Projektmanagement

Brainstorming: Mit diesen 5 Methoden gehen Ihnen die Ideen niemals aus

Autor
Anastasia Wranek
Letzte Aktualisierung

Das Team sitzt schweigend im Meeting – schon wieder weit und breit keine Lösung für das bestehende Problem in Sicht? Mit Brainstorming können Sie diese kreative Leere vermeiden. Die Gruppenaktivität bringt die Ideen zum Sprudeln, und das Team kann sich gemeinsam eine passende aussuchen.

Dabei gibt es verschiedene Methoden, auf die Sie zurückgreifen können. In diesem Artikel gehen wir auf verschiedene Brainstorming-Techniken ein, helfen Ihnen bei der Auswahl und geben Ihnen einige Praxistipps mit an die Hand.

Was ist Brainstorming?

Brainstorming ist eine Kreativitätstechnik, die bei der Ideenfindung helfen kann. Obwohl sich einige der Methoden auch für Einzelpersonen eignen, sind die meisten an Gruppen gerichtet. Wenn das Team vor einem Problem steht oder die Entwicklung eines Produktes vorantreiben möchte, kann Brainstorming zu einer passenden Lösung verhelfen.

Der Begriff Brainstorming wurde im Jahr 1939 von Alex Osborn geprägt. Dieser suchte eine Lösung, um ein kreatives Umfeld zu schaffen, in welchem Ideen entstehen können. Dabei orientierte er sich an der englischen Übersetzung des indischen Mantras „using the brain to storm a problem“, also auf Deutsch: „Das Gehirn nutzen, um das Problem zu stürmen“. Dies prägte den heute gängigen Brainstorming-Begriff.

Um auch tatsächlich ein Brainstorming-Umfeld zu schaffen, das die Ideenfindung begünstigt, sollten Sie jedoch einige Regeln beachten.

Regeln

Es gibt vier klare Regeln, auf deren Einhaltung Sie achten sollten. Ohne diese Regeln kann sich die volle Kreativität in der Ideenfindungsphase nicht entfalten. Sie lauten

Keine Kritik
Die Ideen und Teilnehmer sollen einander nicht kritisieren. Dies gilt für nonverbale Kritik genauso wie für verbale. Gleichwohl bedeutet dieser Punkt, dass die Ideen nicht bewertet werden. Gute oder schlechte Idee? Das bleib vorerst offen. So brauchen sich Teilnehmer weniger Sorgen machen und die Angst vor Kritik nimmt ab.

Ideenvielfalt anstreben
Beim Brainstorming geht es darum, so viele Ideen wie möglich zu sammeln. Es geht also nicht um die Qualität der Ideen, sondern um die Masse. Dies ist besonders wichtig, da man sich sonst einschränken würde, was wiederum die Kreativität eindämmt.

Genannte Ideen aufgreifen
Es ist ausdrücklich erwünscht, auch auf bereits genannte Ideen einzugehen, diese abzuwandeln oder zu erweitern. Häufig inspiriert ein Vorschlag andere Teilnehmer und regt diese an, die Idee weiterzuspinnen. Daraus entstehen wieder andere und neue Ideen, welche Sie unbedingt aufnehmen sollten.

Seien Sie verrückt!
Abgehobene, unrealistische und völlig überzogene Ideen? Gibt es nicht! Scheuen Sie sich nicht, die Problemstellung von völlig anderen Richtungen anzugehen und unkonventionelle Ideen zu präsentieren. Je ungewöhnlicher, desto besser, denn dies setzt der Kreativität freien Lauf. Das Ergebnis: Vielleicht liegt die Lösung genau in der Richtung, in die sich sonst niemand zu denken gewagt hat.

Wenn das Team diese Regeln einhält, öffnet sich ein Raum für echte Kreativität.

Ablauf

Brainstorming lässt sich in zwei Phasen gliedern:

Phase 1: Ideensammlung

In dieser Phase konzentriert sich das Team völlig auf das Generieren und Sammeln neuer Ideen.

Phase 2: Bewertung

Wenn die Ideenphase abgeschlossen ist, schaut sich das Team die gesammelten Ergebnisse gemeinsam an. Sie können die Ergebnisse nun diskutieren, sortieren und bewerten. Am Ende sollte das Team die vielversprechendsten Ideen zusammenstellen und auf eine mögliche Umsetzung hin überprüfen.

Beide Phasen sollten zeitlich begrenzt werden, damit sich die Teilnehmer darauf einstellen können und die Zeit nicht aus dem Ruder läuft. Wie viel Zeit zur Verfügung steht, sollten Sie im Vorfeld klären. Nach Abschluss der zweiten Phase kann entweder eine Liste mit Ideenvorschlägen vorliegen, oder aber eine ausgewählte Idee, welche in die Umsetzung geht.

Die oben genannten Regeln und die beiden Brainstorming-Phasen gelten unabhängig von der gewählten Methode. Sie sollten dem Team vor Beginn des Brainstormings erklärt werden.

5 Brainstorming Methoden im Überblick

Immer mehr Unternehmen setzen auf Brainstorming und die Kreativitätstechnik erfreut sich einer stetig wachsenden Beliebtheit. Da ist es kein Wunder, dass die Anzahl beliebter Methoden immer weiter zunimmt. Wir stellen Ihnen nachfolgend fünf Methoden vor, welche sich gut für den Einsatz bei unterschiedlichen Problem- und Fragestellungen eignen.

1.

Mindmapping

Mindmapping ist eine hervorragende Methode zur Ideensammlung, weil sie die Kreativität fördert und den Denkprozess visualisiert. Dabei schreibt das Team ein zentrales Thema in die Mitte eines Blattes Papier oder eines Whiteboards.

Von dort aus entwickeln sich unterschiedlich verlaufende Zweige, die zu weiteren Ideen führen. Diese Visualisierungen sind sehr hilfreich, wenn es darum geht, komplexe Themen zu erfassen, denn sie demonstrieren auch die jeweiligen Verbindungen zwischen den einzelnen Themen.

So oder so ähnlich könnte eine fertige Mindmap aussehen (erstellt mit mindmeister.com)

Diese Methode lässt sich allein oder in einem Team einsetzen, sowohl digital als auch vor Ort.

2.

Brainwriting

Bei dieser Methode schreibt jeder Teilnehmer bis zu drei Ideen auf jeweils ein Blatt Papier oder in ein Dokument. Jedes Teammitglied gibt im Anschluss das eigene Dokument an die nächste Person weiter, die wiederum ihre eigenen Ideen hinzufügt – und so weiter.

Alle Personen, die das Blatt anschließend erhalten, spinnen die Idee weiter, fügen Anmerkungen hinzu oder schlagen Details vor. Je nach Teamgröße kann sich so jeder an der Ausarbeitung einer Vielzahl von Ideen beteiligen und neue Ideen vorschlagen.

Eine Brainwriting-Vorlage von lucid.app.

Diese Methode der Ideensammlung ist sehr effektiv, weil sie es den Teammitgliedern ermöglicht, ihre Gedanken frei auszudrücken, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen. Es gibt außerdem keine Diskussion über die Ideen, sodass niemand versucht, seine eigene durchzusetzen. Stattdessen konzentriert sich jede Person ganz darauf, neue Ideen zu generieren und andere weiterzuentwickeln.

3.

Starbursting

Bei Starbursting handelt es sich genau genommen um ein nachgelagertes Brainstorming. Mit dieser Methode lässt sich eine bereits ausgewählte Idee konkretisieren und weiter ausarbeiten. Der Name bezieht sich auf einen Stern. In der Mitte steht eine Idee, die weiterbearbeitet werden soll, außen in sechs Zacken finden sich diverse W-Fragen, welche das Team nun beantworten soll: wer, was, wann, wo, wie und warum?

Dabei lassen sich die Fragen mehrfach in unterschiedlichen Konstellationen stellen. Beispiel „wo?“:

  • Wo finden wir unsere Zielgruppe?
  • Wo wollen wir das Produkt präsentieren?
  • Wo wollen wir das System installieren?
  • Wo bekommen wir die notwendigen Ressourcen her?

Die Methode lässt sich sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen anwenden.

4.

Die 6 Denkhüte

Diese Kreativitätstechnik wurde von Edward de Bono begründet. Die Methode sieht vor, dass Teilnehmer in eine Rolle schlüpfen, beziehungsweise einen Hut aufsetzen und diesen das gesamte Meeting über aufbehalten. Jeder „Hut“ blickt aus einem anderen Blickwinkel auf die Herausforderung, das Problem oder eine Idee.

Edward de Bono unterscheidet folgende Denkhüte:

  • Analytisches Denken (Faktensicht)
  • Emotionales Denken (Gefühlsorientierte Sicht)
  • Kritisches Denken (Risikobetrachtung)
  • Optimistisches Denken (Chancenorientierte Betrachtung)
  • Kreatives Denken (Ideen)
  • Ordnendes Denken (Prozesssicht)

Für das Brainstorming können auch andere „Denkhüte“ kreiert werden, je nachdem welche Faktoren und Betrachtungen dem Team und dem Unternehmen wichtig sind.

Beispiel: Sind die Auswirkungen einer Idee besonders wichtig, bekommt ein Teilnehmer diesen Hut „aufgesetzt“, während ein anderer Ideen aus Kundensicht beurteilt. Im Verlauf des Meetings beurteilen die Teilnehmer nur aus Sicht ihres Hutes. So kann das Team sichergehen, dass jede Idee aus verschiedenen Betrachtungswinkeln beleuchtet wurde.

5.

Die Trittleiter

Diese Methode erfordert zwar etwas Zeit, stellt aber sicher, dass auch introvertierte Teilnehmer zu Wort kommen und die Ideen von „lauten Teilnehmern“ keinen höheren Stellwert erhalten. Und so funktioniert die Trittleiter:

  1. Das Brainstorming Thema wird vorgestellt.
  2. Alle bis auf zwei Teilnehmer verlassen den Raum. Die Teilnehmer draußen können jeder für sich bereits an Ideen feilen, dürfen diese aber noch nicht miteinander teilen. Die zwei Teammitglieder im Raum hingegen beginnen damit, einander die Ideen zu erläutern und zu diskutieren.
  3. Ein weiterer Teilnehmer betritt den Raum und stellt seine Idee vor. Erst danach besprechen die drei die anderen Ideen.
  4. Dies wiederholt sich so oft, bis alle wieder im Raum sind und nun eine gemeinsame Bewertung aller Ideen vornehmen können.

Diese Methode eignet sich auch bei größeren Gruppen. Damit das Brainstorming reibungslos abläuft, sollte man jedoch entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.

Tipps für den Einsatz von Brainstorming

Damit Sie tatsächlich einen kreativen Raum öffnen und halten können, haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt.

Moderation

Viele Methoden, wie die Trittleiter, erfordern einen besonders aufmerksamen Moderator. Aber auch bei allen anderen Methoden ist dies eine hilfreiche und wichtige Rolle. Moderatoren können sicherstellen, dass die beiden Phasen des Brainstormings tatsächlich voneinander getrennt verlaufen und die vier Regeln konsequent von allen eingehalten werden.

Sie können außerdem als Timekeeper aktiv werden und das Team rechtzeitig auf die verbleibende Zeit hinweisen. Moderatoren sollten überdies bestens mit verschiedenen Brainstorming-Methoden und Abstimmungsmöglichkeiten vertraut sein. So können sie eingreifen, falls der kreative Prozess doch einmal nicht so verläuft wie erhofft, oder ins Stocken gerät.

Eine gut vorbereitete Moderation beinhaltet auch die Vorbereitung des Brainstormings, die Steuerung des Prozesses und die Dokumentation der Ergebnisse.

Vorbereitungszeit

Auch ein kreativer Prozess erfordert Zeit. Wenn Sie eine Frage zum ersten Mal stellen, sollten Sie keine sofortigen Antworten erwarten. Moderatoren mit diesem Anspruch erwarten oft fragende Gesichter und gähnende Leere. Stattdessen sollten Sie dem Team nach Bekanntgabe des Themas einige Minuten Zeit geben, damit jeder sich kurz Gedanken dazu machen kann.

Noch besser ist es, wenn Teammitglieder bereits mit der Einladung zum Termin erfahren, welche Problemstellung auf sie wartet.

Atmosphäre

Schaffen Sie eine respektvolle Atmosphäre, in der jeder frei reden kann, ohne von anderen kritisiert zu werden. Die oben vorgestellten Regeln helfen dabei; es ist aber auch förderlich, wenn das Team aktiv an einer wertschätzenden Atmosphäre arbeitet.

Verlassen Sie zum Brainstorming den regulären Arbeitsplatz und vielleicht sogar den Firmensitz. Begeben Sie sich stattdessen an einen Ort, der Kreativität viel Raum lässt. Ein Tapetenwechsel hin zu einem modernen Co-Working-Space kann Wunder wirken. Dort können Sie an die Wände malen oder bunte Zettel beschreiben, was tatsächlich dabei unterstützt, die Gedanken in neue Bahnen zu lenken.

Wenn Sie solch kreative Plätze bei sich im Büro haben – umso besser. Dieser Trend ist immer stärker in Unternehmen zu beobachten.

Für Abwechslung sorgen

Der Begriff „Abwechslung“ hat hier drei Dimensionen:

Zum einen sollten Sie bei der großen Vielfalt an kreativen Brainstorming Methoden nicht immer auf die eine setzen, die sowieso schon alle kennen. Das schränkt die Kreativität auf Dauer ein. Stattdessen sollten Sie mit verschiedenen Methoden aufwarten und gelegentlich eine neue ausprobieren. Dies durchbricht nicht nur den Arbeitsablauf des Teams, sondern auch veraltete Denkmuster und lenkt die Gedanken wieder auf neue Schienen.

Die Abwechslung betrifft zum anderen aber auch die Zusammensetzung des Teams. Wenn ein und dasselbe Team jede Woche wieder zum Brainstorming zusammenkommt, ist es eingespielt und die Kreativität der Vorschläge nimmt ab. Mischen Sie das Team stattdessen durch und nehmen Sie auch teamfremde Kollegen mit dazu. Diese bringen oft frischen Wind mit in den Prozess und tragen unkonventionelle Ideen aus anderen Blickwinkeln bei, die den Brainstorming-Prozess sehr bereichern.

Als Drittes können Sie neue Wege einschlagen und verschiedene Szenarien mit dem Team ausprobieren. Lassen Sie etwa Musik in der Kreativitätsphase laufen oder setzen Sie auf interessante Spiele zur Auflockerung. Es gibt viele Möglichkeiten, starre Denkmuster zu durchbrechen und Raum für kreatives Arbeiten zu schaffen.

Vor- und Nachteile von Brainstorming

Brainstorming ist sehr vielfältig und kann Ihren Teams zu zahlreichen Ideen verhelfen. Dabei bringt diese Kreativitätstechniken sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich:

Vorteile von Brainstorming

es kann mehrere Ideen gleichzeitig generieren oder dabei helfen, Ideen zu verfeinern

es fördert kreatives Denken und können festgefahrene Denkmuster sprengen

es fördert die Zusammenarbeit im Team

schnelle und effektive Methode zur Problemlösung

Methoden sind einfach durchzuführen

Methoden der Visualisierung unterstützen dabei, Gedanken zu strukturieren

es hilft dabei, verschiedene Perspektiven einzunehmen und ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten

Blockaden lassen sich mithilfe von Brainstorming überwinden

Mögliche Nachteile und Schwächen von Brainstorming

Teilnehmer könnten sich nicht aufs Brainstorming konzentrieren, sondern nur noch auf Details einer bestimmten Idee (Ankereffekt)

introvertierte Persönlichkeiten könnten sich im gruppendynamischen Prozess unwohl fühlen

zu viele Ideen können Chaos oder Überforderung auslösen

ein Moderator muss den Prozess gezielt steuern

es kann Konfliktpotenzial wecken, wenn gegensätzliche Meinungen aufeinandertreffen

es entstehen viele „Nebenideen“, die sich nicht verwenden lassen

Besonders die Nachteile zeigen deutlich auf, dass Brainstorming gewisse Rahmenbedingungen und eine Steuerung erfordert. Dann lassen sich Nachteile durch eine gezielte Moderation und den Einsatz der richtigen Methode abschwächen.

Tools für Brainstorming

Whiteboards und Besprechungsräume sind nützlich, aber keine Voraussetzung für effektives Brainstorming mehr: In der Praxis stehen diverse Tools zur Verfügung, sodass dieser Prozess in die digitale Welt umziehen kann. Der größte Vorteil liegt klar auf der Hand: Alle Notizen und Ideen sind zugleich dokumentiert und online gespeichert.

Es gibt unzählige Tools, die sich (je nach Methode) für Ihre Brainstorming-Sessions eignen. Dazu zählen:

Ein dediziertes Brainstorming-Tools ist aber keine Grundvoraussethun: Manchmal reicht aber auch ein OneNote Notizbuch aus, um Ideen gemeinsam festzuhalten.

Fazit

Brainstorming ist eine Kreativitätstechnik, die durch verschiedene Methoden dafür sorgt, dass die Ideen sprudeln und Denkblockaden gelöst werden. Es hilft dem Team dabei, eine Problemstellung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.

Es gibt unzählige Brainstorming-Methoden, die jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgen. Zu den beliebtesten zählen Mindmapping, Brainwriting und Starbursting. Damit die Ideensammlung jedoch nicht im Chaos endet, sollte ein Moderator diesen Prozess steuern und prüfen, dass die Phasen und Regeln des Brainstormings eingehalten werden. Damit steht der kreativen Ideenfindung nichts mehr im Weg.

Autor: Anastasia Wranek
Anastasia Wranek hat Wirtschaftspsychologie studiert und mehrere Jahre als Projekt und Prozessmanagerin gearbeitet. Ihre Spezialgebiete liegen in der Organisations- und Personalentwicklung sowie im IT-Projektmanagement. Als freiberufliche Autorin schreibt sie hauptsächlich über die Themen Projektmanagement, Agilität und New Work.