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VPNs im Test: HideMyAss

  Martin Gschwentner   16. Sep. 2019

"Ich habe doch nichts zu verbergen, warum sollte mich die Privatsphäre im Netz etwas angehen?" Mit diesem Argument sehen sich Datenschutz-Aktivisten immer wieder konfrontiert. Tatsache ist jedoch, dass sich gläserne Menschen bereits durch die bloße Androhung eines Beobachters anders verhalten - und Verletzungen unseres Rechts auf Privatsphäre nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfen. Auch dann nicht, wenn man "nichts zu verbergen" hat.

HideMyAss - zu deutsch salopp "Versteck mein Hinterteil" - stellt sich dem Totschlag-Argument selbstsicher entgegen: Es ist OK, Dinge verbergen zu wollen. Argwohn scheint der VPN-Anbieter mit dem provokativen Namen und seinem Logo gar bewusst schüren zu wollen. Ob auch das Produkt selbst diese Selbstsicherheit rechtfertigt, verrät unser Test.

Was ist HideMyAss?

HideMyAss, kurz HMA, ist ein 2005 gegründeter VPN-Service mit Sitz im Vereinigten Königreich. Seit 2016 gehört er zu Avast, dem tschechischen Unternehmen für Sicherheitssoftware. In deren Portfolio wirkt das Programm gut aufgehoben: HMA hilft seinen Nutzern mit einem riesigen Server-Netz dabei, online ihre Privatsphäre zu hüten und sichere Verbindungen herzustellen.

Testbericht

Performance
Note 1,0
Server-Netzwerk
Note 1,0
Kundensupport
Note 1,7
Bedienung und Features
Note 2,0
Sicherheit und Privatsphäre
Note 4,0

Pro & Contra

benutzerfreundliche Anwendungen

exzellente Geschwindigkeiten

riesige Server-Infrastruktur auch in vernachlässigten Regionen

IP-Zufallsauswahl

gut für Streaming

Daten-Logs und grobe Schnitzer bei der Privatsphäre

keine Angaben zu Server-Auslastungen

am Desktop kein Split Tunneling

Bedienung und Features

Sobald Sie eine HMA-Lizenz erworben haben, können Sie die Desktop-Clients auf zwei verschiedenen Wegen mit Ihrem Konto verknüpfen. Entweder Sie loggen sich ganz einfach mit Ihren Anmeldedaten ein, oder Sie geben den Aktivierungs-Code ein, den Sie nach dem Kauf erhalten haben. Diesen Schritt müssen Sie nur einmal durchführen: Ist Ihr Konto erst verknüpft, bleiben Sie automatisch eingeloggt.

Anwendungen gibt es für Windows, Mac, Android, iOS und Linux. Mit einem HMA-Abo können Sie bis zu fünf Geräte registrieren und gleichzeitig verwenden - eine im Vergleich mit anderen Anbietern durchschnittliche Anzahl.

Im eleganten Desktop-Client von HMA können Sie per Mausklick zwischen drei Verbindungs-Modi wechslen. Im Sofortmodus stellen Sie automatisch eine Verbindung zum nächstbesten Server her, während Sie im Freiheitsmodus automatisch eine Verbindung zum nächstbesten Server mit der wenigsten Zensur herstellen. Letzterer ist vor allem an Nutzer gerichtet, die in Ländern mit repressiven Regimes leben oder dorthin verreisen - ein netter Bonus.

Dritter im Bunde ist der Standortmodus, in dem Sie gezielte Serverstandorte auswählen können. Neben den Listen empfohlener Länder und zuletzt genutzter Server gibt es natürlich auch eine Suchfunktion und ein Drodown-Menü mit verschiedenen Server-Kategorien. Zusätzlich zur kompletten Liste aller verfügbarer Länder, auf deren beeindruckenden Umfang wir später noch eingehen werden, können Sie sich auch Server anzeigen lassen, die sich besonders gut für P2P-Verbindungen und Video-Streaming eignen. Die Länder in der Gesamtliste können Sie noch einmal ausklappen, um die genauen Server-Standorte zu offenbaren. Eine weitere Liste wird für Ihre Favoriten angelegt, die Sie mit dem Klick auf das Herz neben dem Server-Standort festlegen können.

Leider zeigen die Server-Listen keine Auslastungen an, was dazu führen könnte, dass Sie bei einer Direktauswahl auf schlechte Up- und Downloadraten und hohe Pings stoßen.

Zu den Einstellungen gelangen Sie über das Hamburger-Menü oben links. Am besten gefällt uns hier das Feature der IP-Zufallsauswahl: Sie können ein Intervall für das automatische Wechseln Ihrer IP-Adresse festlegen, um die Verfolgung Ihres Standortes noch schwieriger zu machen. Eine praktische Funktion für zusätzliche Sicherheit, die leider noch nicht zum Standard geworden ist. Darüber hinaus gibt es die typischen Einstellungen zum Autostart und natürlich auch einen Kill Switch. Jener lässt Sie bei HMA in der Windows-Version gezielt Apps auswählen, die Sie vom Netz trennen möchten, wenn der Kill Switch einspringt. Bei Mac hingegen funktioniert die Funktion (bisher) standardmäßig, also ohne die App-Auswahl. Warum letztere Option - also ein Kill Switch fürs gesamte System - nicht auch einen Weg in die Windows-Version geschafft hat, ist fraglich.

Die VPN-Protokolle können Sie in den Apps allerdings nicht wechseln: Jene sind in den neuesten Versionen der Anwendungen festgelegt und können nur manuell oder mit dem Wechsel zu einer älteren HMA-Version geändert werden. Auch eine Split Tunneling-Option suchen wir leider vergeblich.

Streaming klappte mit den entsprechenden Servern in den USA und im Vereinigten Königreich im Test mit Netflix und dem BBC iPlayer ohne Probleme.

Mobile App

In der Smartphone-App von HideMyAss fühlt man sich, wenn man vom Desktop kommt, wie Zuhause. Die Benutzeroberfläche gleicht nämlich 1 zu 1 jener des Desktop-Client. Auch hier können Sie zwischen den drei Modi hin und herwechseln und die Server-Liste alphabetisch durchsuchen. Die P2P-Kategorie fehlt hier, aber Streaming-Server und Favoriten gibt es auch mobil. Ihre am Desktop ausgewählten Favoriten übertragen sich allerdings nicht auf die mobile Version.

Die Einstellungen sind wie von mobilen Versionen gewohnt etwas beschnitten im Vergleich zu den Desktop-Geschwistern. Dafür gibt es hier wiederum ein Feature, das man auf Windows und Mac leider vermisst: Split Tunneling. Damit können Sie einstellen, dass nur bestimmte Apps die VPN-Verbindung nutzen sollen.

Die benutzerfreundlichen HMA-Anwendungen haben wenig Wow-Faktor, aber auch keine eklatanten Feature-Lücken. Split-Tunneling und etwas ausführlichere Protokoll-Optionen wären aber wünschenswert, und auch Angaben zu den Server-Auslastungen würden die individuelle Standort-Auswahl einfacher machen. Insgesamt liefert HMA dennoch ein gutes Gesamtpaket.

Note: 2,0

Server-Netzwerk

Die Features von HMA wollten uns kein "Wow" entlocken. Diese Reaktion heben wir uns stattdessen für die beeindruckende Server-Infrastruktur des Anbieters auf. In dieser Hinsicht zwingt HideMyAss die Konkurrenz in die Knie: Mit mehr als 940 VPN-Servern an mehr als 280 Standorten in über 190 Ländern ist der Service weit entfernt von den Flickenteppichen, die andere VPNs als "weitreichende" Netzwerke verkaufen. HMA ist fast in jedem Winkel der Welt vertreten, auch wenn es sich bei einem Teil der Standorte um "virtuelle" Server handelt. Jene sind allerdings als solche gekennzeichnet.

Auch Regionen, die traditionell im VPN-Markt stiefmütterlich behandelt werden, wie Mittel- und Südamerika, Afrika oder Asien, sind bei HMA repräsentiert.

Wertet man die reine Server-Zahl, ist HMA einigen Top-Anbietern unterlegen, doch die hohe Standort-Dichte und die einzigartige Abdeckung des gesamten Planeten macht diese Schwäche mehr als wett.

Note: 1,0

Performance

Wir testen die Performance der VPNs von einem Server in Frankfurt mit 1 Gbit/s-Anbindung aus. Dabei verbinden wir uns mehrmals täglich mit einem zufällig ausgewählten HMA-Server, um ein repräsentatives Bild der Geschwindigkeiten zu zeichnen. Mehr Informationen zur Methodik finden Sie in unserem VPN Speedtest.

Die folgende Tabelle zeigt, absteigend nach Download + Upload-Geschwindigkeiten sortiert, die Ergebnisse der letzten sieben Tage:

Zum Zeitpunkt des Tests erreichte HideMyAss mit einem Download von 197,7 Mbit/s und einem Upload von 18,0 Mbit/s das Silbertreppchen in unserem Speed-Ranking. Die Performance war exzellent!

Note: 1,0

Sicherheit und Privatsphäre

Die meisten VPN-Anbieter rühmen sich mit dem Versprechen, keine Logs ihrer Benutzer aufzuzeichnen. Oft muss man sich dabei auf das Wort der Firmen verlassen, und das Vertrauen in VPN-Dienste wird regelmäßig von Skandalen auf die Probe gestellt. HideMyAss kann das "Keine Logs"-Versprechen nicht brechen, denn: HMA macht dieses Versprechen erst gar nicht.

In der Datenschutzerklärung listet der Anbieter auf, welche Kundeninformationen zu welchem Zweck gespeichert werden.

Beispielsweise speichert das Programm Zeitstempel Ihrer Verbindung und Informationen zu Ihrer IP-Adresse und der IP-Adresse Ihrer VPN-Verbindung. Die Session-Logs könnten Datenschutz-Aktivisten nervös machen, und HMA speichert weitaus mehr Informationen, die Accounts an IP-Adressen und Orte binden, als vielen VPN-Kennern lieb ist.

Dazu kommt, dass HMA seinen Sitz im Vereinigten Königreich hat, das immer wieder mit menschenrechtswidrigen Überwachungspraktiken auffällt, und als Teil des sogenannten 5-Augen-Abkommens mit anderen, massenüberwachenden Regierungen kooperiert. Schlimmstenfalls könnte HMA also gespeicherte Daten, die Aufschluss über Ihre Person und Ihr Verhalten im Netz geben, an Gerichte im Vereinigten Königreich weitergeben, die sie wiederum mit anderen, aggressiven Regierungen teilen.

Für die meisten Nutzer ist diese Angst vermutlich übertrieben, und VPNs sollen auch nicht als Deckmantel für illegale Aktivitäten gepriesen werden, doch bei der Privatsphäre geht es immer auch ein bisschen ums Prinzip. Und hier versagt HMA leider auf ganzer Ebene.

Im Bereich Sicherheit ist HMA hingegen wieder gleichauf mit anderen VPN-Anbietern. IP- oder DNS-Leaks gab es in unseren Tests beispielsweise nicht. Wer nicht manuell wechseln möchte, ist an die vorgegebenen Protokolle gebunden - OpenVPN bei Windows, IPSec bei Mac. Verschlüsselt wird mit AES 256-bit, dem Industrie-Standard.

Zudem gibt es ein paar nette Sicherheits-Features wie den Freiheitsmodus, die IP-Zufallsauswahl oder den Kill Switch für Apps.

Das Vertrauen, das HMA mit seinen Datenschutzrichtlinien verliert, können auch solide Sicherheits-Features nicht wieder einholen.

Note: 4,0

Kundensupport

Weil es bei VPN-Schwierigkeiten oft schnell gehen muss, wünschen wir uns von jedem Anbieter eine Live-Chat-Option im Support - am besten 24 Stunden am Tag. Rund um die Uhr wird einem bei HMA noch nicht geholfen, aber von 9 bis 23 Uhr kann man sich auf die Mitarbeiter im Live-Chat verlassen. Dort gebe es laut Auskunft auch deutschsprachige Helfer, doch die Standard-Sprache im Support ist Englisch (mit eingebundener Google Translate-Option). Für weniger dringliche Probleme gibt es natürlich auch ein Kontaktformular.

Wenn Sie Ihre Probleme lieber selbst lösen, finden Sie im soliden Support-Bereich auch Anleitungen und FAQs, sowie ein Forum.

Note: 1,7

Preisgestaltung

HMA gibt es in vier verschiedenen Preispaketen, die wie vom VPN-Preismodell gewohnt günstiger werden, je länger man an Bord bleibt. Preislich befindet sich der Service im mittleren Segment. Der Tabelle können Sie die aktuellen Preise entnehmen:

24 Monate12 Monate1 MonatBusiness 10 (12 Monate)
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 3.99 € 5.99 € 10.99 € 10.75 €
Vertragslaufzeit (Monate) 24 12 1 12
Limits
Datenvolumen (GB) unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 5 5 5 10
Features
Anzahl Server 890 890 890 890
Anzahl Länder 190 190 190 190
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
- OpenVPN
- OpenVPN
- OpenVPN
- OpenVPN

Bezahlen können Sie Ihr HMA-Abo mit Kreditkarten und PayPal. Eine Abwicklung mit BitCoin ist nicht möglich.

Fazit

Performance
Note 1,0
Server-Netzwerk
Note 1,0
Kundensupport
Note 1,7
Bedienung und Features
Note 2,0
Sicherheit und Privatsphäre
Note 4,0

HideMyAss beeindruckt in mancherlei Hinsicht: Die Server-Infrastruktur sucht ihresgleichen, und die globale Abdeckung zeigt, dass die klaffende Leere, die man von anderen VPNs in gewissen Regionen gewohnt ist, keine Selbstverständlichkeit ist. Auch mit Features wie dem automatischen IP-Wechsel geht HMA mit gutem Beispiel voran.

HideMyAss!HideMyAss! VPN
 2470
3,99 €
∅ mtl. Effektivpreis
24 Monate Laufzeit
890 Server
280 Standorte in 190 Ländern
7 Tage Testversion
Speichert Logs
HideMyAss! 24 Monate
5
Geräte
Datenvolumen
1
VPN Protokoll

Die exzellente Performance steht leider etwas im Schatten der eklatanten Schnitzer, die sich das Unternehmen im Datenschutz erlaubt: Hier wird weitaus mehr protokolliert, als notwendig. Möchte man von den technischen Stärken des VPNs profitieren, muss man darüber also hinwegsehen können.

Kundenbewertungen

HMA erhält befriedigende bis gute Bewertungen auf den von uns erfassten Review-Kanälen. Besonders oft wird der Preis kritisiert, wobei die meisten Nutzer mit der Performance sehr zufrieden sind.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 2470 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 3.6 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

Empfehlung: Testsieger 2019
ExpressVPNExpressVPN
 3511
7,43 €
∅ mtl. Effektivpreis
15 Monate Laufzeit
2000+ Server
148 Städte in 94 Ländern
Speichert keine Logs
30-Tage Geld-zurück-Garantie
ExpressVPN 12 Monate
3
Geräte
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Empfehlung: Preis-Leistungs-Sieger 2019
NordVPNNordVPN
 1112
2,67 €
∅ mtl. Effektivpreis
36 Monate Laufzeit
5000+ Server weltweit
60 Länder
Keine Logs
6 Geräte gleichzeitig
NordVPN 3-Jahres-Paket
6
Geräte
Datenvolumen
4
VPN Protokolle
hide.mehide.me VPN
 68
0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
55+ Standorte in 34+ Ländern
Speichert keine Logs
14-Tage Geld-zurück-Garantie
mit kostenlosem Tarif
hide.me Free
1
Gerät
2 GB
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.