf einer Webseite in die Client-Server-Kommunikation einklinkt. Er nimmt stellvertretend die Anfragen entgegen und leitet Sie unter einer neuen IP-Adresse an die Zielseite weiter. Die Antwort wird im Anschluss ebenfalls über den Proxy-Server zurück an den anfragenden Client gesendet. So bleibt der eigentlich Sender anonym und es besteht keine direkt Verbindung zwischen den beteiligten Parteien.

Der Proxy-Server muss lediglich einmal in den Netzwerkeinstellungen betreffenden Clients eingerichtet werden, danach wird sämtlicher Internet-Traffic darüber geleitet. Somit lassen sich auch auf diesem Weg regionale Content-Beschränkungen umgehen. Im Gegensatz zum VPN erfolgt die Datenübertragung aber nicht verschlüsselt, daher ist auch das Sicherheitsrisiko vergleichsweise höher. Daher eignet sich ein Proxy als permanente Lösung zum Verstecken der IP unserer Meinung nach eher nicht.

Proxy-Sonderform Tor: Inkognito unterwegs im Darknet

Den meisten Anwender dürfte das Tor-Netzwerk („The Onion Routing Project“) vor allem im Zusammenhang mit dem Darknet ein Begriff sein. Es wurde ursprünglich für die geheime Kommunikation der US-Armee mit der Regierung entwickelt und ist über das normale Internet nicht erreichbar.

Genau wie eine Zwiebel besteht auch das Tor-Netzwerk aus mehreren Schichten. Der Zugang erfolgt über einen verschlüsselten Tor-Client, bei dem es sich um eine modifizierte Version des Mozilla Firefox handelt. Am Eintritts-Punkt, dem sogenannten „Entry Node“, lädt dieser eine Liste aller verfügbaren Tor-Server herunter und wählt eine zufällig Route durch das Netzwerk. Dazu stellt er eine Anfrage an einen beliebigen Knotenpunkt, von wo aus die Datenpakete zum nächsten weitergeleitet werden, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Dadurch kennt jeder Knotenpunkt im Prinzip nur seinen Vorgänger und Nachfolger, nicht aber die eigentliche Quelle oder den Exit-Knoten. Letzterer erfährt auch nie die IP-Adresse des Nutzer, der somit völlig unerkannt bleibt.

Vollkommen anonym bleiben Sie allerdings auch beim Tor-Netzwerk nicht, denn das System hat trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zwei Schwachpunkte:

  • Nicht alle Verbindungen, über die Datenpakete transferiert werden, sind auch verschlüsselt. Das betrifft in erster Linie den Traffic vom Client bis zum Entry Node. Absolut sicher gehen können Sie hier nur, indem Sie bereits im Browser eine SSL/TLS-Verschlüsselung aufbauen oder direkt über eine VPN-Verbindung gehen.
  • Neben (freiwilligen) privaten Betreibern werden viele Knoten-Punkte auch von staatlichen Behörden oder Institutionen bereitgestellt. Befindet sich nun beispielsweise der Austritts-Knoten unter Kontroller einer staatlichen Instanz, hat diese theoretisch die Möglichkeit, den kompletten Netzwerkverkehr mitzuschneiden.

Tor verbirgt demnach nur bedingt die Absender-Adresse auf IP-Ebene und schützt überdies weder die Anwendung selbst noch die digitale Signatur des Browser.

Fazit: Absolute Anonymität im Internet ist ein Mythos

Ganz gleich, für welche der oben genannten Methoden Sie sich entscheiden: Bedenken Sie bitte immer, dass es trotz aller Vorsichtsmaßnahme keine Garantie für absolute Anonymität im Internet gibt! Ein bestimmter Grad an Anonymisierung lässt sich zwar durchaus erreichen, gegen Spionage-Aktionen durch internationale Geheimdienste sind Sie damit aber trotzdem nicht gefeit.

Autor: Manuela Lenz
Manuela Lenz ist ausgebildete Fachinformatikerin und war 20 Jahre lang als System-Administratorin und Projektmanagerin für große Unternehmen tätig. Seit 2017 ist die ITlerin aus Leidenschaft als freie Autorin selbständig. Für EXPERTE.de schreibt sie rund um die Themen Projektmanagement, Software und IT-Security.
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