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Pi-hole einrichten: Einen eigenen Werbeblocker verwenden

Erik Bärwaldt
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Letzte Aktualisierung

Werbung auf Websites ist nicht nur für Anwender lästig, sondern kann auch bei Administratoren für Kopfzerbrechen sorgen. Auf mehreren Computern umständlich Adblocker im Webbrowser zu installieren, ist schließlich ein enormer Aufwand. Viel einfacher können Werbung und Tracker dagegen mit DNS-Servern blockiert werden – beispielsweise mit Pi-hole.

Mit der freien Software Pi-hole können Sie in kleineren Rechnernetzen Werbung und Tracker zentralisiert ausblenden, ohne dass Sie dabei jeden Computer in Ihrem Intranet eigens aufwändig konfigurieren müssen. Wenn Pi-hole einmal installiert ist, fungiert es als Adblocker für alle Geräte im Netzwerk – sogar für Smart-TVs oder Spielekonsolen. Deshalb ist die Lösung auch fürs Heimnetzwerk nützlich.

Was Sie benötigen, um Pi-hole einzurichten, und wie Sie dabei vorgehen müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Voraussetzungen: Das brauchen Sie, um Pi-hole einzurichten

Pi-hole ist eine Software-Lösung auf Basis des freien Betriebssystems Linux. Das System wurde speziell für die Nutzung auf Kleinstcomputern entwickelt, kann jedoch auch auf Geräten wie NAS-Systemen oder in Kombination mit einigen Routern eingesetzt werden. Herkömmliche Intel-Systeme und Docker-Container werden ebenfalls unterstützt. 

Die einfachste und am schnellsten verfügbare Lösung bietet Pi-hole auf dem Raspberry Pi-Kleincomputer. Wir erklären, wie es funktioniert.

Pi-hole einrichten: So gehen Sie vor

Um Pi-hole auf einem Raspberry Pi einzurichten, sind nur wenige Schritte nötig:

1.

Raspberry Pi vorbereiten

Zunächst installieren Sie auf Ihrem Raspberry Pi eine aktuelle Version des Standard-Betriebssystems Raspberry Pi OS. Dabei sollten Sie eine ausreichend schnelle Speicherkarte verwenden, um spätere Latenzen beim Einsatz des Systems zu vermeiden. Außerdem sollte der Kleincomputer über eine Kabelverbindung in Ihr Intranet integriert sein.

Das richtige Raspberry Pi Betriebssystem finden

Als Basis für Pi-hole sind alle Varianten von Raspberry Pi OS geeignet: Wenn Sie eine grafische Desktop-Umgebung auf dem Kleincomputer nutzen möchten, installieren Sie die rund 840 MB umfassende Variante Raspberry Pi OS with desktop, während für Freunde der Kommandozeile die Variante Raspberry Pi OS Lite geeignet ist, die nur knapp 300 MB umfasst. Beide Systeme können auf allen Generationen des Einplatinenrechners genutzt werden, da sie 32 Bit-Hardware unterstützen.

Für die Raspberry Pi-Computer der dritten und aktuellen vierten Generation können Sie analog dazu auch die 64 Bit-Versionen des Betriebssystems einsetzen. Alle Varianten basieren dabei auf Debian 11 (bullseye).

Direkt nach der Installation führen Sie – sofern dies nicht mit dem automatisierten Einrichtungsprozess von Raspberry Pi OS ohnehin geschehen ist – mit dem Befehl apt-get update && apt-get upgrade eine Aktualisierung des Betriebssystems durch.

2.

Pi-hole installieren

Im nächsten Schritt installieren Sie Pi-hole. Dazu verwenden Sie im Terminal mit Administratorrechten den Befehl curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash

Diese Routine installiert nicht nur die Software auf dem Raspberry Pi, sondern startet unmittelbar danach automatisch auch einen Einrichtungsassistenten im Terminal. Dieser führt Sie in wenigen Schritten zu einem komplett konfigurierten System.

3.

Pi-hole konfigurieren

Nach einigen Hinweisen fragt der Einrichtungsassistent zunächst das Netzwerk-Interface ab, mit dem Ihr System ins Intranet eingebunden ist. Der Assistent listet dabei alle im Computer physisch verfügbaren Schnittstellen auf, sodass Sie frei selektieren können, welches Interface für den Werbeblocker genutzt wird.

Dabei macht es keinen funktionalen Unterschied, ob Sie eine kabelgebundene oder eine WLAN-Schnittstelle konfigurieren. Die Nutzung eines WLAN-Interface empfiehlt sich aus Geschwindigkeits- und Stabilitätsgründen jedoch nur bei kleineren Intranets.

Anschließend wählen Sie aus einer Liste den öffentlichen DNS-Anbieter aus, an die das Pi-hole-System Anfragen der Clients im Intranet weiterleitet.

Danach wird der eigentliche Werbefilter konfiguriert. Die Software filtert Werbung mithilfe von vorgefertigten Listen, die permanent ergänzt werden. Bei der Ersteinrichtung wird im entsprechenden Dialog eine Liste aktiviert.

Im nächsten Schritt legen Sie für den Pi-hole-Rechner noch eine statische IP-Adresse fest, die später von allen Clients im Intranet genutzt wird, um sich mit dem Internet zu verbinden. Alternativ können Sie die statische IP-Adresse auch über Ihren Router vergeben, indem Sie die DHCP-Konfiguration entsprechend modifizieren. Wie Sie vorgehen müssen, entnehmen Sie der Bedienungsanleitung Ihres Routers.

Im nächsten Dialog müssen Sie angeben, ob eine Webserver-Instanz und eine dazugehörige Weboberfläche für die Administration von Pi-hole installiert werden sollen. Standardmäßig wird der schlanke Lighttpd-Webserver zusammen mit einigen benötigten PHP-Modulen in das System integriert. Im letzten Dialog legen Sie noch Einstellungen zu den Protokolldateien fest. Danach wird das System automatisiert nach Ihren Vorgaben eingerichtet. Da es dazu größerer Downloads bedarf, nimmt die Konfiguration einige Zeit in Anspruch.

Vergessen Sie nicht, sich das Passwort zu notieren.

Nach Fertigstellung der Konfiguration springt die Routine zurück in den Ncurses-Dialog und zeigt die Einstellungen zur IP-Adresse und der Weboberfläche an. Dabei erscheint auch das für die Weboberfläche benötigte Passwort, mit dem Sie sich in den grafischen Einstellungsdialog einloggen. Sie sollten es sich daher unbedingt notieren!

4.

Grafische Konfiguration

Sie können das Pi-hole-System jederzeit nachträglich Ihren Bedürfnissen anpassen. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, den Werbeblocker auf kostenlosen Seiten mit qualitativ hochwertigen Inhalten, die sich über Werbung finanzieren, mithilfe eines Whitelist-Eintrages zu deaktivieren.

Um nachträgliche Modifikationen an der Konfiguration vorzunehmen, rufen Sie im Webbrowser eines beliebigen Clients entweder die IP-Adresse Ihres Pi-hole-Systems, gefolgt von der Sequenz /admin auf, oder geben die Adresse http://pi-hole/admin ein.

Das sodann geöffnete Dashboard zeigt eine Reihe nützlicher Statistiken an. Links in der vertikalen Steuerleiste loggen Sie sich danach über den Menüpunkt Login mit dem vorgegebenen Passwort ein und können anschließend die gewünschten Einstellungen vornehmen.

Im Dashboard sehen Sie nützliche Statistiken und können Websites vom Adblocker ausschließen.

Blacklists und Whitelists

Mithilfe von Blacklists und Whitelists können Sie Werbung auf bestimmten Websites blockieren bzw. ausgewählte Domains vom Pi-hole-Werbeschutzschild ausschließen. Dabei können auch Unterdomains miteinbezogen werden. Die dazugehörigen Einstelldialoge erreichen Sie in der grafischen Oberfläche über die gleichnamigen Gruppeneinträge links in der vertikalen Optionsleiste.

Zusätzliche Listen

Zusätzliche Filterlisten können Sie über die Kategorie Group Management aktivieren, indem Sie dort die Auswahl Adlists anklicken und dann im rechten Bereich des Fensters die entsprechenden Listen angeben. Verschiedene Filterlisten finden Sie im Internet beispielsweise bei https://firebog.net.

Sie können im Dashboard auch zusätzliche Filterlisten aktivieren.

5.

DNS-Server ändern

Damit der Pi-hole-Rechner für alle Clients im Intranet als DNS-Server fungiert, müssen Sie diesen entweder an Ihrem Router als DNS-Server in den entsprechenden Dialogen eintragen, oder aber Sie ändern in der Konfiguration der Clients die jeweiligen Netzwerkeinstellungen. 

Angenommen, Sie entscheiden sich für letztere Möglichkeit: Unter Windows sind dazu für die jeweiligen Schnittstellen die Adaptereinstellungen zuständig, während Sie unter Linux in den Verbindungseinstellungen den DNS-Server auf die IP-Adresse des Pi-hole-Systems umstellen.

Da dieses Verfahren an jedem einzelnen Arbeitsplatzrechner durchgeführt werden muss und somit sehr zeitaufwändig ist, empfiehlt es sich, einmalig die Konfiguration des Routers zu ändern. Hinweise dazu finden sich in den Bedienungsanleitungen der verschiedenen Geräte.

Alternativen zu Pi-hole

Um lästige Werbung beim Surfen im Internet zu blockieren, bieten sich zahlreiche Alternativen zu Pi-hole an, die teilweise andere Konzepte verfolgen und auch zusätzliche Funktionen beinhalten können.

Adblocker im Browser

Nahezu alle gängigen Browser haben inzwischen eingebaute Werbeblocker oder gestatten es, Werbeblocker als Add-ons zu installieren. Während die in die Browser integrierten Adblocker häufig nur mäßige Ergebnisse erbringen, blockieren Add-ons meist Werbung und Tracker genauso effizient wie Pi-hole und bieten ähnliche Konfigurationsoptionen. 

Ihr größter Nachteil ist jedoch, dass sie auf jedem Arbeitsplatzrechner und – sofern mehrere verschiedene Browser auf einem Computer im Einsatz sind – für jedes dieser Programme einzeln installiert und konfiguriert werden müssen. Daher eignen sich Adblocker in Browsern nur für sehr kleine Intranets oder Einzelplatzsysteme. Eine Übersicht einiger beliebter Adblocker finden Sie im EXPERTE.de-Artikel AdBlocker – so schützen Sie sich vor nerviger Werbung.

In Webbrowsern können zudem oftmals kombiniert mit Adblockern auch Anti-Tracking-Plug-ins verwendet werden, die das Nachvollziehen des Surfverhaltens unmöglich machen. Welche Anti-Tracking-Pakete empfehlenswert sind, entnehmen Sie unserem Ratgeber zum Thema Tracking.

DNS-Server mit Adblock-Funktion

Für größere IT-Infrastrukturen in Unternehmen bieten sich DNS-Server mit Adblock-Funktion als Alternative zu Pi-hole an. Diese arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie der Pi-hole-DNS-Server und werden auch als gesonderte Anwendungen angeboten, die entweder auf einem herkömmlichen Computersystem installiert werden können oder auf einem Einplatinenrechner wie dem Raspberry Pi. 

Teils können auch virtuelle Maschinen oder Containerlösungen als Basis genutzt werden. Einige Anbieter warten zudem mit fertig vorkonfigurierten Lösungen auf, die nur noch in das jeweilige Intranet eingebunden werden müssen, ohne eine aufwändige manuelle Konfiguration. Zu diesen Alternativen gehören unter anderem das eBlocker OS, der Technitium DNS-Server, die aus Österreich stammende Upribox oder der NoTrack-Werbeblocker.

Diese Systeme setzen alle das freie Betriebssystem Linux voraus und können auf einem Raspberry Pi eingesetzt werden, sodass auch im ununterbrochenen Einsatz rund um die Uhr kaum Betriebskosten entstehen. Zudem bieten alle gängigen DNS-Server mit Adblock-Funktion grafische Verwaltungsoberflächen, mit deren Hilfe eine einfache und ergonomische Bedienung möglich ist.

Fazit

Pi-hole bietet einen schnell aufzusetzenden und einfach zu nutzenden DNS-Server mit Werbeblocker, der zudem dank der eingebauten webbasierten Verwaltungsoberfläche auch effizient konfiguriert werden kann. Dabei sticht besonders positiv heraus, dass die Software-Lösung auch auf älteren Raspberry Pi-Computern zügig und ohne spürbare Latenzen arbeitet. Für Anwender ohne tiefergehende Netzwerkkenntnisse, die zudem keinen großen Administrationsaufwand betreiben möchten, ist Pi-hole daher eine gute Wahl.

Autor: Erik Bärwaldt
Erik Bärwaldt ist seit mehr als zwei Jahrzehnten als IT-Consultant für kleine Unternehmen tätig. Darüber hinaus publiziert er regelmäßig Fachbeiträge in verschiedenen Medien zu den Themen Linux, freie Software und IT-Security.