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VPNs im Test: TunnelBear

  Martin Gschwentner   4. Nov. 2019

Geister, Schlangen, Haie, Roboter: Im Kampf der besten VPN-Maskottchen liegt Tunnelbear mit seinem liebenswert-absurden Grizzly, der Super Mario-artige Tunnel durch die Erde gräbt und VPN-Nutzern so den Zugang zu internationalen Servern freibuddelt, schon einmal weit vorn. Ob der Dienst aber auch in der Substanz überzeugt oder seinen Nutzern einen Bären aufbinden möchte, erklärt unser Test.

Was ist TunnelBear?

TunnelBear ist ein VPN-Service aus Kanada, der seit 2018 zum US-amerikanischen Cybersecurity-Giganten McAfee gehört. Anwendungen gibt es für Windows, Mac, Android und iOS, Browser-Erweiterungen für Chrome, Firefox und Opera. Für Chrome gibt es zudem das Adblock-Tool "Blocker".

Testbericht

Sicherheit und Privatsphäre
Note 1,7
Kundensupport
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,3
Performance
Note 2,7
Server-Netzwerk
Note 4,0

Pro & Contra

solide App mit den wichtigsten VPN-Features

freundlicher und charmanter Kundensupport

günstiger Preis

Split-Tunneling nur auf den mobilen Apps

kleines Server-Netzwerk

vergleichsweise langsame Performance

Bedienung und Features

TunnelBear hat alle seine Versionen übersichtlich auf der Website aufgelistet, und in wenigen Minuten waren Desktop-Programm, Browser-Erweiterung und die mobile App installiert und eingerichtet. Entgegen des Trends zu Minimalismus, der VPN-Clients immer weniger invasiv daherkommen lässt, öffnet sich Tunnebear zunächst in einem bunten, bildschirmdeckenden Fenster. Die Weltkarte kann jedoch eingeklappt werden, was die Anwendung allerdings beinahe zu sehr im Hintergrund verschwinden lässt.

Ein Mittelweg zwischen dem verspielten Weltkarten-Design, auf dem der namensgebende Bär sein Unwesen treibt und die Server-Standorte mit Tunneln gekennzeichnet werden, und dem Mini-Fenster, das nur für den Ein-Aus-Button und die Server-Liste Platz hat, wäre vielleicht besser gewesen, doch das Design ist natürlich immer Geschmackssache.

Sie können entweder einen Server-Standort aus der Dropdown-Liste auswählen, oder auf einen der gelb markierten Tunnel auf der Weltkarte klicken, damit sich der Bär ans Buddeln macht und Ihre sichere VPN-Verbindung hergestellt wird. Der TunnelBear buddelt leider blind, denn Angaben zur Server-Performance gibt es vorweg nicht. Wenn Sie in der Server-Liste die Option "Auto" auswählen, werden Sie mit dem schnellsten Server verbunden.

In den Einstellungen gibt es ein paar wenige Optionen, um die Funktionsweise der App Ihren Wünschen anzupassen. Der Kill Switch trägt hier den Namen "VigilantBear", die "GhostBear"-Funktion hilft dabei, restriktive Internet-Regelungen zu umgehen. Sie können einstellen, dass TunnelBear beim Systemstart automatisch ausgeführt werden soll, dies gilt jedoch nur für das Programm an sich - nicht die VPN-Verbindung. Dafür können Sie "vertrauenswürdige Verbindungen" einrichten, und einstellen, dass sich TunnelBear immer dann automatisch verbinden soll, wenn Sie sich in einem Netzwerk befinden, das dort nicht aufgelistet ist.

Das VPN-Protokoll wechseln können Sie leider nicht, und auch wenn die Voreinstellung mit OpenVPN und IKEv2 ohnehin die besten Optionen abdeckt, wünschen sich manche Nutzer vielleicht die Möglichkeit, zu wechseln.

Die Browser-Erweiterung ist eine aufs Nötigste reduzierte Begleit-Version zur Desktop-App, die nur aus dem Ein/Aus-Schalter und der Server-Liste besteht. Das Quick-Connect Feature gibt es hier aus unerklärlichen Gründen leider nicht.

An den Schranken der Streaming-Dienste konnte uns der Bärentunnel leider auch nicht vorbeibringen: Weder Netflix, noch den BBC iPlayer konnten wir in die Irre führen.

Mobile App

Auf dem Smartphone, wo Gamifizierung gang und gäbe ist, gefällt uns das spielerische Bären-Design schon etwas besser. Auch hier können Sie den Grizzly durch Tippen auf die Weltkarte losbuddeln lassen oder eine automatische Verbindung herstellen. Auch hier sind die Einstellungen nicht gerade zahlreich, dafür aber um eine praktische Split Tunneling-Option erweitert. Auch mit "GhostBear" und "VigilantBear" gibt es ein Wiedersehen.

Die meisten wesentlichen Features deckt TunnelBear ab und grobe Schnitzer erlaubt sich das Programm nicht. Split Tunneling wäre auch in der Desktop-Version schön, doch leider hat sich die Funktion auf dem VPN-Markt noch nicht so richtig durchgesetzt. Das verspielte Design ist Geschmackssache - wir bevorzugen abseits des Smartphones etwas schlichtere Oberflächen. Angaben zur Geschwindigkeit der Server wären ebenfalls nützlich. Mehr als das Nötigste macht TunnelBear also nicht - das aber so charmant, dass man dem niedlichen Grizzly nicht wirklich böse sein kann.

Note: 2,3

Server-Netzwerk

Der TunnelBear kann sich bisher in 22 Länder buddeln. Weil er dabei - wie bereits erwähnt - blind vorgeht, können Sie allerdings keine genauen Server-Standorte auswählen. Bei anderen VPN-Diensten sehen Sie oft, in welchen Städten sich die Server befinden, und können zwischen verschiedenen Servern im gleichen Land wechseln.

Das Netzwerk selbst ist recht bescheiden und außerhalb von Europa und Nordamerika sind nur vereinzelt Standorte zu finden. Afrika wird bisher komplett ignoriert.

Im Vergleich zu anderen VPNs, die teils Tausende Server in Ländern rund um den Globus zur Verfügung stellen, ist TunnelBear in Bezug auf die Größe und Dichte seines Netzwerkes also weit abgeschlagen.

Note: 4,0

Performance

Die Geschwindigkeit von VPNs testen wir bei Experte.de von einem Server in Frankfurt mit 1 Gbit/s-Anbindung aus. Um ein repräsentatives Ergebnis zu gewährleisten, verbinden wir uns mehrmals täglich mit einem zufälligen VyprVPN-Server. Zusätzliche Informationen zur Methodik finden Sie in unserem VPN Speedtest.

Die folgende Tabelle zeigt, absteigend nach Download + Upload-Geschwindigkeiten sortiert, die Ergebnisse der letzten 30 Tage zum Zeitpunkt des Tests:

In unserem Speedtest erreicht TunnelBear leider nur den 11. Platz. Im direkten Vergleich zu den schnellsten VPNs ist das Endergebnis somit nur "befriedigend".

Note: 2,7

Sicherheit und Privatsphäre

Bei den VPN-Protokollen lässt TunnelBear seinen Nutzern wie bereits erwähnt keine Wahl. Auf Mac und Android ist OpenVPN voreingestellt, das als Goldstandard unter den Protokollen bekannt ist. Auf Windows und iOS streiten sich OpenVPN und IKEv2 bei jeder Verbindung um die Gunst - je nachdem, wer schneller ist. Ihre Daten werden in jedem Fall mit dem AES 256-bit Standard verschlüsselt.

Die üblichen DNS- und IP-Leak-Tests bestand TunnelBear ausnahmslos.

2018 ließ TunnelBear zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte einen unabhängigen Sicherheits-Report anfertigen, um seine "No Logs"-Versprechen auf den Prüfstand zu stellen. Cure53 stellte dabei insgesamt 22 "Probleme" fest, von denen zwei als kritisch eingestuft wurden, bezeichnet TunnelBear insgesamt aber als "ziemlich sicher" und hält fest, dass alle im vorherigen Audit ans Licht gebrachten Sicherheitslücken vom Team behoben wurden.

TunnelBear gesellt sich damit zur erlesenen Riege der VPN-Dienste, die ihre Versprechen mit glaubwürdigen Belegen untermauern. Als nachteilig müssen wir allerdings den Unternehmenssitz in Kanada erwähnen, das Teil der 5-Augen-Allianz ist und Überwachungsdaten mit anderen Ländern teilt. Andere VPN-Dienste sitzen in Ländern, die wesentlich weniger Ballast mit sich bringen, was die Privatsphäre seiner Nutzer anbelangt.

Note: 1,7

Kundensupport

TunnelBear hat ein übersichtliches Hilfe-Center mit vielen FAQs und Anleitungen. Für direkte Hilfe gibt es nur den Weg über ein Support-Ticket, einen Live-Chat bietet der Dienst leider nicht. Dafür punktet TunnelBear mit freundlichen Antworten, die wirklich eine persönliche Note haben. Man fühlt sich als Kunde gehört.

Der aufmerksame Erklärbär meldete sich rund zehn Stunden nach unserer Anfrage mit ausführlichen Antworten zu jeder unserer Fragen - eine Prise Wortwitz inklusive.

Ein Live-Chat Feature wäre wünschenswert und bisher ist der Support leider nur auf Englisch zu erreichen. Dafür gewinnt TunnelBear den Experte.de-Award für den sympathischsten Kundenservice.

Note: 2,0

Preisgestaltung

TunnelBear gehört zur Gattung der Freemium-VPNs. Sie können den Dienst also kostenlos nutzen, werden dabei in der Datennutzung aber auf 500 MB pro Monat eingeschränkt. Für unbegrenzte Datennutzung und die Anbindung von bis zu fünf Geräten benötigen Sie ein Abonnement, das im Monats- oder Jahrestarif zu buchen ist. Gerade im Jahrespreis zählt TunnelBear zu den günstigsten VPN-Diensten auf dem Markt. Eine aktuelle Preisliste finden Sie hier:

Free2 Year1 Year1 Month
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 0.00 € 3.72 € 4.46 € 8.92 €
Vertragslaufzeit (Monate) 0 24 12 1
Limits
Datenvolumen 0.5 GB unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 1 5 5 5
Features
Anzahl Server - - - -
Anzahl Länder 22 22 22 22
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
OpenVPN
IKEv2
OpenVPN
IKEv2
OpenVPN
IKEv2
OpenVPN
IKEv2

Für Unternehmen gibt es TunnelBear for Teams, bei dem Sie pro Nutzer bezahlen.

Fazit

Sicherheit und Privatsphäre
Note 1,7
Kundensupport
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,3
Performance
Note 2,7
Server-Netzwerk
Note 4,0

Wer keine Wortspiele mag, sollte einen großen Bogen um TunnelBear machen: Der wohl verspielteste VPN-Dienst buhlt an jeder Ecke charmant mit viel Wortwitz um Ihre Gunst und versucht, Sie mit Humor und Leichtigkeit um den Finger zu wickeln. Bis zu einem gewissen Grad klappt das auch: Die Anwendungen wissen zu gefallen, die wichtigsten Features sind abgedeckt, es gibt eine Gratis-Version und die Sicherheit des Dienstes ist von externer Seite bestätigt.

TunnelBearTunnelBear VPN
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0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
Server in 22 Ländern
Bietet kostenlosen Tarif
Unabhängiger Security-Audit
Unternehmenssitz Kanada
TunnelBear Free + 3 weitere Tarife
1
Gerät
0.5 GB
Datenvolumen
2
VPN Protokolle

In Fabeln gelten Bären oft als gutmütig, aber etwas tollpatschig und behäbig - und diese Behäbigkeit plagt auch TunnelBear. Im Vergleich zu anderen, von uns getesteten VPN-Diensten hinkt das Programm bei der reinen Leistung etwas hinterher, und das Server-Netzwerk ist bisher kaum der Rede wert. Weil Speed und Server-Netzwerk wesentliche VPN-Kriterien sind, kann auch der beste Wortwitz dieses Manko nicht ausgleichen. Der freundliche Bär muss sich also etwas ins Zeug legen, um das Licht am Ende des Tunnels freizubuddeln.

Kundenbewertungen

In den von uns erfassten Bewertungen kommt TunnelBear insgesamt auf eine "gute" Note. Viele User loben den kleinen Preis und die Benutzerfreundlichkeit der Anwendungen. Manche Nutzer beschreiben jedoch Verbindungsprobleme.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 200730 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.3 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

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14-Tage Geld-zurück-Garantie
mit kostenlosem Tarif
hide.me Free + 4 weitere Tarife
1
Gerät
2 GB
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.