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VPNs im Test: IPVanish

  Martin Gschwentner   24. Okt. 2019

Bescheiden gibt man sich bei IPVanish nicht gerade. Als "schnellster VPN-Service der Welt" rühmt sich der Anbieter auf seiner Website. Doch Speed allein ist nicht alles. Ob IPVanish auch an anderen Fronten überzeugt, und an den Performance-Versprechen überhaupt etwas dran ist, verrät unser Test.

Was ist IPVanish?

IPVanish ist ein US-basierter VPN-Anbieter mit Desktop-Clients für Windows und macOS und Apps für Android, iOS und FireTV. Das Unternehmen wurde 2012 von Mudhook Media Inc. gegründet und gehört seit 2017 zu StackPath.

Testbericht

Performance
Note 1,7
Kundensupport
Note 1,7
Server-Netzwerk
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,3
Sicherheit und Privatsphäre
Note 3,0

Pro & Contra

viele Geräte und Simultan-Verbindungen

solides Server-Netzwerk

gute Geschwindigkeiten

wenig ansprechende Benutzeroberfläche

"No Logging"-Versprechen werfen Zweifel auf

Bedienung und Features

Neben den offiziellen IPVanish-Anwendungen können Sie auch andere Geräte wie Chromebooks, Windows Phones oder Router manuell für die Nutzung mit IPVanish einrichten. Mit den Apps geht es aber natürlich einfacher: Nach der Registrierung sind die Clients mit wenigen Klicks installiert und einsatzbereit. Ganze 10 Geräte - und 10 gleichzeitige Verbindungen - können Sie mit einem einzigen IPVanish-Abo verwenden, was deutlich über dem Durchschnitt anderer Anbieter liegt.

Die Benutzeroberfläche des Desktop-Client ist, diplomatisch ausgedrückt, kein Fest fürs Auge. Weniger diplomatisch: IPVanish zeigt sich in einer hässlichen, schwarz-grünen Textbox, die mit Infos und Buttons vollgestopft ist.

Während andere VPN-Anbieter zunehmend ihre Interfaces entschlacken und den Weg der Simplizität gehen, packt IPVanish so viel wie möglich bereits in den Start-Tab der Anwendung. Der "Connect"-Button ist hier optisch nicht das zentrale Element, dem sich alles andere unterordnet, sondern versteckt sich im oberen rechten Bildschirmrand. Auf einem immer stilsichereren VPN-Markt wirkt IPVanish wie ein Relikt aus alten Zeiten, und Design-Awards wird das Programm damit sicherlich keine gewinnen, doch wer handfeste Infos zu seiner Verbindung dem intuitiven Minimalismus anderer Programme vorzieht, bekommt eine gehaltvollere Erfahrung geliefert als bei der Konkurrenz.

Im "Quick Connect"-Tab erhalten Sie zahlreiche Informationen zu Ihrer Verbindung: Sie wissen immer, mit welchem Protokoll Sie verbunden sind, ob der Kill Switch aktiviert ist und wie Ihre derzeitige IP-Adresse lautet. In der Mitte des Tabs finden Sie zudem Angaben zur Performance des Dienstes und den Upload- und Download-Geschwindigkeiten.

Bereits im "Quick Connect"-Tab können Sie unten rechts alle verfügbaren Server-Standorte und sogar die verschiedenen Server selbst einsehen uns auswählen. Mehr Optionen erhalten Sie im "Server List"-Tab, wie Sie die Server nach Alphabet, Favoriten, Ping oder Ladezeiten ordnen können. Warum die ausgewählten Favoriten allerdings nicht im Start-Tab erscheinen, ist etwas verwunderlich. Neben der Listen-Ansicht können Sie die Server auch auf einer Weltkarte durchstöbern und mit Doppelklick eine Verbindung herstellen.

Im "Settings"-Menü können Sie eine übersichtliche Anzahl von Einstellungen vornehmen. Besonders praktisch sind die vielen Optionen zum System- und Programmstart: Neben den üblichen Autostart-Einstellungen können Sie festlegen, ob IPVanish beim Start immer sofort zum zuletzt verwendeten, zum generell besten oder dem besten Server in einem bestimmten Land eine Verbindung herstellen soll. So können Sie dafür sorgen, dass Ihre Internet-Verbindung so gut wie immer gesichert ist.

Besonders ausufernd sind die Einstellungs-Möglichkeiten ansonsten nicht und extravagante Zusatz-Features gibt es keine, doch die wichtigsten VPN-Funktionen wie der Protokoll-Wechsel und ein Kill Switch sind vorhanden. Letzterer kappt die Verbindung aber auch dann, wenn man das VPN bewusst abstellt, was Anfangs zu etwas Verwirrung führte. Schade ist, dass IPVanish momentan um Features ärmer ist, die in der Vergangenheit sehr beliebt waren: So konnte man einst einen zeitlich getakteten, automatischen IP-Wechsel festlegen, was heute nicht mehr möglich ist.

Im Streaming-Test war IPVanish nur teilweise erfolgreich: Amerikanische Netflix-Inhalte konnten wir ohne Probleme ansehen, der BBC iPlayer kam uns allerdings auf die Schliche.

Mobile App

Auch mobil ist der Auftritt von IPVanish eher zweckmäßig, wobei hier der Ein-/Aus-Button wie bei anderen Apps gewohnt im Mittelpunkt steht. In den "Quick Connect"-Einstellungen können Sie wie am Desktop aus der vollständigen Standort-Liste wählen, oder stattdessen ins Server-Untermenü wechseln. Die Einstellungen der Desktop-Anwendung sind größtenteils auch mobil verfügbar, und auch auf Android und iOS gibt es die detaillierten Autostart-Optionen. Der Kill Switch ist allerdings leider nur auf Windows und macOS verfügbar, dafür gibt es mobil - im Gegensatz zur Desktop-Version - Split Tunneling.

Hat man sich erst an die wenig attraktive Benutzeroberfläche gewöhnt, erhält man mit IPVanish ein solides VPN, das mehr als nur verbindet und Nutzer mit vielen Informationen füttert. Gleichzeitig erweckt das zweckmäßige, technische Interface die Erwartung, dass in den Tabs besonders viele Möglichkeiten der Individualisierung und Anpassung warten, was aber nicht der Fall ist. IPVanish wartet mit den typischen VPN-Funktionen und wenigen Extras auf - gerade Alleinstellungsmerkmale wie den getakteten IP-Wechsel hat man gar wieder aus dem Feature-Raster geworfen. Was bleibt, ist ein guter VPN-Service, der allerdings mehr sein könnte.

Note: 2,3

Server-Netzwerk

IPVanish hat mehr als 1300 Server an mehr als 75 Server-Standorten in insgesamt 60 Ländern. Das globale Netzwerk reicht damit nicht an die führenden VPNs wie NordVPN oder ExpressVPN heran, kann sich aber durchaus sehen lassen.

Die meisten Server befinden sich wie gewohnt in Europa und Nordamerika, mit Ausläufern im Rest der Welt. Afrika ist nur mit Südafrika vertreten, in Südamerika sitzen nur in Brasilien und Kolumbien Server. Auch in Asien ist die Abdeckung sehr fleckenhaft. Die Schwächen werden aber leider überwiegend von allen VPN-Anbietern geteilt, und im Vergleich ist die Abdeckung von IPVanish wirklich gut.

Note: 2,0

Performance

Wir testen die Performance der VPNs von einem Server in Frankfurt mit 1 Gbit/s-Anbindung aus. Dabei verbinden wir uns mehrmals täglich mit einem zufälligen IPVanish-Server, um die Geschwindigkeiten repräsentativ festzuhalten. Mehr Informationen zur Methodik finden Sie in unserem VPN Speedtest.

Die folgende Tabelle zeigt, absteigend nach Download + Upload-Geschwindigkeiten sortiert, die Ergebnisse der letzten 30 Tage zum Zeitpunkt des Tests:

Ist IPVanish wie versprochen der schnellste VPN-Service der Welt? Nicht ganz: Zum Zeitpunkt des Tests erreichte der Dienst mit einem Download von 181,9 Mbit/s und einem Upload von 12,9 Mbit/s nur den 8. Platz in unserem Speedtest. Das reicht im Vergleich zur Spitze aber immer noch für eine "gute" Gesamtwertung.

Note: 1,7

Sicherheit und Privatsphäre

IPVanish verschlüsselt den Datenverkehr mit dem Industriestandard AES 256-bit, der maximale Sicherheit bietet. Unterstützt werden die Protokolle OpenVPN, IKEV2, L2TP, SSTP und PPTP, bei OpenVPN haben Sie zudem die Wahl zwischen UDP und TCP. IPVanish lässt Nutzern etwas mehr Auswahl bei den VPN-Protokollen, doch wirklich empfohlen werden ohnehin nur die ersten beiden. Vor allem PPTP ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß - aber die Option tut ja nicht weh.

Was VPN-Nutzern sehr wohl Schmerzen bereitet, sind Leaks. Hier konnten wir in unseren Tests bei IPVanish keine Schwachstellen ausfindig machen.

IPVanish verspricht einen strikten No Logging-Grundsatz, der auch in den Datenschutz-Richtlinien wiederholt betont wird. Auf Papier klingt das alles genauso, wie man es sich vorstellt - doch die Realität sieht manchmal anders aus.

2018 entbrannte mit einem Reddit-Beitrag ein Datenschutz-Skandal, als sich anhand von Gerichtsunterlagen herausstellte, dass IPVanish in der Vergangenheit sehr wohl Logs gespeichert haben könnte. Die Vorwürfe reichen ins Jahr 2016 zurück, bevor IPVanish von StackPath übernommen wurde. Die Datenschutzrichtlinien haben sich seither nicht geändert, und der StackPath-Geschäftsführer versicherte auf Reddit: "Ohne Ausnahme hat IPVanish als Teil des StackPath-Unternehmens niemals Logs geführt oder gespeichert und wird dies auch in Zukunft nicht tun."

Diese Versicherungen klingen aufrichtig, und es ist gut möglich, dass sich IPVanish unter StackPath-Führung in Sachen Datenschutz wirklich nichts zu Schulden kommen lässt, doch die in der Vergangenheit gebrochenen Versprechen stimmen etwas misstrauisch. Zweifel könnte IPVanish mit einem unabhängigen Audit einer Drittpartei ausräumen.

Zu den Sorgen kommt, dass IPVanish seinen Firmensitz in den USA hat, die nicht unbedingt als Paradies für die digitale Privatsphäre bekannt sind. IPVanish muss sich also an amerikanische Regulierungen halten - und kooperieren, wenn die Regierung anklopft.

Note: 3,0

Kundensupport

24 ist die Zahl, die man beim Kundensupport am liebsten hört. IPVanish enttäuscht nicht: "Wir sind online - 24 Stunden am Tag." Dieses Versprechen umfasst neben E-Mail-Support auch einen Live-Chat. Bei jenem mussten wir uns manchmal eine Weile in der Warteschlange gedulden, doch niemals mehr als ein paar Minuten. Auch in deutscher Sprache erhält man Support von den Mitarbeitern - allerdings nur mit automatischen Übersetzungen.

Auch das Support-Zentrum mit FAQs ist nur in englischer Sprache verfügbar. Zumindest hier könnte IPVanish mit der Zeit gehen und wertvolle Ressourcen in den Sprachen seiner Nutzerbasis zur Verfügung stellen. Der 24/7 Support ist dennoch absolut zufriedenstellend.

Note: 1,7

Preisgestaltung

Der Monats-Preis richtet sich auch bei IPVanish nach der Dauer des abgeschlossenen Abos. Am günstigsten ist der Jahresplan, doch auch im Monat-zu-Monat-Paket ist im Vergleich zu vielen anderen Anbietern relativ günstig. Eine Übersicht über die aktuellen Preise finden Sie hier:

1 Jahr3 Monate1 Monat
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 5.79 € 8.03 € 8.93 €
Vertragslaufzeit (Monate) 12 3 1
Limits
Datenvolumen unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 10 10 10
Features
Anzahl Server 1100 1100 1100
Anzahl Länder 60 60 60
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
OpenVPN
PPTP
SSTP
SOCKS5
IKEv2
IPSec
L2TP
OpenVPN
PPTP
SSTP
SOCKS5
IKEv2
IPSec
L2TP
OpenVPN
PPTP
SSTP
SOCKS5
IKEv2
IPSec
L2TP

IPVanish akzeptiert Kreditkarten und PayPal. Bitcoin oder alternative Zahlungsmethoden werden leider nicht unterstützt. Einen Business-Tarif gibt es nicht.

Fazit

Performance
Note 1,7
Kundensupport
Note 1,7
Server-Netzwerk
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,3
Sicherheit und Privatsphäre
Note 3,0

Oberflächlich sollte man als Nutzer von IPVanish nicht sein: Besonders hübsch ist das VPN nämlich nicht. Im hässlichen Entlein schlummert auch kein Feature-Schwan: Der Funktionsumfang ist "nur" solide. Auch die Performance-Versprechen kann IPVanish nicht wirklich einhalten - und beim Datenschutz kommen Fragen auf. Viel Angriffsfläche also, und doch waren wir überwiegend zufrieden mit IPVanish. Besonders der kleine Preis könnte das VPN auf den Schirm vieler Nutzer bringen.

IPVanishIPVanish VPN
 11160
5,79 €
∅ mtl. Effektivpreis
12 Monate Laufzeit
1100+ Server mit 40.000+ IPS
60+ Länder
10 gleichzeitige Verbindungen
Unternehmenssitz USA
IPVanish 1 Jahr + 2 weitere Tarife
10
Geräte
Datenvolumen
7
VPN Protokolle

Kundenbewertungen

In den von uns erfassten Rezensionen kommt IPVanish auf eine insgesamt "sehr gute" Bewertung. In den Kundenbewertungen wird oft hervorgehoben, dass die Bedienung besonders einfach ist. Dafür stellen Nutzer gelegentlich langsame Verbindungen fest.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 11160 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.4 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

Empfehlung: Testsieger 2019
ExpressVPNExpressVPN
 112885
7,43 €
∅ mtl. Effektivpreis
15 Monate Laufzeit
3000+ Server
160 Städte in 94 Ländern
Speichert keine Logs
30-Tage Geld-zurück-Garantie
ExpressVPN 12 Monate + 2 weitere Tarife
3
Geräte
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Empfehlung: Preis-Leistungs-Sieger 2019
NordVPNNordVPN
 164997
3,17 €
∅ mtl. Effektivpreis
36 Monate Laufzeit
5000+ Server weltweit
60 Länder
Keine Logs
6 Geräte gleichzeitig
NordVPN 3-Jahres-Paket + 3 weitere Tarife
6
Geräte
Datenvolumen
4
VPN Protokolle
hide.mehide.me VPN
 12838
0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
55+ Standorte in 34+ Ländern
Speichert keine Logs
14-Tage Geld-zurück-Garantie
mit kostenlosem Tarif
hide.me Free + 4 weitere Tarife
1
Gerät
2 GB
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.