Was ist der Inkognito-Modus – und wie sicher ist er?

Lisa-Marie Karzick
Autor
Letzte Aktualisierung

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Über diese Daten freuen sich nicht nur Unternehmen und Internetdienstleister, sondern auch Kriminelle, die damit große Schäden anrichten könnten. Der Inkognito-Modus lockt mit dem Versprechen, Ihren Internetaufenthalt vor den Blicken anderer zu schützen. Stimmt das?

Der Name der Funktion, die alle gängigen Browser mittlerweile bieten, ist tatsächlich etwas irreführend: Der Begriff „Inkognito“ täuscht nämlich eine Anonymität vor, die Sie mit diesem Modus nicht erreichen können. In diesem Artikel verdeutlichen wir, welche Vorteile der Inkognito-Modus dennoch liefert – und wo seine Grenzen liegen.

Funktionsweise des Inkognito-Modus

Der Inkognito-Modus zielt darauf ab, die Nachverfolgbarkeit Ihrer Online-Aktivitäten zu reduzieren. Das erreicht er unter anderem, indem er weder einen Browserverlauf über die besuchten Seiten anlegt, noch Cookies dauerhaft speichert. Spätestens nach Beendung einer Sitzung werden Ihre Cookies durch den Inkognito-Modus wieder gelöscht. 

Zweck des Inkognito-Modus ist es also, Ihnen Arbeit abzunehmen: Sie müssen nicht mehr manuell nach jeder Nutzung Cookies, Cache und Browser-Verläufe löschen. Eine wirkliche Anonymität, beispielsweise durch das Verschleiern Ihrer IP-Adresse, ist, jedoch nicht gegeben – die war aber auch nie der Zweck des Modus.

Wie kommt man in den Inkognito-Modus?

Jeder gängige Browser hat einen Inkognito-Modus, auch wenn er nicht überall so heißt. Mozilla Firefox spricht beispielsweise von „privaten Fenstern“, Microsoft Edge von „inPrivate-Fenstern“.

Erreichen können Sie diesen Modus in der Regel über das Browser-Menü oder mit einer einfachen Tastenkombination. Zur besseren Übersicht haben wir die wichtigsten Browser mit ihren unterschiedlichen Bezeichnungen und Tastenkombinationen in dieser Tabelle für Sie zusammengefasst:

BrowserAuswahl im BrowserTastenkombination

Chrome

„Einstellungen“ (oben rechts) -> „Neues Inkognito-Fenster“

Strg + Shift + N

Firefox

„Einstellungen“ (oben rechts) -> „Neues privates Fenster“

Strg + Shift + P

Safari

„Einstellungen“ (oben rechts) -> „Privater Modus"

Shift + Cmd + N

Edge

„Einstellungen“ (oben rechts) -> „Neues InPrivate-Fenster“

Strg + Shift + P

Brave

„Einstellungen“ (oben rechts) -> „Neues Inkognito-Fenster“

Strg + Shift + N

Opera

„Einstellungen“ (oben links) -> „Neues privates Fenster“

Strg + Shift + N

Bei einigen Browsern, wie etwa Firefox oder Chrome, können Sie einstellen, dass Sitzungen standardmäßig im privaten Modus gestartet werden sollen. Außerdem bieten manche Browser zusätzliche Sicherheitsoptionen, die den Grad der Anonymisierung deutlich steigern: Im Brave-Browser können Sie beispielsweise direkt ein privates Fenster mit Tor öffnen, Opera hat einen kostenlosen VPN-Service integriert.

Meist hebt sich der Inkognito-Modus visuell vom „normalen“ Browser-Modus ab, beispielsweise durch die Farbgebung oder Symbole wie Masken oder Brillen, die an die vermeintliche Tarnung zu erinnern. So sehen die Inkognito-Fenster der gängigsten Browser aus, wenn Sie sie aufrufen:

Google Chrome

Der Inkognito-Modus im Chrome-Browser.

Mozilla Firefox

Privates Fenster bei Mozilla Firefox.

Microsoft Edge

InPrivate-Fenster bei Microsoft Edge.

Brave

Ein Privates Fenster im Brave-Browser.

Opera

Opera im privaten Modus.

Sieht man von den Browsern mit Zusatzoptionen ab, bleibt der Wirkungsmechanismus der einzelnen Inkognito-Modi gleich: Alle setzen darauf, keinerlei Daten der Sitzung zu speichern, sodass Nutzer desselben Geräts nicht (ohne Aufwand) zurückverfolgen können, was Sie getan haben.

Vorteile & Einsatzbereiche des Inkognito-Modus

Der Inkognito-Modus macht Ihre Online-Sessions für Dritte weniger nachvollziehbar. Dies dient vor allem bei Geräten, die Sie mit anderen Menschen teilen, der Sicherheit: Eingaben, die möglicherweise sensitive sein könnten, werden nämlich nicht gespeichert. Dazu kommen aber noch weitere Anwendungsbeispiele. Einige der wichtigsten haben wir in der folgenden Tabelle kurz für Sie zusammengestellt:

Kein Browserverlauf
Surfen Sie im Inkognito-Modus, bleibt keinerlei Browserverlauf zurück. Nach Ablauf Ihrer Sitzung sind die besuchten Seiten nicht mehr für andere Nutzer einsehbar. Wenn Sie beispielsweise ein Geschenk für jemanden in Ihrem Haushalt suchen, können Sie mit dem Inkognito-Modus verhindern, dass die Person aufgrund der besuchten Seiten dahinterkommt.

Cookies nicht dauerhaft gespeichert
Cookies werden nach Ende Ihrer Sitzung automatisch durch Ihren Browser entfernt. Einige Browser bieten sogar die Möglichkeit, ihre Speicherung gar nicht erst zuzulassen. Das kann jedoch Seitenfunktionen beeinträchtigen.

Umgehen von einzelnen Seitenelementen
Einige Seitenelemente, beispielsweise die nervigen Paywalls von Nachrichtenseiten, können im Inkognito-Modus manchmal umgangen werden.

Eingaben werden nicht gespeichert
Eingaben in Eingabemasken oder Passwörter werden nicht im Browserverlauf gespeichert.

Einige Modi ermöglichen Ihnen zudem, den Gebrauch von Cookies direkt zu unterbinden. Das eignet sich jedoch nicht für den Besuch jeder Webseite, da einige Funktionen eingeschränkt werden können. Möchten Sie etwa eine Webseite aufsuchen, auf der Sie sich in ein Benutzerkonto einloggen wollen, ist dies häufig nur möglich, wenn Cookies erlaubt werden.

Der Inkognito-Modus hat somit vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, seine Wirkung ist jedoch – gerade im Vergleich zu anderen Sicherheits-Tools – begrenzt.

Wobei kann der Inkognito-Modus nicht helfen?

Der Inkognito-Modus verschlüsselt Daten im Internet nicht. Das bedeutet, dass Ihre IP-Adresse noch immer von Dritten erfasst werden kann. Auch Daten, die Sie während einer Sitzung mit einer Webseite austauschen, können abgefangen werden, was besonders in öffentlichen WLAN-Netzen gefährlich ist. Somit bleiben zwar wenig Spuren Ihres letzten Surfens auf dem Computer selbst zurück, eine wirkliche Anonymität erlangen Sie jedoch nicht.

Wenn Sie in erster Linie Sicherheit suchen, sollten Sie also auf leistungsstärkere Alternativen zurückgreifen.

Alternativen: Wie kann man noch sicherer und anonymer surfen?

Der Inkognito-Modus ist ein netter Anfang, wenn Sie bewusster mit Ihren digitalen Spuren im Internet umgehen möchten. Soll eine einzelne Suche wie die Recherche zu einem Geschenk geheim bleiben oder eine Paywall aus dem Weg geräumt werden, kann er genügen. Wenn Sie vor allem Sicherheit suchen, können Sie mit anderen Hilfsmitteln aber deutlich effektivere Ergebnisse erzielen. 

Besonders nennenswert sind dabei Proxy-Server, VPNs oder der Tor-Browser.

1.

Proxy-Server

Möchten Sie Ihre IP-Adresse für den Besuch einer Webseite verschleiern, um sich weniger verfolgbar zu machen und Ländersperren zu umgehen, lohnt sich ein Blick zu den Proxy-Servern. Dieser ersetzen Ihre IP-Adresse mit einem „Stellvertreter“ und schützen Ihre tatsächliche IP. Verschlüsselt wird Ihre Verbindung dabei jedoch nicht.

2.

Tor

Um Ihre Daten zu verschlüsseln, leitet der Tor-Browser Ihre Anfragen über eine Vielzahl sogenannter Knotenpunkte, bevor diese ihr Ziel erreichen. Dadurch wird Ihre IP-Adresse geschickt verborgen und übermittelte Daten sind weniger anfällig für Hacker. Allerdings arbeitet die Übertragung von Tor dadurch um ein einiges langsamer als Proxy-Server oder VPNs. Die vielen einzelnen Knotenpunkten gehen zulasten der Geschwindigkeit. Die wichtigsten Vor- und Nachteile des Tor-Browsers haben wir im Artikel zum Thema für Sie zusammengefasst.

3.

VPN

Möchten Sie Übertragungsgeschwindigkeit und Datensicherheit in einem Tool vereinen, ist ein VPN Ihre beste Option. VPNs verschlüsseln sämtlichen Datenverkehr, der über ihre Server läuft. Das unterscheidet sie von einem Proxy-Server, der häufig nur die IP-Adresse oder einzelne Protokolle verschleiert.

Im Gegensatz zu Proxy-Servern müssen Sie ein VPN zudem nicht für jedes Programm separat einrichten, denn es arbeitet auf Betriebssystemebene und verschlüsselt somit den gesamten Internetverkehr.

22 der beliebtesten VPN-Dienste haben wir im großen EXPERTE.de-Vergleich auf den Prüfstand gestellt.

Fazit

Der Inkognito-Modus kann durchaus nützlich sein – etwa, wenn Sie einzelne Paywalls umgehen oder einen Suchverlauf vor anedern Nutzern des gleichen Computers verstecken möchten. Eine Alternative für einen guten VPN-Dienst oder den Tor-Browser ist dieser Browser-Modus allerdings nicht. Wer sich aufgrund der „Inkognito“-Bezeichnung in Sicherheit wiegt, riskiert böse Überraschungen. 

Im Umgang mit dem Internet sollte man den Inkognito-Modus daher so nutzen, wie er konzipiert wurde: als unkomplizierte Möglichkeit, einzelne Spuren wie Cookies oder Browserverläufe beim Surfen zu reduzieren. Wie Sie sich wirklich anonym durchs Netz bewegen, verraten wir Ihnen in unserem Ratgeber zum Thema.

Häufig gestellte Fragen

Was bringt der Inkognito-Modus
Der Inkognito-Modus erspart es Ihnen, regelmäßig Ihren Browserverlauf und Ihre Cookies löschen zu müssen. Da Webseitenaufrufe nicht im Browser speichert und Cookies nach Ablauf einer Sitzung gelöscht werden, bietet der Inkognito-Modus etwas mehr Privatsphäre als ein normales Browserfenster. Einige Paywalls, wie sie von Nachrichtenseiten bekannt sind, lassen sich damit ebenfalls umgehen.

Wie kommt man in den Inkognito-Modus?
In den meisten Browsern können Sie den Inkognito-Modus bequem durch eine Tastenkombination aktivieren. Ist Ihnen die dafür notwendige Tastenkombination nicht bekannt, findet sich der Inkognito-Modus im Untermenü Ihres Browsers. Je nach Browser kann der Modus auch anders betitelt sein, beispielsweise „Privater Modus“ (Opera) oder „InPrivate-Fenster“ (Microsoft Edge).

Kann man im Inkognito-Modus den Verlauf sehen?
Im Browser selbst wird im Inkognito-Modus der Verlauf nicht gespeichert. Das bedeutet jedoch nicht, dass es unmöglich ist, Ihren Verlauf über den Inkognito-Modus zu verfolgen: Sind Sie etwa Benutzer eines Windows-Betriebssystems, werden Ihre DNS-Anfragen dennoch gespeichert. Ein DNS-Server zeichnet die IP-Adresse und deren Hostnamen auf. Jedes Mal, wenn Sie den Namen einer Webseite in Ihren Browser eingeben, wird der Browser den DNS-Server überprüfen und die IP-Adresse der Webseite erhalten, um sie zu öffnen. Dadurch bleibt eine Aufzeichnung aller DNS-Anfragen und somit aller besuchten Webseiten auf Ihrem Betriebssystem zurück.

Ist der Inkognito-Modus sicher?
Das hängt davon ab, was Sie damit erreichen möchten. Zwar werden Ihre Webseiten-Besuche nicht im Browser aufgezeichnet und Cookies nach Ablauf der Sitzung gelöscht, Ihre IP-Adresse und Daten werden jedoch nicht verschlüsselt. Sie können somit noch immer zum Ziel von Hackerangriffen werden. Durch gespeicherte DNS-Anfragen könnten Hacker sämtliche Seitenbesuche trotz Inkognito-Modus nachvollziehen. Mehr Sicherheit bietet beispielsweise ein VPN, weil damit sämtlicher Datenverkehr verschlüsselt wird.

Autor: Lisa-Marie Karzick