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VPNs im Test: Windscribe

Von Edward Snowden bis Cambridge Analytica: Ein gewisser Zynismus ist eingekehrt in Debatten über das Internet und seinen Wert. Anstelle des einstigen Tech-Utopismus ist Vorsicht eingetreten, weil die Versprechen von grenzenloser Freiheit und Anonymität schon oft gebrochen wurden. Windscribe verspricht nun, das "Internet, wie es sein sollte" wieder zurückzubringen. In unserem großen VPN-Test haben wir uns den Anbieter, der eher zu den Underdogs zählt, deshalb einmal genauer angesehen.

Was ist Windscribe?

Windscribe ist ein kanadischer VPN-Anbieter, der seit 2016 operiert und Nutzern sowohl kostenlos, als auch in einer Abo-Variante zur Verfügung steht. Desktop-Applikationen sind für Windows, Mac und Linux verfügbar, mobile Apps gibt es für iOS, Android und Blackberry, Browser-Erweiterungen für Google Chrome, Firefox und Opera. Darüber hinaus lässt sich Windscribe auch auf Geräten wie Smart-TVs und Routern einrichten.

Testbericht

Bedienung und Features
Note 1,3
Kundensupport
Note 2,0
Sicherheit und Privatsphäre
Note 2,0
Server-Netzwerk
Note 2,3
Performance
Note 2,7

Pro & Contra

intuitive App mit vielen Features

günstiges Abo, flexible Preise

Gratis-Version mit 10 GB Limit

vergleichsweise langsame Performance

Split Tunneling bisher nur auf Android verfügbar

Server-Netzwerk eher Mittelmaß

Bedienung und Features

Die Windscribe-Website schlägt anhand Ihres Betriebssystems und verwendeten Browsers automatisch die entsprechenden Applikationen und Erweiterungen zur Installation vor, macht die Reise von der Idee bis zur Einsatzbereitschaft also besonders kurz. Nicht einmal eine Minute verging, bis Windscribe auf Windows und im Chrome-Browser startklar war.

Die Anwendungen von Windscribe geben sich selbst im Vergleich zu minimalistischen VPN-Alternativen besonders leichtgewichtig und unauffällig. Auf Extravaganz wie Weltkarten oder Performance-Daten verzichtet das Programm völlig, und konzentriert sich auf das funktional Wesentliche: Es gibt die Standort-Auswahl mit Dropdown-Menü, Ein/Aus-Schalter, IP-Adresse, Kill Switch (hier "Firewall" genannt), ein Menü für Benachrichtigungen und ein Hamburger-Menü-Icon, das zu den Einstellungen und weiteren Links führt.

Wenn Sie eine Verbindung hergestellt haben, können Sie zudem per Klick auf das Balken-Symbol deren Qualität bewerten. Im Dropdown-Menü gibt das Symbol Auskunft über die Stärke der potenziellen Verbindung - und wenn Sie den Mauszeiger darüber halten, liefert Windscribe eine konkrete Zahl in ms.

Im Ländermenü gibt es leider keine richtigen Server-Kategorien wie bei vielen anderen VPNs, dafür einige wenige, mit Namen gekennzeichnete Server für Video-Streaming. Sie können zudem Favoriten hinzufügen, die dann an am Anfang der Liste angeheftet werden, und wenn verfügbar bestimmte Städte zur Verbindung auswählen.

In den Einstellungen der Desktop-App gibt es die üblichen Optionen zum Autostart, der Kill Switch-Automatik und den Protokollen - mehr zu jenen erfahren Sie im Unterpunkt "Sicherheit und Privatsphäre". Auch den LAN-Proxy Ihres Netzwerkes können Sie hier konfigurieren. Falls Ihr Netzwerkadapter dies unterstützt, können Sie auf Windows auch einen sicheren Hotspot einrichten; außerdem haben Sie die Möglichkeit, einen HTTP oder SOCKS Proxy-Server zu erstellen und andere Geräte von Ihrer sicheren Verbindung profitieren zu lassen.

Die Browser-Erweiterung von Windscribe ist ähnlich schlank wie die Desktop-Schwester. Auch hier finden Sie Quick Connect, Länderliste und Ihre IP-Adresse im Startfenster. Im Bereich "Privacy" - die Desktop-Erweiterung ist übrigens bisher nur in Englisch, Französisch, Arabisch und Mandarin verfügbar - zeigt sich zudem ein weiteres Feature-Paket von Windscribe: Auch als Adblocker macht das VPN keine schlechte Figur. Sie können dabei individuell einstellen, was blockiert werden soll: Alle Ads und Malware, Social Media Widgets, sonstige Notifikationen oder WebRTC-Anfragen.

Das Feature "Split Personality" minimiert die Gefahr von Browser-Fingerprinting, indem es den User Agent Ihres Browsers, der Websites Ihr Betriebssystem und die Version Ihres Browsers mitteilt, rotiert. Außerdem können Sie mit "Location Warp" und "Time Warp" die GPS- und Zeiteinstellungen Ihrer Proxy-Verbindung übernehmen. Mit dem "Double Hop"-Modus, den Sie durch die Aktivierung des VPNs in der Desktop- und Browser-Version gleichzeitig beschwören, wird Ihr Traffic durch zwei verschiedene VPN-Server geroutet, was noch mehr Anonymität verspricht.

Split Tunneling gibt es bisher leider nur für Android. Bald sollen aber auch Windows, Mac und Linux-Nutzer in den Genuss dieses Features kommen.

Im Streaming-Test konnten wir den BBC iPlayer leider auch mit dem Windflix UK-Server nicht austricksen. Netflix kam uns dagegen nicht auf die Schliche, und wir konnten problemlos auf britische und amerikanische Inhalte zugreifen.

Mobile App

Die in 7 Sprachen erhältliche App - eine deutsche Version gibt es bisher nicht - verpackt die überwiegend mit den anderen Versionen identischen Features in eine intuitive Benutzeroberfläche, die wenig Wünsche übrig lässt. Android-Nutzer können wie bereits erwähnt mit Split Tunneling bestimmten Apps die VPN-Verbindung zuweisen oder untersagen.

In der mobilen Version tauchen die dedizierten Server fürs Videostreaming in einer gesonderten Kategorie auf. Auch hier konnten wir Netflix erfolgreich täuschen.

Windscribe ist intuitiv, schnell und bis in jeden Winkel seiner schlanken Bedienoberfläche mit praktischen Features vollgepackt, die auch auf dem umkämpften VPN-Markt noch lange nicht zum Standard geworden sind. Sobald Split Tunneling, der größte Mangel abseits der Android-Version, auch in die restlichen Windscribe-Anwendungen Einzug hält, gibt es eigentlich kaum noch etwas zu meckern.

Note: 1,3

Server-Netzwerk

Windscribe stellt seinen Nutzern ein Server-Netzwerk aus rund 500 Servern (die genaue Anzahl wollte man uns auch im Support nicht mitteilen) in 110 Städten in über 60 Ländern zur Verfügung; Nutzer der Gratis-Version können immerhin auf 10 dieser Standorte zugreifen. Bei der reinen Server-Anzahl ist der Anbieter damit weit entfernt von führenden VPNs wie NordVPN oder ExpressVPN, doch die Server-Anzahl wird im Gegensatz zu anderen Anbietern auch nicht mit virtuellen Servern aufgebläht.

Bei der Verbreitung der Server beschreitet Windscribe ähnliche Wege wie viele andere VPN-Dienste, was dieselben Defizite mit sich bringt. Afrika und Asien sind auch hier eher spärlich vertreten. Insgesamt ist das Server-Netzwerk allerdings durchaus solide.

Note: 2,3

Performance

Die Performance der VPNs testen wir von einem Server in Frankfurt mit 1 Gbit/s-Anbindung aus. Dabei verbinden wir uns mehrmals täglich mit einem zufälligen Windscribe-Server, um die Geschwindigkeiten repräsentativ festzuhalten. Mehr Informationen zur Methodik finden Sie in unserem VPN Speedtest.

Die folgende Tabelle zeigt, absteigend nach Download + Upload-Geschwindigkeiten sortiert, die Ergebnisse der letzten 30 Tage zum Zeitpunkt des Tests:

Windscribe zählt leider zu den langsameren VPN-Diensten und belegt in unserem Speedtest nur den 11. Platz. Im Vergleich zu den Top-Performern ist das Endergebnis immer noch "befriedigend", doch wer einen VPN-Anbieter in erster Linie aufgrund seiner Performance auswählt, wird enttäuscht sein.

Note: 2,7

Sicherheit und Privatsphäre

Wie die meisten VPNs verschlüsselt Windscribe den Datenverkehr mit dem State-of-the-Art AES 256-bit Industriestandard. Bei den VPN-Protokollen haben Sie die Wahl zwischen IKEv2 und OpenVPN (TCP oder UDP). Im automatischen Verbindungs-Modus legte die Desktop-Version IKEv2 als Standard fest, wer also OpenVPN bevorzugt, sollte zunächst einen Blick in die Einstellungen werfen.

Darüber hinaus gibt es zwei weidere Modi namens "Stealth" und "WStunnel", bei denen es sich um gekapselte OpenVPN-Verbindungen handelt, die eine gewöhnliche Verbindung vorgaukeln. Jene könnte sich in Ländern mit restriktiven Internet-Vorschriften wie China als nützlich erweisen.

Die üblichen DNS- und IP Leak-Tests bestand Windscribe problemlos:

Windscribe hat seinen Sitz in Kanada, das strenge Regeln zur Vorratsdatenspeicherung hat und als Teil des sogenannten 5-Augen-Abkommens mit anderen, massenüberwachenden Regierungen kooperiert. Als Hoheitsbereich ist Kanada für einen VPN-Dienst also nicht die erste Wahl, weshalb andere Programme in Orten wie Panama, Malaysia oder den Britischen Jungferninseln angesiedelt sind. Für die meisten Nutzer steigen Bedenken bei der Sicherheit und Privatsphäre wahrscheinlich nicht bis zu dieser Ebene, doch die rechtliche Situation ist in Bezug auf staatliche Überwachungspraktiken oder Gesetze zum Urheberrecht von Bedeutung.

Windscribe verspricht, "keine identifizierenden Logs" zu speichern. Dazu zählen Connection Logs, IP Timestamps oder Session Logs. Gespeichert werden hingegen die Höhe der in den vergangenen 30 Tagen genutzten Bandbreite und der Zeitpunkt der letzten Nutzung des VPN-Dienstes. Wenn man der Datenschutzrichtlinie Glauben schenkt - und in dieser Hinsicht bleibt einem oft nicht viel übrig, außer auf das Wort von Anbietern zu vertrauen - gibt es im Logging-Bereich keine Warnsignale.

Dass Windscribe die Sicherheit und Privatsphäre seiner Nutzer ernst nimmt, zeigen auch die vielen Sicherheits-Features wie "Double Hop" oder "Split Personality", die wahrlich nicht jedes VPN zu bieten hat. Wer mit dem Firmensitz in Kanada keine Probleme hat, sollte mit Windscribe also durchaus glücklich werden. Eine unabhängige Prüfung, der sich manche andere VPN-Dienste unterzogen haben, würde außerdem zusätzliche Sicherheit schaffen.

Note: 2,0

Kundensupport

Windscribe hat einen Mitarbeiter, der rund um die Uhr im Chat Fragen beantwortet: Garry tippt sich sofort die Finger wund, wenn man im Support-Bereich eine Frage stellt - doch leider ist Garry nur ein Bot, und als solcher auch nur in Ausnahmen und bei offensichtlichen Fragen wirklich hilfreich.

Einen richtigen Support-Chat hat Windscribe im Gegensatz zu den größeren Playern im VPN-Bereich wie NordVPN leider nicht und eine Hotline sucht man ebenfalls vergebens. Die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme ist das altbekannte Support-Ticket. Unsere Fragen beantwortete das Team nach etwa zwei Stunden.

Davon abgesehen gibt es ein relativ aktives Subreddit, sowie eine Wissensdatenbank, FAQs und Setup-Guides. Windscribe bemüht sich also, Fragen vorwegzunehmen, doch in Problemfällen, für die man nur mal kurz den Rat von Support-Mitarbeitern einholen möchte, liefern andere VPNs wesentlich praktischere Kanäle. Der Support operiert nur in englischer Sprache.

Note: 2,0

Preisgestaltung

Neben der kostenlosen Version, die das Limit mit 10 GB Daten im Monat vergleichsweise großzügig ansetzt und Zugriff auf 10 Server-Standorte erlaubt, gibt es Windscribe im Monats- oder Jahrespaket. Insgesamt befindet sich der VPN-Dienst im untersten Preissegment. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, sich Ihr Abonnement individuell zusammenzustellen, wobei Sie pro Serverstandort pro Monat bezahlen.

Eine Übersicht über die aktuellen Preise finden Sie hier:

FreeYearlyMonthly
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 0.00 € 3.64 € 8.04 €
Vertragslaufzeit (Monate) 0 12 1
Limits
Datenvolumen 10 GB unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Features
Anzahl Server 10 500 500
Anzahl Länder 10 60 60
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
OpenVPN
IKEv2
OpenVPN
IKEv2
OpenVPN
IKEv2

Einen Rabatt gibt es für Studenten, und als Business-Lösung dient ScribeForce, wobei Sie monatlich pro Nutzer in Ihrem "Team" bezahlen. Wer statische IPs benötigt, kann jene kostenpflichtig zu seinem Abonnement dazubuchen.

Diese Flexibilität und die günstigen Preise allgemein machen Windscribe preislich zu einem der attraktivsten VPN-Diensten auf dem Markt.

Fazit

Bedienung und Features
Note 1,3
Kundensupport
Note 2,0
Sicherheit und Privatsphäre
Note 2,0
Server-Netzwerk
Note 2,3
Performance
Note 2,7

Windscribe fliegt im bisher unter dem Radar vieler VPN-Nutzer und steht im Schatten bekannterer Programme. Zu Unrecht, denn: Gerade im Gratis-Bereich steht der Dienst relativ konkurrenzlos auf einem heiß umkämpften Markt. Und auch in der günstigen Abo-Variante fühlt sich Windscribe nicht an wie ein Underdog, denn im Gegensatz zum minimalistischen App-Design haben die Entwickler bei der Feature-Fülle nicht gekleckert.

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10 GB
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Leider gibt es Abstriche bei der Performance, wo Windscribe im Vergleich zu den Top-VPN-Diensten deutlich abgeschlagen ist. Könnte das Programm auch hier punkten, wäre es ein hervorragender Allrounder zum kleinen Preis. Wer Speed nicht als wichtigsten Faktor bei der VPN-Wahl betrachtet, könnte auch jetzt mit Windscribe durchaus glücklich werden.

Kundenbewertungen

In den von uns erfassten Kundenrezensionen spiegelt sich eine breite Zufriedenheit mit dem Windscribe-Angebot wieder. Nutzer loben das große Datenvolumen der kostenlosen Version und die intuitive Bedienung. Gelegentliche Beschwerden gibt es wegen Verbindungsproblemen und langsamen Geschwindigkeiten.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 13817 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.3 von 5 ermittelt (Quellen).

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