Headless CMS - Erklärung & Marktübersicht

Julia P. Manzau

Landingpages, Apps, Online-Shop, Webkataloge: Wer heute Inhalte erstellt, macht dies für immer mehr Kanäle mit immer unterschiedlichen Anforderungen. Traditionelle Content-Management-Systeme sind typischerweise so aufgebaut, dass sie Inhalte nur über einen Kanal darstellen, zum Beispiel über die Website. Will man seinen Content aber gleichzeitig auch in einer App veröffentlichen, kommen klassische CMS schnell an ihre Grenzen.

Die Lösung bieten Headless CMS. Sie legen ihren Fokus auf das Wesentliche: den Inhalt. Diesen erstellt man in einem Headless CMS an zentraler Stelle und liefert ihn über eine standardisierte Schnittstelle an die gewünschten Kanäle aus. Das spart Zeit und Ressourcen. Wir wollten wissen, was Headless CMS von herkömmlichen Systemen unterscheidet, was sie auszeichnet und welche Anbieter den Markt dominieren.

Was ist ein Headless CMS?

In einem herkömmlichen CMS liegen in der Regel alle Funktionen unter einem Dach: Man erstellt Inhalte, sorgt für ein ansprechendes Design, schickt das Ergebnis online und weiß alles sicher gespeichert in der CMS-eigenen Datenbank. Alle Bereiche sind untereinander durch eine gemeinsame Code-Basis gekoppelt. Daher nennt man diese Content-Management-Systeme auch coupled CMS.

Diese monolithischen Anwendungen stammen allerdings aus einer Zeit, in der multimediale Kommunikation noch ein Fremdwort war und es nur eine einzige digitale Senderquelle gab: die eigene Website. Heute allerdings wollen immer neue Kommunikationskanäle mit identischen oder ähnlichen Inhalten gespeist werden und die Anforderungen an Flexibilität und Einsatzmöglichkeit steigen weiterhin kontinuierlich.

Ein weiterer Nachteil der traditionellen CMS liegt in der gegenseitigen Abhängigkeit von Front- und Backend. Aktualisierungen, Weiterentwicklungen und Wartung sind mit erheblichem Aufwand verbunden. Darüber hinaus resultiert aus der gemeinsamen Code-Basis das Problem, dass eine einzige Schwachstelle das gesamte System zusammenbrechen lassen kann und die Seite offline legt.

Getrennt und doch vereint

Dem klassischen CMS gegenüber steht das decoupled CMS, ein Hybrid, bei dem Front- und Backend vollständig getrennt agieren. Es kombiniert die vertraute Funktionalität eines monolithischen CMS mit der Flexibilität, Inhalte per Programmier-Schnittstelle (API), auf fast jedem System anzuzeigen. Dank der entkoppelten Architektur lässt sich nun der Content schneller und flexibler darstellen. Aber auch in diesem Fall sind alle Komponenten noch immer in einem System vereint.

Fokus auf das Wesentliche: den Inhalt

Das Headless CMS ist die konsequente Weiterentwicklung des decoupled CMS. Es verzichtet völlig auf ein Frontend und konzentriert sich auf die Kernkompetenz seines Namens: den Content. Man kann Inhalte erstellen, lesen, aktualisieren und löschen, aber sie nicht sofort dem Endnutzer anzeigen. 

Was auf den ersten Blick vielleicht verwirren mag, entpuppt sich auf den zweiten als großer technologischer Fortschritt. Mit der Schnittstelle (API) kann man seinen Inhalt jetzt auf jedem beliebigen Frontend anzeigen lassen. Das kann eine Webseite sein, genauso aber mobile Anwendungen, Smartwatches und Virtual-Reality-Headsets. Das Headless CMS fungiert quasi als Source, die den Content zentral bereitstellt. Die jeweiligen Medien haben Zugriff auf diesen Speicher, regeln jedoch separat die individuelle Darstellungsweise. 

Somit bezieht sich die Bezeichnung „Head“ auf den Ort, an dem der Inhalt der Öffentlichkeit präsentiert wird. Der „Körper“ hingegen ist der Bereich, an dem der Inhalt verfasst und verwahrt wird. Headless impliziert also nicht, dass man kopflos agiert, sondern nur, dass man auswählen kann, welche Köpfe die erstellten Inhalte transportieren sollen.

Vorteile von Headless CMS

Es ist flexibel
Mit Headless CMS lassen sich Inhalte überall dort darstellen, wo man sie benötigt.

Es ist effizient
Mit einem Headless CMS erstellt man Inhalte einmalig und liefert sie im Anschluss an die gewünschten Kanäle aus.

Es ist schnell
Content für neue Kanäle muss nicht dupliziert oder neu aufbereitet werden.

Es ist schlank
Headless Content Systeme fokussieren sich in der Regel auf Inhaltserstellung und -auslieferung. Das sorgt für schnelle Ladegeschwindigkeiten und besser Nutzererfahrungen.

Es ist kommunikativ
Das Headless CMS liefert seine Inhalte per API aus. Der Datenfluss funktioniert aber auch in die andere Richtung.

Nachteile von Headless CMS

Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Daher darf man die Nachteile des Headless CMS nicht verschweigen.

Kein WYSIWYG
Man benötigt Fantasie und/oder viel Erfahrung, um sich das Live-Ergebnis vorzustellen, da es keinen WYSIWYG-Editor gibt. Man arbeitet gewissermaßen blind. Das kann für Autoren und Content-Ersteller oftmals frustrierend sein.

Kein Frontend, kein Layout
Jedes Medium benötigt eine eigene Software zum Ausspielen des Contents. Entweder man verfügt selbst über genügend Programmierkenntnisse oder muss mit einer Ergänzung zum Headless arbeiten, um manuell ein Layout erstellen zu können.

Kein Schnäppchen
Ein Headless CMS im Self-Hosting umzusetzen ist sehr viel komplexer und aufwendiger als beispielsweise ein klassisches CMS – und somit auch teurer. Wer lediglich seine Webseite befüllen oder den eigenen Blog pflegen will, ist daher mit einem traditionellen CMS besser beraten. Prüfen Sie daher immer im Vorfeld, welche Anforderungen Sie haben.

SaaS oder Open Source - Wie kommt man an ein Headless CMS?

Es gibt bereits einige Anbieter von Headless CMS Systemen, die sich vor allem darin unterscheiden, ob sie ein kostenpflichtiges Gesamtpaket anbieten oder eine freie Open-Source-Version.

Der Großteil der  Headless CMS werden als Software as a Service (SaaS) angeboten. Das heißt, der Nutzer meldet sich bei einer Web-Anwendung an, um die Inhalte zu erstellen, und die APIs werden in einem Cloud-Backend gehostet.

Wer über einen Server verfügt und nicht-proprietäre Softwares verwenden will, um selbst mehr Kontrolle zu behalten, kann zu einer Open-Source-Lösung greifen. Diese sind ausgesprochen anpassbar und bieten den Entwicklern viel Flexibilität und Freiheit, um das Headless CMS den eigenen Anforderungen anzupassen. Self-Hosting erfordert bei Headless CMS allerdings technisches Know-how.

Eine Sonderrolle nimmt die Verwendung klassischer Systeme im Headless Modus ein. Wer WordPress schätzt oder Drupal nicht missen möchte, kann diese Monolithen mit eigens dafür vorgesehene technischen Lösungen modifizieren. Mit RESTful für Drupal und REST API für WordPress mutiert das favorisierte CMS in ein decoupled CMS, bei dem Front- und Backend getrennt werden. Der Inhalt wird über eine API zugänglich und kann auf zahlreichen Systemen und Geräten veröffentlicht werden.

Beispiel - Wie nutzt man ein Headless CMS?

Was in der Theorie gut klingt, präsentiert sich in der Praxis meist viel anschaulicher. Daher zeigen wir anhand des Headless CMS Contentful, wie so ein Headless CMS in der konkreten Anwendung tickt. In diesem Fall soll ein Blog angelegt werden.

Content Model anlegen

Contentful ist ein Headless CMS, das als eine SaaS-Anwendung läuft. Nachdem man sich über die Website in das System eingeloggt hat, legt man den „Space“ an und gibt ihm einen passenden Namen, in diesem Fall: Blog.

Auf der Oberfläche vom „Space home“, dem Dashboard unseres Blogs, wählt man im Anschluss das „Content Model“ aus und legt es an. Im Praxisbeispiel sind das die Models „Blog Post“ und „Author“

Nach einem Klick auf „Blog Post“ öffnet sich das Layout für den Beitrag, dem man bis zu 50 Felder hinzufügen kann, die den Content konkretisieren. Das sind beim Blog die klassischen Inhalte wie Post Titel, Vorspann, Aufmacher-Bild etc.

Bei Klick auf das jeweilige Feld öffnet sich die Bearbeitungsoberfläche, auf der man Inhalt und auch Inhaltstyp (Appearance) eingeben kann.

Neben dem Erstellen von Inhalten ist auch das Referenzieren möglich, in diesem Fall auf den bereits angelegten „Author“. Das ist besonders attraktiv, wenn man mit Feldern global arbeiten will. Bei Änderungen beim „Author“ muss man so nicht in jedem Post die Korrektur vornehmen, sondern nur am Referenzfeld.

Content einfügen

Hat man die gewünschten Models erfolgreich angelegt, werden sie im zweiten Schritt mit dem eigentlichen Content gefüllt. Das System führt den Benutzer recht intuitiv durch die einzelnen Schritte.

Daten per Schnittstelle anfordern und darstellen

Im letzten Schritt muss man die Daten per Schnittstelle anfordern, entweder über die REST- oder die GraphQL Schnittstelle. Ab jetzt können Website, App, Smartwatch oder ein beliebiges anderes Ausgabemedium die gewünschten Inhalte per API abfragen. Das System wartet auf Anfragen von außen und gibt daraufhin den Content zurück.

Was sind die beliebtesten Headless CMS?

Wir haben 1 Million der beliebtesten Websites untersucht, um herauszufinden, mit welchen Headless CMS diese arbeiten. Auf den ersten Platz hat es unser Praxisbeispiel Contentful geschafft, dicht gefolgt von Craft und Ghost.

CMSNutzung in den Top 1 Mio. SeitenTyp

Contentful

2.824

SaaS

Craft CMS

2.294

PHP

Ghost CMS

1.469

Node.js

Prismic

773

SaaS

Magnolia CMS

383

Java, Open Source

Sanity

324

SaaS

Strapi

291

Node.js, Open Source

Dato CMS

216

SaaS

dotCMS

207

Java, Open Source

Mura

203

Java, Open Source

Contentstack

191

SaaS

ButterCMS

93

SaaS

Kentico Kontent

86

SaaS

Scrivito

31

SaaS

GraphCMS

30

SaaS

Die Top 5 haben wir uns genauer angesehen und zusammengefasst, was man von ihnen erwarten darf:

Contentful

Hinter Contentful, dem Favoriten der von uns analysierten Websites, steht ein deutsches Start-up, das 2013 gegründet wurde und seinen Sitz in Berlin hat. Das Headless CMS überzeugt durch einfache Bedienung und damit schnelle Einarbeitung. Über das schlanke und übersichtliche Interface können Redakteure und Autoren ihre Inhalte effizient erstellen und selbst verwalten.

Auch die leistungsstarken APIs zählen zu den Vorteilen dieses Headless Systems. Der Content lässt sich auf allen Smart Devices und für alle Dienste bereitstellen, was ein besonders flexibles Arbeiten ermöglicht. Die gute Ausstattung des Systems hat allerdings auch seinen Preis.

Craft CMS

Auf Platz zwei schafft es das CMS von Craft. Es ist ein Hybrid und bietet somit nicht nur eine Live-Vorschau, sondern auch ein Drag-and-drop von Inhalten. Es zeichnet sich durch Benutzerfreundlichkeit und geringen Schulungsaufwand aus.

Craft ist eine interessante Alternative für kundige Entwickler, die sich ein gut ausgestattetes CMS mit vielen Möglichkeiten wünschen. Und auch in Sachen Preispolitik punktet der Anbieter.

Ghost CMS

Die Open Source Lösung von Ghost kommt auf den dritten Platz. Das System ist im Prinzip in drei Teile gesplittet: in eine REstful JSON-API (Schnittstelle) sowie in den entkoppelten Adminbereich und das Frontend. Ghost kann selbst gehostet werden und bietet Autoren einen einfachen Editor, mit dem sie ihrer Schreib-Kreativität freien Lauf lassen können. Das Design ist minimalistisch, die Oberfläche klar strukturiert, nichts lenkt an.

Das System wird von der Ghost Foundation weiterentwickelt, die auch verschiedene Themes und Templates zur grafischen Anpassung in ihrem Shop bereitstellt. Wer nicht selbst hosten will, kann Ghost kostenpflichtig auch per Web-Anwendung nutzen.

Prismic

Obwohl Größen wie Google und eBay auf Prismic setzen, kommt das CMS in unserer Analyse nur auf Platz 4. Die SaaS-Lösung kommt aus Frankreich und bietet sich dank schnellem Einstieg und einfacher Integration in die Frontend-Medien auch für weniger umfangreiche Projekte an.

Die Benutzeroberfläche präsentiert sich übersichtlich und überwiegend selbsterklärend. Außerdem gibt es einen WYSIWYG-Editor, der blockbasierte Layouts ermöglicht. Auch, wenn Headless CMS nie das finale Layout rendern, zeigt das Bloglayout doch eine Skizze der finalen Inhalte an.

Magnolia CMS

Ein Klassiker unter den CMS ist Magnolia aus der Schweiz. Das Open-Source Content-Management-System bietet hilfreiche Werkzeuge und macht als Hybrid Headless CMS eine Kommunikation mit vielen Systemen möglich. Die Oberfläche wirkt strukturiert und modern, die Websitebearbeitung ist weitgehend selbsterklärend.

Die Arbeitsplattform des Systems ist touchfähig, sodass man auch mobil mit ihr arbeiten kann. Autoren verfassen ihre Beiträge in einem Inline-Editing-Modus, bei der Website in einer HTML-Vorschau erscheint. Jeder Content kann in dieser Vorschau bearbeitet und verschoben werden. So lässt sich das Endergebnis besser vorstellen als in der reinen Formularansicht.

Fazit

Ein Headless CMS kann für viele Szenarien eine attraktive Lösung sein, aber eben nicht für alle. Wer Content als Service für digitale Frontends bereitstellen will und mit vielen unterschiedlichen Kanälen arbeitet, der sollte über den Einsatz eines Headless CMS nachdenken.

Weniger geeignet sind reine Headless Systeme, wenn es um die Erstellung spannender Content-Welten durch den Redakteur geht, da dieser nur wenig Einfluss darauf hat, wie der Inhalt am Ende beim Konsumenten ankommt. Die Eingabe von Inhalten in ein Formular biete eben nur begrenzt kreative Möglichkeiten.

Diese Lücke schließen Hybrid Headless CMS, die nicht nur Headless sind, sondern auch über bessere Texterstellungs- und Vorschautools verfügen. So haben Autoren die Kontrolle, die sie für das Management von Inhalten auf vielen Kanälen benötigen.

Häufige Fragen & Antworten

Was ist ein Headless CMS?
Beim Headless Content-Management-System (CMS) gibt es nur noch ein Backend zum Erstellen und Bearbeiten der Inhalte. Dieser einmalig erstellte Content kann per API auf jedem Gerät oder Touchpoint ansprechend dargestellt werden.

Welche Vorteile bietet ein Headless CMS?
Mit einem Headless CMS lassen sich Inhalte überall dort darstellen, wo man sie benötigt. Content muss man nur einmalig erstellen und spielt ihn im Anschluss an die jeweiligen Kanäle aus. Headless CMS fokussieren sich in der Regel auf Inhaltserstellung und -auslieferung. Das sorgt für mehr Ladegeschwindigkeit und besser Nutzererfahrungen. Außerdem schafft die Trennung von Backend und Frontend mehr Sicherheit.

Was ist das beliebteste Headless CMS?
Wir haben 1 Million der beliebtesten Websites analysiert und Contentful schafft es aufs Siegertreppchen. 2.824 Seiten nutzen bereits das Headless CMS und der Trend zeigt nach oben.

Autor Julia P. Manzau
Julia P. Manzau verfügt über 30 Jahre Berufserfahrung in leitenden Positionen in Redaktion und Marketing, unter anderem für Unternehmen aus dem Bereich Premium-Automotiv, Maschinenbau und Medizin. Sie hat Politik und Geschichte in Bonn sowie Marketing an der St. Galler Business School studiert und einen Abschluss als Bachelor of Media Engineering (CCI). Seit 2015 arbeitet sie als freie Autorin. Auf EXPERTE.de schreibt sie über die Themen Software, Internet und Marketing.
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