SMART-Formel: Ziele richtig formulieren

Anastasia Wranek
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Was hat der Marathon im Sommer mit einer Steigerung der Kundenzufriedenheit gemeinsam? Ganz einfach: Ein Ziel ist ein Ziel – und Ziele stecken wir uns sowohl im privaten, als auch im beruflichen Umfeld genug. Grob gesagt handelt es sich bei einem Ziel um nichts mehr als einen in der Zukunft liegenden Zustand, den wir anstreben. Doch viele Ziele scheitern. Woran liegt das?

Mal mangelt es an Motivation, mal ist das Ziel selbst einfach nicht konkret genug. Eine richtige Zielformulierung hilft dabei, die gesetzten Ziele tatsächlich zu erreichen. Eine beliebte Methode dafür ist die SMART-Formel. Was es damit auf sich hat und wie Sie damit gekonnt Ziele formulieren, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.

Was ist die SMART-Formel?

Bei SMART handelt es sich um eine Formel, die Anwendern dabei helfen kann, präzise Ziele zu formulieren. Das Akronym wurde erstmals 1981 in einem wirtschaftswissenschaftlichen Aufsatz von Georg T. Doran veröffentlicht und lässt sich auf ein Konzept von Peter Drucker zurückführen. Die SMART-Methode soll Ziele greifbar und erreichbar machen – es handelt sich dann um SMARTe Ziele.

Das Akronym setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

S – Spezifisch

M – Messbar

A – Akzeptiert, Attraktiv

R – Realistisch

T – Terminiert

Sehen wir uns nun im Einzelnen an, wofür die Bestandteile stehen und was sie für das Formulieren der Ziele bedeuten:

S

für Spezifisch

Anwender sollten Ziele so konkret wie möglich formulieren. Das bedeutet, in diesem Schritt genau zu beschreiben, was das eigentliche Ziel ist. Als Unterstützung können hier die 5W-Fragen dienen.

Wer?
Wer ist an dem Projekt oder an der Zielerreichung beteiligt und welche Rolle haben diese?

Was?
Was soll das Projekt erreichen? Welche Ergebnisse liegen am Ende vor?

Wo?
Ist die Zielerreichung ortsgebunden? Wo sind Ergebnisse sichtbar?

Warum?
Wieso ist das Ziel erstrebenswert? Was ist der Nutzen?

Welche?
Gibt es Hindernisse oder Hürden? Wenn ja, welche sind es?

Nicht alle W-Fragen sind in jeder Zielsetzung zu beantworten. Manchmal macht die Präzisierung eines Ortes (Wo?) keinen Sinn. Es ist jedoch empfehlenswert, dennoch über jede Frage nachzudenken und die Ergebnisse im Ziel festzuhalten. Besonders das Warum kann eine motivierende Wirkung zeigen.

Dabei geht es nicht darum, bereits zu wissen, wie der Weg zum Ziel aussieht. Es geht in diesem Schritt nur darum, das Ziel zu beschreiben. Nach der Zielsetzung kann die Suche nach dem Weg zum Ziel beginnen.

M

für Messbar

Sobald das Ziel festgelegt ist, stellt sich die Frage nach der Messbarkeit. Wann ist das gesetzte Ziel erreicht? Kennzahlen, Normen und Zahlenwerte helfen bei der Bewertung der Zielerreichung.

Lautet das Ziel beispielsweise Erhöhung der Neukundenakquise, lässt sich eine Zielerreichung nicht messen. Es ist wichtig, konkret anzugeben, welche Steigerung am Ende vorliegt. Ein SMARTes Ziel heißt daher eher: Erhöhung der Neukundenakquise um 10 %.

Mit dieser messbaren Formulierung lässt sich der Projekterfolg und das Erreichen des Ziels konkret nachvollziehen. Anwender stellen außerdem sicher, dass sich ein Ziel nicht im Laufe der Zeit verläuft, was ohne messbare Kennzahl durchaus möglich ist.

A

für Akzeptiert, Attraktiv

Je attraktiver das Ziel, desto motivierter ist man, es zu erreichen. Schließlich wird man immer wieder daran erinnert, warum die auszuführende Arbeit nötig oder sogar wichtig und bedeutungsvoll ist.

Aber auch die Akzeptanz eines Ziels spielt eine große Rolle. Ein Ziel, welches andere einem einfach vorsetzen und welches zudem noch unattraktiv ist, wird mit einer größeren Wahrscheinlichkeit auf Widerstand treffen. Eine höhere Akzeptanz ist hingegen wahrscheinlicher, wenn die Beteiligten gemeinsam an der Zieldefinition arbeiten.

R

für Realistisch

Ein Ziel ist realistisch, wenn es auch tatsächlich erreichbar ist. Es ist gut, groß zu denken und eine Vision zu haben. Genauso wichtig ist es allerdings, dass ein Ziel greifbar ist. Unrealistische Ziele senken sowohl die Motivation als auch die Akzeptanz der Beteiligten. Warum sollte man schließlich auf ein Ziel hinarbeiten, das ohnehin unerreichbar ist?

Ein Ziel, das zwar eine Herausforderung darstellt, aber realistisch ist, kann die Motivation hingegen steigern.

T

für Terminiert

Ein weiteres Kriterium stellt die Terminierung dar. Wann soll das Ergebnis vorliegen? Ohne diesen zeitlichen Bezug gibt es keinen Projektrahmen. Ist das Zieldatum oder der Zielzeitraum gesetzt, kann das Team Zwischenziele setzen, anhand derer sich der Projektfortschritt messen lässt.

Ziele SMART formulieren

Wenn also die Rede von SMARTen Zielen ist, handelt es sich um Ziele, die mithilfe der SMART-Formel formuliert wurden. Doch wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus?

Kriterien der Formel in der Praxis

Ein Ziel ist SMART, wenn es alle fünf der oben genannten Kriterien erfüllt. Wenn es also so formuliert ist, dass es spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert ist.

In der Praxis ist es jedoch nicht immer möglich, alle Kriterien zu erfüllen, da diese für einige Zielstellungen keinen Sinn ergeben. Bei der Formulierung des Ziels sollten Anwender daher bei jedem Kriterium zunächst überlegen, ob dieses sinnvoll ist.

Es kann außerdem zu einem Konflikt der Kategorien realistisch und attraktiv“kommen. Ein ambitioniertes Ziel ist meist attraktiver als ein weniger ambitioniertes. Je herausfordernder das Ziel jedoch ist, desto unrealistischer kann es werden. Wenn Sie die Balance zwischen den Kriterien halten, ist die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung höher.

Nicht alle Kriterien müssen in der Zielformulierung explizit erläutert werden. Es ist nicht unüblich, dass das Ziel eine „knackige“ Formulierung hat, während etwa die W-Fragen als weitere Zielbeschreibung unter dem Ziel zu finden sind.

Höhere Erfolgswahrscheinlichkeit der Zielerreichung

Neben der Anwendung der SMART-Formel können Sie zusätzlich auf folgende Tipps setzen, um die Chancen zu erhöhen, dass Sie ein Ziel erreichen:

  • Liegt das Ziel weiter in der Zukunft? Zwischenziele erleichtern das Erreichen des Hauptziels und motivieren zusätzlich.
  • Halten Sie die Ziele schriftlich fest und platzieren Sie diese so, dass sie für alle Beteiligten sichtbar sind. So verliert sie niemand aus den Augen.
  • Durch eine Visualisierung, die auch bildlich die Ziele unterstreicht, verinnerlichen Sie die Ziele noch besser.
  • Formulieren Sie Ziele in der Ich-Form, da sich daraus eine höhere Identifikation ergibt.
  • Holen Sie sich das Commitment von Teammitgliedern für Ihre Ziele ein. Lassen Sie beispielsweise alle Beteiligten unter den Zielen unterschreiben.
  • Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen, wie die Fortschritte vorangehen.

Anwendungsbeispiele

Kommen wir nun zu einigen konkreten Anwendungsbeispielen:

Beispiel 1 – Berufliche Weiterbildung

Schlechte ZielformulierungBessere ZielformulierungErklärung:

Ich möchte eine berufliche Weiterbildung machen.

Ich schließe die berufliche Weiterbildung zum Businessanalysten mit einem Notendurchschnitt von mindestens 2,0 im Jahr 2022 ab.

Die erste Formulierung ist wenig konkret. Um welche Weiterbildung soll es sich handeln? Die zweite Formulierung macht das Ziel spezifisch, terminiert und messbar. Der Notendurchschnitt ist attraktiv, da er eine Herausforderung darstellt, aber dennoch realistisch zu erreichen ist.

Beispiel 2 – Sport

Schlechte ZielformulierungBessere ZielformulierungErklärung

Ich werde mehr Sport machen.

Ich werde jede Woche 20 km joggen gehen.

Bei der ersten Formulierung ist nicht zu erkennen, welches Ziel erreicht werden soll. Die bessere Formulierung macht es spezifisch. Durch die Angabe der km ist das Ziel zudem messbar, durch die Angabe des Zeitfensters terminiert. Das Ziel ist attraktiv, aber auch für Einsteiger realistisch.

Beispiel 3 – Kundenzufriedenheit

Schlechte ZielformulierungBessere ZielformulierungErklärung

Wir wollen die Kundenzufriedenheit steigern.

Wir wollen die Kundenzufriedenheit im Bereich Kundenservice bis zum Ende des Jahres um 10 % erhöhen.

In der ersten Formulierung fehlten die Messbarkeit und die spezifische Zielbeschreibung. Die zweite Variante ist SMART formuliert.

Vor- und Nachteile von SMART

Die Anwendung der SMART-Formel bringt folgende Vor- und Nachteile mit sich:

Auch komplexe Inhalte lassen sich leicht und übersichtlich strukturieren.

Die SMART-Formel kann jeder sehr einfach sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich anwenden.

Die Methode bietet der Projektleitung eine Übersicht, in welchem Maße Projekte umsetzbar sind.

SMARTe Ziele motivieren und konkretisieren anstehende Aufgaben.

Anwender könnten sich zu starr an die vorgegebenen Kategorien halten, was die Zielerreichung schwieriger macht.

Auch SMARTe Ziele können schwammiger sein, als die Formel es vorsieht. Wenn Anwender Kategorien bewusst weglassen, kann die Konkretisierung des Ziels und damit die Zielerreichung leiden.

Die SMART-Formel betrachtet nicht alle Faktoren, die für die Zielerreichung entscheidend sind.

Visionen, die weit in der Zukunft liegen und nicht terminiert sind, lassen sich nicht mit der Methode formulieren.

Alternativen zur SMART-Methode

SMART ist zwar die bekannteste, aber nicht die einzige Methode, die Sie als Hilfestellung bei der Zielformulierung heranziehen können.

Es gibt Erweiterungen der Formel, wie etwa SMARTER. Das E steht hierbei für evaluiert, das R für überprüft (aus dem englischen: reviewed). Darüber hinaus gibt es auch weitere Akronyme wie beispielsweise PURE (positiv formuliert – verstanden (aus dem englischen: understood) – realistisch - ethisch) oder AMORE (ambitioniert motivierend organisiert realistischecht), die wie die SMART-Formel Anwendung finden.

Fazit

Viele Ziele scheitern an der richtigen Formulierung und Konkretisierung. Die SMART-Formel dient als Hilfsmittel bei der Zielformulierung. Durch vorgegebene Kriterien wird das Ziel spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert.

Der größte Vorteil von SMART liegt in der einfachen Anwendung des Akronyms. Ob beruflich oder privat – jeder kann die Formel anwenden, um Ziele so zu formulieren, dass die Zielerreichung begünstigt ist. Gleichzeitig sind nicht alle Kategorien der Formel für alle Projekte relevant, und man sollte sich nicht allzu starr an die Dimensionen der Formel halten.

Autor: Anastasia Wranek
Anastasia Wranek hat Wirtschaftspsychologie studiert und mehrere Jahre als Projekt und Prozessmanagerin gearbeitet. Ihre Spezialgebiete liegen in der Organisations- und Personalentwicklung sowie im IT-Projektmanagement. Als freiberufliche Autorin schreibt sie hauptsächlich über die Themen Projektmanagement, Agilität und New Work.