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VPNs im Test: PureVPN

  Martin Gschwentner   16. Sep. 2019

Im Namen von PureVPN schwingt mit, dass andere VPNs vom rechten Weg abgekommen sind. Immer mehr Features sollen in die einfachen Programme gepackt werden, immer mehr Extras von der Konkurrenz abheben. Zeit, dass sich jemand wieder aufs Wesentliche besinnt, und die "pure VPN-Erfahrung" bietet. Ob PureVPN der richtige Kandidat für diesen Job ist, verrät unser Test.

Was ist PureVPN?

PureVPN ist ein VPN-Service mit Sitz in Hong Kong, der seit 2007 operiert. Bekannt ist PureVPN besonders für seine Server-Dichte: Anders als viele andere VPNs deckt PureVPN auch Regionen in Asien, Südamerika und Afrika ab, die von Konkurrenten oft missachtet werden.

Testbericht

Performance
Note 1,3
Server-Netzwerk
Note 1,3
Kundensupport
Note 1,7
Bedienung und Features
Note 2,0
Sicherheit und Privatsphäre
Note 3,0

Pro & Contra

großartige Server-Infrastruktur

gute Geschwindigkeiten

gute mobile Apps

24/7 Live Chat

Desktop-Client braucht Überarbeitung

Datenschutzerklärung wirft Fragen auf

Bedienung und Features

Der Anmelde-Vorgang läuft bei PureVPN etwas anders ab, als gewohnt. Wenn Sie Ihren Account eröffnet haben, werden Ihnen Passwort und Benutzername zugewiesen, die Sie wiederum zum Login bei den verschiedenen Apps - für Windows, Mac, iOS, Android, Linux - und Browser-Erweiterungen verwenden. Dies hat zum Vorteil, dass Sie eine Einmal-E-Mail Adresse zur Registrierung verwenden können und sie für den Login nicht benötigen. Außerdem können Sie für Ihren PureVPN-Account und das VPN selbst verschiedene Passwörter anlegen. Dass Ihre E-Mail-Adresse also nicht so wesentlich ist, ist der Privatsphäre dienlich - dafür ist die Anmeldung aber etwas komplizierter als bei anderen VPNs.

Der Name des Programms suggeriert die Konzentration aufs Wesentliche, doch der Desktop-Client von PureVPN ist alles andere als konzentriert: Während andere VPNs ihr Startfenster mit kaum mehr als einem "Ein-/Aus-Button" schmücken, stellt PureVPN erst einmal verschiedene Modi zur Verfügung.

Je nachdem, was Sie mit Ihrem VPN anstellen möchten - ob Streaming, Filesharing oder Surfen mit maximaler Sicherheit - verbinden Sie sich von unterschiedlichen Nutzerprofilen aus. Warum für jede dieser Tätigkeiten ein extra-Profil ausgewählt werden muss, erschließt sich uns dabei allerdings nicht so recht: Andere VPNs stellen Server, die sich beispielsweise besonders fürs Streaming eignen, einfach in einer eigenen Liste zusammen und markieren sie entsprechend. PureVPN geht einen anderen Weg, und die Benutzeroberfläche wirkt deshalb etwas unnötig verzweigt.

Das PureVPN Dashboard, von dem aus Sie Ihre VPN-Verbindung herstellen, sieht dabei in jedem Modus gleich aus. Wenn Sie auf das Standort-Feld klicken, das standardmäßig den schnellsten verfügbaren Server zeigt, öffnet sich das Länder-Menü. Hier sind alle verfügbaren Standorte, geordnet nach Ping-Qualität, aufgelistet. Zusätzlich gibt es eine Suchfunktion und die Option, Favoriten zu kennzeichnen. Im übergeordneten Menü können Sie außerdem statt Standorten bestimmte Websites für eine VPN-Verbindung suchen. Möchten Sie beispielsweise gezielt amerikanisches Netflix nutzen, können Sie eine Verbindung zu "Netflix US" herstellen. Die Streaming-Performance von PureVPN war in unseren Tests gut: Netflix und der BBC iPlayer beispielsweise liefen ohne Probleme.

In den "App-Einstellungen" finden Sie die typischen Optionen zu Autostart, Sprache und Wahlwiederholung. Hier können Sie auch das VPN-Protokoll wechseln. In den "erweiterten Einstellungen" warten der Kill-Switch und Multi-Port-Optionen. Hier können Sie sogar die 256-Bit-Verschlüsselung deaktivieren - wobei wir davon jedem Nutzer abraten. Auch Split-Tunneling, das Ihnen erlaubt, nur ausgewählte Apps über die VPN-Verbindung laufen zu lassen, gibt es in der Desktop-Version von PureVPN. Jenes ist bisher allerdings nur als "Beta-Funktion" verfügbar, die Sie nach Belieben ein- und ausschalten können.

Zu den im Paket inbegriffenen Features können Sie sich Extras wie eine feste, Ihnen zugewiesene IP-Adresse für einen Monatspreis dazukaufen.

Mobile App

Die verschiedenen Benutzerprofile kommen auch in der mobilen Version von PureVPN zum Einsatz, wobei die App im Vergleich zum Desktop-Client angenehm entschlackt und praktisch wirkt. Teils liegt dies vielleicht einfach am eleganteren Design: In jedem Benutzerprofil können Sie per Fingerdruck auf den zentralen Button eine automatische VPN-Verbindung herstellen oder im übergeordneten Menü gezielt Server-Standorte auswählen.

Auch die wichtigsten Einstellungen, vom Kill-Switch bis zum Split-Tunneling, finden Sie in der mobilen Version. Als Beta-Tester können Sie - auch am Desktop - noch immer auf die Antivirus-Features Ozone und Gravity zugreifen, die allerdings aufgrund des Nutzer-Feedbacks bald komplett vom Programm entfernt werden sollen.

Gerade der Desktop-Client von PureVPN hat unserer Ansicht nach eine Überarbeitung dringend nötig, und das nicht zuletzt, weil die mobilen Anwendungen zeigen, wie man die gleiche Funktionalität besser verpacken kann. Davon abgesehen lässt sich das VPN aber wenig zu schulden kommen.

Note: 2,0

Server-Netzwerk

Die Server-Infrastruktur von PureVPN beeindruckt: Mit seinen mehr als 2000 Servern an 180 Standorten in mehr als 140 Ländern kann der Service auch mit den großen Namen im VPN-Geschäft mithalten. Bei manchen Servern, besonders an weniger VPN-typischen Standorten wie Niger, handelt es sich um virtuelle Server, die PureVPN allerdings als solche kennzeichnet.

Es ist erfreulich, dass PureVPN auch in Asien und Afrika an vielen Standorten vertreten ist, und nicht so tut, als gäbe es nur Europa und Nordamerika. Das Server-Netzwerk ist exzellent.

Note: 1,3

Performance

Wir testen die Performance der VPNs von einem Server in Frankfurt mit 1 Gbit/s-Anbindung aus. Dabei testen wir mehrmals täglich einen zufälligen PureVPN-Server, um ein ausführliches Bild der Geschwindigkeiten zu zeichnen. Mehr Informationen zur Methodik finden Sie in unserem VPN Speedtest.

Die folgende Tabelle zeigt, absteigend nach Download + Upload-Geschwindigkeiten sortiert, die Ergebnisse der letzten sieben Tage:

Zum Zeitpunkt des Tests erreichte PureVPN mit einem Download von 189,8 Mbit/s und einem Upload von 18,8 Mbit/s einen guten 4. Platz in unserem Ranking. Von der Spitzenposition und den Geschwindigkeiten der besten VPN-Dienste ist PureVPN damit nicht weit entfernt.

Note: 1,3

Sicherheit und Privatsphäre

PureVPN verschlüsselt Verbindungen mit dem AES 256-Bit-Standard, der aktuell maximale Sicherheit garantiert. Das Programm stellt eine Reihe unterschiedlicher VPN-Protokolle zur Auswahl - auf eigene Gefahr der Nutzer auch weniger sichere Standards wie PPTP. Natürlich ist mit OpenVPN aber auch der Gold-Standard unter den Protokollen vertreten. Standardmäßig ist auf Windows dabei IKEv, bei Mac IPSec voreingestellt.

Solange Sie bei den bewährten Protokollen bleiben und die 256-Bit-Verschlüsselung nicht in den Einstellungen abstellen, sollte Ihre Netz-Sicherheit bei PureVPN nicht gefährdet sein. Auch unsere IP, DNS und WebRTC Leak-Tests bestand das Programm ohne Ausnahmen,

Etwas Kopfzerbrechen hingegen bereitet die Datenschutzrichtlinie. 2017 kam PureVPN unter Beschuss von Datenschützern, als sich herausstellte, dass sie zur Aufklärung einen schweren Falls von Cyber-Stalking mit dem FBI kooperierten. Zweifellos war es eine Zusammenarbeit für den guten Zweck, doch wie das FBI dem Stalker, kamen Datenschützer PureVPN auf die Schliche: Die "No Logs"-Versprechen schienen nicht so ganz ehrlich zu sein.

PureVPN verpasste den Datenschutzrichtlinien ein Update und verteidigte sich in einem Blog-Beitrag. Einzig und allein Network-Logs, die keine Auskunft über den Nutzer geben, würden gespeichert. Die FBI-Kooperation hat dennoch viele Datenschützer skeptisch gestimmt.

PureVPN hat seinen Sitz in Hong Kong, wo strenge Datenschutzgesetze gelten.

Note: 3,0

Kundensupport

PureVPN verfügt über ein umfangreiches Support-Zentrum mit verschiedenen Guides und FAQs, die aber oft eher dürftig ausfallen. Bei der deutschen Version handelt es sich zudem leider um eine Google-Übersetzung, was oftmals nicht gerade Klarheit schafft. Hier könnte der Service in echte Übersetzungen investieren, um deutschsprachigen Kunden die Hilfe zu erleichtern.

Ebenfalls nur auf Englisch verfügbar ist der 24-Stunden-Live-Chat. Hier wurde uns jedes Mal bereits nach wenigen Sekunden geholfen. Sie können aber natürlich auch ein Support-Ticket aufmachen und auf E-Mail-Antwort warten, denn gerade komplexere Fragen können die Chat-Mitarbeiter nicht immer zufriedenstellend beantworten. Praktisch ist, dass Sie ein Ticket auch in der App selbst aufmachen können. Die Antwort wird dann an die E-Mail-Adresse Ihres Accounts geschickt. Im Test dauerte dies etwa drei Stunden.

Note: 1,7

Preisgestaltung

PureVPN hält sich im niedrigeren Preissegment der von uns getesteten VPNs auf. Wie gewohnt zahlen Sie dabei umso weniger, je länger Sie einen Vertrag abschließen. Bereits das 1-Jahres-Paket ist bei PureVPN sehr günstig. Eine aktuelle Preisliste können Sie unserer Tabelle entnehmen:

2 Jahre12 Monate1 Monat
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 2.97 € 5.17 € 9.76 €
Vertragslaufzeit (Monate) 24 3 1
Limits
Datenvolumen (GB) unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 5 5 5
Features
Anzahl Server 2000 2000 2000
Anzahl Länder 141 141 141
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
- OpenVPN
- PPTP
- SSTP
- IKEv2
- IPSec
- L2TP
- OpenVPN
- PPTP
- SSTP
- IKEv2
- IPSec
- L2TP
- OpenVPN
- PPTP
- SSTP
- IKEv2
- IPSec
- L2TP

Bei den Zahlungsmöglichkeiten hat der Service nicht gespart. Neben PayPal und Kreditkarte können Sie auch mit AliPay, CoinPayments und sogar unterschiedlichen Gutscheinkarten bezahlen. Hier kommt PureVPN all jenen, die ihren Account schützen möchten, wirklich entgegen.

Fazit

Performance
Note 1,3
Server-Netzwerk
Note 1,3
Kundensupport
Note 1,7
Bedienung und Features
Note 2,0
Sicherheit und Privatsphäre
Note 3,0

Die Datenschutzrichtlinien könnten klarer sein und die No Logs-Behauptungen nehmen wir PureVPN nicht mehr so ganz ab. Mit einer unnötig unaufgeräumten App steht der Service sich und dem Versprechen, das der Name impliziert, zudem ein wenig selbst im Weg. Denn Features, Preis, Server-Infrastruktur und Performance werden einer "puren" VPN-Erfahrung tatsächlich gerecht.

PureVPNPureVPN
 8331
2,97 €
∅ mtl. Effektivpreis
24 Monate Laufzeit
2000+ Server & 300.000+ IPs
141 Länder
31 Tage Geld-zurück-Garantie
Speichert Verbindungsdaten
PureVPN 2 Jahre
5
Geräte
Datenvolumen
6
VPN Protokolle

Ob PureVPN das Vertrauen von Datenschutz-Aktivisten zurückgewinnen kann, ist unklar. Abseits der Ungereimtheiten - und trotz der wenig ansprechenden Desktop-App - macht das Programm allerdings richtig viel richtig.

Kundenbewertungen

In den von uns erfassten Kundenrezensionen erhält PureVPN gute bis sehr gute Noten. Nutzer heben die vielen Features und den guten Kundensupport hervor, kritisiert hingegen werden zum Beispiel das Interface und der Login-Prozess.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 8331 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.8 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

Empfehlung: Testsieger 2019
ExpressVPNExpressVPN
 3511
7,43 €
∅ mtl. Effektivpreis
15 Monate Laufzeit
2000+ Server
148 Städte in 94 Ländern
Speichert keine Logs
30-Tage Geld-zurück-Garantie
ExpressVPN 12 Monate
3
Geräte
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Empfehlung: Preis-Leistungs-Sieger 2019
NordVPNNordVPN
 1112
2,67 €
∅ mtl. Effektivpreis
36 Monate Laufzeit
5000+ Server weltweit
60 Länder
Keine Logs
6 Geräte gleichzeitig
NordVPN 3-Jahres-Paket
6
Geräte
Datenvolumen
4
VPN Protokolle
hide.mehide.me VPN
 68
0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
55+ Standorte in 34+ Ländern
Speichert keine Logs
14-Tage Geld-zurück-Garantie
mit kostenlosem Tarif
hide.me Free
1
Gerät
2 GB
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.