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Antivirus sinnvoll: Braucht man heute noch ein Antivirus-Programm?

Letzte Aktualisierung
29. Mai 2024

Sie halten Antivirus-Programme für unentbehrlich? Dann erinnern Sie sich vielleicht noch an die Zeiten, als Heimcomputer gerade erst populär wurden. Damals wurde uns regelrecht eingehämmert, wie wichtig Antivirus-Programme sind. Doch wie sieht es heute aus – ist Antivirus-Software überhaupt noch notwendig?

Wir sehen uns genauer an, ob Antivirus-Programme heute noch eine Daseinsberechtigung haben und für welche Zielgruppe externer Virenschutz überhaupt relevant ist.

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Antivirus – ist das überhaupt noch nötig?

Ja, Antivirus ist auch heute noch nötig. Wer diese Frage stellt, möchte aber vermutlich nicht wissen, ob Antivirus grundsätzlich wichtig ist – sondern ob es für guten Schutz essenziell ist, kommerzielle Antivirus-Programme wie Bitdefender oder Norton 360 zu installieren.

Diese liefern für Windows- und Mac-Nutzer nämlich nur zusätzlichen Schutz zu den bereits im Betriebssystem integrierten Virenschutz-Maßnahmen. Heißt: Auch ohne Extra-Virenschutz, der meist kostenpflichtig ist, werden Sie heute bereits umfassend vor Viren geschützt.

Antivirus-Anbieter, die sich nach wie vor als wichtige Komponenten des Schutzes vor Online-Bedrohungen verkaufen – im wahrsten Sinne des Wortes – müssen sich also die Frage gefallen lassen, ob sie überhaupt noch eine Daseinsberechtigung haben. Online werden ihre Produkte heute sogar häufig als Schlangenöl bezeichnet.

Was also: Must-have oder Schlangenöl? Wir finden, dass die Antwort, wie so häufig, irgendwo zwischen diesen Extremen liegt. Im Folgenden erklären wir, warum Antivirus-Programme von Drittanbietern heute in der Tat nicht mehr den Stellenwert wie früher haben – stellen aber auch ein paar Gründe vor, warum sie dennoch für bestimmte Nutzer sinnvoll sein können.

Warum Antivirus-Programme heute oft „entbehrlich“ sind

Das Internet ist wie jeder öffentliche Ort: Wer sich dort aufhält, setzt sich gewissen Gefahren aus, und hundertprozentigen Schutz vor den Handlungen Fremder gibt es nie.

Wer sich verantwortungsbewusst verhält und ein paar grundlegende Sicherheitsvorkehrungen trifft, sollte aber in der Regel keine Probleme bekommen, weil die Sicherheitsstandards in der Online-Welt heute grundsätzlich hoch sind.

Kostenpflichtige Antivirus-Software ist deshalb für viele Menschen entbehrlich geworden. Sehen wir uns die Gründe dafür noch einmal genauer an:

1.

Starker eingebauter Virenschutz

Moderne Betriebssysteme wie Windows und macOS werden bereits mit integrierten Sicherheitsmaßnahmen ausgeliefert, die früheren Standards weit überlegen sind. Windows-Nutzer werden von Microsoft Defender Antivirus, Mac-Nutzer von XProtect geschützt.

Diese ins System integrierten Lösungen beinhalten Echtzeitschutz, regelmäßige Updates und automatisierte Scans, bieten also einen soliden, von unabhängigen Prüflaboren bestätigten Grundschutz – ganz ohne Extra-Gebühren oder „Bloatware“ (mehr dazu später).

Microsoft Defender Antivirus ist der integrierte Virenschutz bei Windows.

Auch viele Experten sehen kostenpflichtige Antivirus-Tools deshalb nicht mehr als zwingend notwendig an. Prof. Norbert Pohlmann, Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit, meint beispielsweise: „Windows hat aufgeholt und man könnte jetzt sagen, wenn es um gängigen Malware-Schutz geht, dann ist die Onboard-Engine – also der Windows Defender – gut genug. Dazu bräuchte ich keine Extra-Software.“

Wer kein zusätzliches Antivirus-Programm installiert, ist also den Gefahren des WWW nicht schutzlos ausgeliefert, ganz egal, was die Werbekampagnen von Antivirus-Anbietern behaupten.

2.

Die größte Gefahr sitzt vor dem Rechner

Viele – vielleicht sogar die meisten – Sicherheitsprobleme entstehen durch menschliches Verhalten. Antivirus-Programme sind oft nur dazu da, Sie vor den Konsequenzen schlechter Entscheidungen zu retten. Wenn Sie jene minimieren, reduzieren Sie also auch die Notwendigkeit von Antivirus-Tools.

Wenn Sie sich an folgende Regeln halten, können Sie Malware auch ohne Extra-Virenschutz gut aus dem Weg gehen:

  • Laden Sie keine Software von verdächtigen Quellen herunter.

  • Öffnen Sie keine E-Mail-Anhänge oder Links von unbekannten Absendern.

  • Rufen Sie wichtige Dienste – z. B. Online-Banking – generell nicht über Links in einer E-Mail auf, sondern öffnen Sie sie manuell im Browser.

  • Achten Sie darauf, nur Websites mit HTTPS-Verschlüsselung zu besuchen – zu erkennen am Schloss-Icon in der Browserleiste.

  • Installieren Sie stets die neuesten Updates Ihres Betriebssystems und Ihrer Programme, um aktuelle Sicherheitslücken zu schließen.

  • Aktivieren Sie die 2-Faktor-Authentifizierung, wenn sie angeboten wird.

Natürlich kann sich Malware auch bei vorsichtigen Internetnutzern einschleichen, doch den gröbsten Gefahren gehen Sie mit diesen Schritten aus dem Weg.

Virenschutz kann leichtsinnig machen

Ein weiterer Nachteil von Antivirus-Programmen ist, dass sie zu einer falschen Sicherheit führen können. Nutzen Sie keinen Virenschutz – weder den Windows Defender noch kommerzielle Programme – als „Denkersatz“, der Ihnen die Arbeit abnimmt.

Es ist wichtig, weiterhin aufmerksam und verantwortungsbewusst im Internet zu agieren, statt sich blind auf die Schutzsoftware zu verlassen.

3.

Auch andere Software liefert Schutz und Prävention

Antivirus-Tools sind nicht die einzigen Programme, die Sie vor Schadsoftware und anderen Bedrohungen schützen. Vor allem, was Präventivmaßnahmen angeht, gibt es viele Programme, die deutlich leichtgewichtiger und meist günstiger sind als Antivirus-Suites.

Adblocker sind etwa eine gute Möglichkeit, den Gefahren schädlicher Bannerwerbungen und Pop-ups aus dem Weg zu gehen. Indem sie Tracking-Cookies blockieren, können sie auch die Privatsphäre im Netz verbessern.

Auch Passwort-Manager leisten wichtige Arbeit. Sie sollten nämlich für jeden Online-Dienst, den Sie nutzen, ein individuelles, sicheres Passwort verwenden, um das Risiko von Datenlecks und Kontoübernahmen zu minimieren.

Mit einem Passwort-Manager können Sie automatisch einzigartige und sichere Passwörter generieren und in einem verschlüsselten Tresor speichern, den Sie mit einem Master-Passwort entschlüsseln.

Mit einem Passwort-Manager können Sie für jeden Dienst ein sicheres Passwort generieren.

Das bedeutet, dass Sie sich nur ein einziges Passwort merken müssen, der Passwort-Manager kümmert sich um den Rest. Dies erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern macht die Verwaltung mehrerer Online-Konten auch deutlich einfacher und komfortabler.

Es gibt also viele nützliche Tools, die in Kombination einen umfassenden Schutz bieten können, ohne dass Sie auf die aufgeblähten, Performance-hemmenden und oft teuren Antivirus-Suites angewiesen sind.

4.

Antivirus-Software kann Sicherheitslücken enthalten

Jedes Programm, das Sie auf Ihrem Rechner installieren, kann potenzielle Sicherheitslücken enthalten – das gilt auch für Antivirus-Tools, die meist umfassende Systemrechte benötigen. Diese Schwachstellen können von Angreifern ausgenutzt werden, um ausgerechnet die Systeme zu kompromittieren, die eigentlich vor Gefahren schützen sollen.

Ironischerweise kann also der Versuch, mehr Sicherheit zu schaffen, zu neuen Risiken führen. Beispiele dafür gibt es viele:

Antivirus-Software kann also Ihre Sicherheit gefährden und auch renommierte Anbieter sind nicht immun gegen solche Probleme. Allerdings werden Sicherheitslücken, wenn sie erst bekannt sind, meist schnell geschlossen – und natürlich können ähnliche Probleme auch durch den Windows Defender entstehen.

5.

Performance-Probleme und „Bloat“

Ein weiterer Kritikpunkt an kommerziellen Antivirus-Programmen ist die sogenannte „Bloatware“. Die Tools sind oft mit zahlreichen zusätzlichen Funktionen ausgestattet, die nicht direkt mit dem Schutz vor Viren zu tun haben, aber trotzdem Ressourcen beanspruchen. Das Resultat: Performance-Einbußen, die den Computer spürbar verlangsamen.

Neben der reinen Performance können auch ständige Pop-ups und Benachrichtigungen störend sein. Das gilt besonders für Gratis-Virenschutz-Programme, die ständig drohen, das System sei ohne Premium-Schutz unsicher. Man spricht dabei auch von „Scareware“.

Freemium-Tools versuchen, Sie mit der Auflistung von Bedrohungen zum Kauf zu bewegen.

Selbst Antivirus-Tools, die grundsätzlich guten Schutz liefern, können also mit Bloatware, Performance-Problemen und Pop-ups nerven, während integrierte Lösungen wie der Windows Defender unsichtbar im Hintergrund agieren.

Wann sich externer Schutz trotzdem lohnt

Kommerzielle Antivirus-Tools sind also heute aus gutem Grund für viele Nutzer kein Must-have mehr. Wenn Sie beim Surfen den gesunden Menschenverstand einschalten und andere Lösungen zum Schutz vor Bedrohungen und der Prävention von Malware einsetzen, reicht der systeminterne Virenschutz meist aus.

Es gibt aber auch heute noch bestimmte Situationen, in denen zusätzlicher externer Schutz sinnvoll sein kann. Folgende Gründe sprechen beispielsweise für zusätzliche Antivirus-Unterstützung:

1.

Vorsicht allein ist nicht immer ausreichend

Zunächst ist wichtig, zu verstehen, dass der generelle Zweck von Antivirus-Tools legitim ist. Sie erkennen das Verhalten von Schadprogrammen, beispielsweise durch die Erkennung von Mustern und Signaturen, und blockieren entsprechende Bedrohungen.

Tatsache ist, dass selbst vorsichtige, technisch kompetente Nutzer, die eigentlich fast immer alles richtig machen, auf Tricks hereinfallen oder von besonders hinterlistiger Malware heimgesucht werden können. In solchen Fällen kann ein gutes Antivirus-Programm Schlimmeres verhindern.

Antivirus-Lösungen sind also kein Allheilmittel, aber auch kein nutzloser Ballast. Sie sind ein Extra-Werkzeug in Ihrem Sicherheitsarsenal, das wertvolle Dienste leisten kann, aber eben oft überteuert ist und unnötige Extras enthält, die Sie nicht wirklich benötigen – zumal jeder Computer bereits mit einem integrierten Werkzeugkasten ausgestattet ist.

2.

Unternehmen haben erweiterte Schutzbedürfnisse

Für Unternehmen, die sensible Daten verwalten, mit vertraulichen Informationen arbeiten und mit riskantem Verhalten von Mitarbeitenden rechnen müssen, kann ein zusätzlicher Schutz wichtig sein.

Kommerzielle Antivirus-Programme bieten oft Enterprise-Editionen mit erweiterten Features – z. B. eine zentralisierte Verwaltung, detaillierte Berichte oder spezialisierte Schutzmechanismen, die über den Grundschutz hinausgehen und auf die Bedürfnisse bestimmter Branchen zugeschnitten sind.

Auch für Selbstständige kann die zusätzliche Absicherung sinnvoll sein. Ein erweiterter Virenschutz kann hier helfen, das Risiko von Datenlecks und Angriffen zu minimieren und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sicherzustellen. Wenn es doch einmal zu Problemen kommt, kann es auch aus Versicherungs-Sicht hilfreich sein, auf installierten Virenschutz zu verweisen.

3.

Prüflabore bescheinigen guten Schutz

Microsoft Defender Antivirus liefert zwar laut Prüflaboren exzellenten Schutz, schneidet aber in den ausführlichen Sicherheitstests meist nicht ganz so gut ab wie die besten kommerziellen Lösungen.

Im jüngsten Malware Protection Test von AV-Comparatives war die Offline-Erkennungsrate etwa relativ schwach und es kam generell zu vergleichsweise vielen Falschmeldungen:

Die Antivirus-Lösung von Microsoft erhielt von AV-Comparatives zuletzt 2 von 3 Sternen

Antivirus-Tools sind also oft noch etwas besser darin, Viren und andere Bedrohungen zuverlässig zu erkennen. Allerdings sind die Tests der Prüflabore auch wirklich intensiv und mit den Bedingungen der „gewöhnlichen“ Internetnutzung im Alltag nicht zu vergleichen.

4.

Schutz der gesamten Familie

Sie wissen vielleicht, dass Sie nur Dateien aus sicheren Quellen herunterladen und keine verdächtigen E-Mail-Links öffnen sollten. Doch wie sieht es mit Ihren Eltern oder Kindern aus? Familienmitglieder, die weniger technisch versiert sind, können ungewollt Risiken eingehen, die die Sicherheit des gesamten Netzwerks gefährden.

Weil das Verhalten anderer Leute im Haushalt oft unvorhersehbar ist, kann zusätzlicher Virenschutz eine Option sein, weil er die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass leichtsinniges Verhalten nicht mit Malware bestraft wird. Viele Antivirus-Suites bieten zudem spezielle Funktionen für Familien, beispielsweise eine eingebaute Kindersicherung.

Viele Antivirus-Suiten haben auch eine Kindersicherung integriert.

5.

Premium-Funktionen für erweiterten Schutz

Apropos Extra-Funktionen: Kommerzielle Antivirus-Programme bieten oft viele weitere Features, die über den reinen Virenschutz hinausgehen. Dazu gehören Diebstahlschutzfunktionen, mit denen Sie verlorene oder gestohlene Geräte lokalisieren können, oder zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie VPNs oder Passwort-Manager.

Die meisten Antivirus-Programme bieten weit mehr als klassische Virenscan- und Echtzeitschutz-Funktionen.

Wenn Sie wirklich Bedarf an diesen Extra-Funktionen haben – und Sie ansonsten vielleicht sogar Standalone-Varianten kaufen müssten – kann es sich lohnen, gleich in eine umfassende Software-Suite zu investieren, die alles abdeckt.

Fazit

Lassen Sie sich von den Warnungen der Antivirus-Anbieter nicht einschüchtern: Auch ohne kommerzielle Antivirus-Software sind Sie heutzutage auf Windows- und Mac-Geräten ziemlich sicher unterwegs. Dafür sorgt der systeminterne Virenschutz, der Online-Bedrohungen zuverlässig abwehrt.

Der beste Virenschutz ist zudem ohnehin der gesunde Menschenverstand: Wenn Sie denken, bevor Sie klicken, ein paar Grundregeln im Netz befolgen und Präventiv-Software wie Adblocker oder Passwort-Manager verwenden, sind Sie in Kombination mit den bei Windows und macOS eingebauten Antivirus-Lösungen ziemlich sicher unterwegs.

Zusätzliche Antivirus-Programme sind also kein Must-have mehr – eine Daseinsberechtigung haben sie aber nach wie vor. Sie liefern von Prüflaboren bestätigten Schutz, können Sie vor besonders hinterlistigen Angreifern retten und den ganzen Haushalt vor Bedrohungen abschirmen.

Wenn Sie sich entscheiden, zusätzlichen Virenschutz zu installieren, sollten Sie darauf achten, auf ein renommiertes Tool mit exzellenter, von Prüflaboren bescheinigter Schutzwirkung und möglichst geringen Performance-Auswirkungen zu setzen. Unsere umfangreichen Antivirus-Tests können Ihnen bei der Auswahl helfen.

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Janis von Bleichert hat Wirtschaftsinformatik an der TU München und Informatik an der TU Berlin studiert. Er ist seit 2006 selbständig und ist der Gründer von EXPERTE.de. Er schreibt zu den Themen Hosting, Software und IT-Security.
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