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VPNs im Test: Hotspot Shield

  Martin Gschwentner   16. Sep. 2019

Ob Panama oder die Britischen Jungferninseln: Viele VPN-Dienste haben ihren Sitz an ungewöhnlichen Standorten, die Schutz vor amerikanischer oder europäischer Justiz bieten. Manchmal wird an diesen Standorten kaum mehr als ein Briefkasten zu finden sein. Wie viel Schutz ein Briefkasten doch bieten kann! Der Hotspot Shield-Briefkasten hingegen steht an einem etwas offensichtlicheren Ort: Silicon Valley, dem kalifornischen Tech-Mekka und Epizentrum für Innovation und Forschung. Ob der Sitz am Puls des Überwachungskapitalismus Sorge bereiten sollte, oder Ihre Verbindung mit Hotspot Shield in sicheren Händen ist, verrät unser Test.

Was ist Hotspot Shield?

Hotspot Shield ist ein US-basiertes VPN aus dem Hause AnchorFree. 2008 kamen die ersten Desktop-Anwendungen für Windows und Mac auf den Markt, wenige Jahre später wurde das Angebot um iOS- und Android-Apps sowie eine Browser-Erweiterung für Google Chrome ergänzt. Heute zählt der Service zu den bekanntesten und meistgenutzten VPNs.

Testbericht

Performance
Note 1,7
Server-Netzwerk
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,3
Kundensupport
Note 2,7
Sicherheit und Privatsphäre
Note 4,0

Pro & Contra

benutzerfreundliche Anwendungen

gute Performance

fehlende Basis-Funktionen (Quick Connect, Split Tunneling)

Bedienung und Features

Wenn Sie den Hotspot Shield-Client Ihrer Wahl installiert haben, müssen Sie sich nur noch mit den Anmeldedaten Ihres Premium-Accounts einloggen, und schön können Sie loslegen. Vom Download bis zur ersten Verbindung verging im Test weniger als eine Minute. Mit einem Premium-Account können Sie fünf Geräte versorgen und fünf gleichzeitige Verbindungen tätigen.

Der Desktop-Client von Hotspot Shield ist simpel aber elegant, und hält auf den ersten Blick nicht mehr bereit, als einen großen Ein-/Aus-Button. Per Mausklick stellen Sie eine sichere VPN-Verbindung her - allerdings nicht zu schnellsten verfügbaren Server, sondern zur aktuellen Auswahl. Die Auswahl der Server finden Sie hinter dem kleinen Globus in der Bildschirmecke rechts oben in alphabetischer Reihenfolge (wobei die USA und das Vereinigte Königreich eine Extra-Position an der Spitze einnehmen).

Sobald Sie mit einem VPN-Server verbunden sind, sehen Sie eine kleine Weltkarte mit dem Server-Standort, Ihre VPN-IP und Infos zu Up- und Download-Geschwindigkeiten.

In mancher Hinsicht setzt der Desktop-Client zu sehr auf Einfachheit, in anderer Hinsicht nicht genug: Warum es kein Quick Connect-Feature für eine noch unkompliziertere Verbindung gibt, ist fraglich - und der Server-Liste wiederum würden etwas mehr Optionen gut zu Gesicht stehen. Favoriten etwa gibt es nicht, und weil die Liste keinerlei Informationen zur Auslastung der Server gibt, müssen Sie sich blind verbinden. Auch Kategorien, etwa zu P2P- oder Streaming-Servern, hat Hotspot Shield nicht zu bieten.

In den Einstellungen finden Sie VPN-typische Funktionen wie den Kill Switch und IP-Leak-Schutz. Außerdem können Sie festlegen, ob sich Hotspot Shield bei bestimmten Netzwerk-Typen - unischeren Hotspots etwa - automatisch anschalten soll.

Hotspot Shield erfüllt die Mindestanforderungen, versucht jedoch erst gar nicht, mit Features zu begeistern. Besonders eklatant ist das Fehlen einer Split Tunneling-Funktion, mit der Sie die VPN-Verbindung für bestimmte Anwendungen einstellen können. Auch das VPN-Protokoll können Sie nicht wechseln, weil Hotspot Shield statt Open Source-Lösungen mit einem proprietären Standard arbeitet - dazu später mehr.

Mobile App

Die mobile Version von Hotspot Shield ist der Desktop-Anwendung nahezu identisch, mit der einen oder anderen Ausnahme. Sofort fällt auf, dass es hier sehr wohl ein "Quick Connect"-Feature gibt, in der Form des Verbindungsmodus "Optimal". Der Server-Standort wird dabei allerdings nicht angezeigt. Ansonsten können Sie wie am Desktop das Server-Land auch per Hand auswählen.

In den Optionen finden Sie auch hier die Möglichkeit, das VPN bei bestimmten Netzwerk-Typen automatisch einzuschalten. Einen Kill Switch gibt es nicht, wobei die Funktion bei modernen Android-Geräten ohnehin integriert ist.

Außerdem hat die mobile Version ein paar Extra-Features: Wenn Sie mit einem VPN verbunden sind, können Sie etwa einen Batteriesparmodus aktiveren, Infos zum Datenverbrauch einsehen oder Ihr Mobiltelefon von überflüssigen Daten reinigen. Wie letztere Funktion ins Hotspot Shield-Portfolio passt, ist uns nicht ganz klar, aber vielleicht macht ja der eine oder andere Nutzer Gebrauch davon.

Simplizität hat bei Hotspot Shield Priorität. Weil viele VPNs ihre Clients immer mehr mit Extra-Features "zumüllen", die die Bedienung für reguläre Nutzer komplizierter machen, ist dieses Besinnen auf die Grundkompetenzen lobenswert. Manche Funktionen, vom Quick Connect bis zu Split Tunneling, fehlen aber einfach und etwas mehr Server-Informationen würden der Einfachheit keinen Abbruch tun.

Note: 2,3

Server-Netzwerk

Hotspot Shield ist mit insgesamt 3200 Servern in über 70 Ländern vertreten. Im Vergleich zu anderen VPN-Diensten, besonders den Top-Vertretern wie NordVPN oder ExpressVPN, ist der Service damit gut aufgestellt, aber im Vergleich zu den beeindruckenden Zahlen mancher Konkurrenten nicht ganz an der Spitze.

Die meisten Server befinden sich in Europa und Nordamerika, wobei Sie nur in den USA im Drop Down-Menü den Server-Standort via Städteliste präzisieren können. Auch in Asien und dem Rest Amerikas ist Hotspot Shield solide vertreten, nur Afrika bildet wie so oft das Schlusslicht. In dieser Hinsicht machen allerdings wenige VPNs eine bessere Figur, und insgesamt ist die Server-Abdeckung von Hotspot Shield gut.

Note: 2,0

Performance

Wir konnten Hotspot Shield leider nicht in unser Standard-Testschema integrieren, weil der Anbieter keine OpenVPN-Server bereitstellt. Deshalb haben wir der Performance mit einem manuellen Test auf den Zahn gefühlt: Kamen wir ohne VPN im Download noch auf 45 Mbit/s und im Upload auf 11 Mbit/s, waren es mit VPN noch respektive 39 Mbit/s und 10 Mbit/s.

Damit nutzt Hotspot Shield 87,5% der bestehenden Bandbreite - eine wirklich solide Leistung.

Note: 1,7

Sicherheit und Privatsphäre

Weil Hotspot Shield auf sein eigenes, proprietäres Protokoll setzt, ist man als Nutzer bei den Versprechen von Sicherheit und Anonymität noch mehr als gewöhnlich auf die Ehrlichkeit des Unternehmens angewiesen. Wenn es um Datenschutz geht, müsste man allerdings sehr naiv sein, sein Vertrauen ohne Zweifel in Silicon Valley-Techfirmen zu stecken. Auf der deutschen Website schreibt Hotspot Shield zur Verschlüsselung:

"Bei Hotspot Shield kommen branchenführende Sicherheitslösungen sowie die 256-Bit-AES-Verschlüsselung zum Einsatz, um sicherzustellen, dass Ihre Daten geschützt sind und Sie auch bei öffentlichen WLAN-Hotspots nicht beobachtet oder verfolgt werden können."

Etwas konkreter formulieren es die englischen FAQs: "Wenn Sie Hotspot Shield einschalten, wird all der Datenverkehr zwischen ihrem Gerät und unseren Servern via TLS 1.2 mit Perfect Forward Secrecy (ECDHE), 128-bit AES-Datenverschlüsselung verschlüsselt."

Auf dem Papier klingt die Verschlüsselung damit wasserdicht, doch weil das Protokoll "Catapult Hydra" eben keine Open Source-Lösung ist, schweben um die genaue Funktionsweise der Verschlüsselung weiterhin Fragezeichen. Auch die Tech- und Datenschutz-Spezialisten von Websites wie ProPrivacy bleiben den Versprechen des Unternehmens gegenüber daher skeptisch.

Skepsis macht sich auch bei den Protokollierungen des Anbieters breit.

Hotspot Shield verspricht, Surfaktivitäten seiner Nutzer nicht zu protokollieren. Beim Blick in die Datenschutzrichtlinien zeigt sich aber, dass manche Logs doch aufgezeichnet werden: Beim Start der App etwa, selbst ohne VPN-Verbindung, trägt die Anwendung Infos über das Betriebssystem, die verwendete Hardware und das Netzwerk zusammen. Wenn Sie sich mit einem VPN-Server verbinden, wird Ihre IP-Adresse registriert, die allerdings sofort verschlüsselt und nur während der VPN-Sitzung gespeichert, danach sofort gelöscht wird. Keine Logs, so Hotspot Shield, geben Aufschluss über Sie, Ihren Account oder Ihr Surfverhalten. Dennoch sind die Protokolle etwas invasiver als nötig - und invasiver als bei vergleichbaren VPN-Diensten.

In unseren IP-, DNS- und WebRTC-Leak-Tests gab es keine Probleme.

Note: 4,0

Kundensupport

Die Hotspot Shield-Anwendung verfügt über ein integriertes Hilfezentrum, das bisher allerdings nur auf Englisch zur Verfügung steht. Schön ist, dass Sie direkten Kontakt auch ganz einfach über die App erreichen können - theoretisch jedenfalls. Während die Weiterleitung zum E-Mail-Support via Ticket-System problemlos funktionierte, blieben unsere Chat-Versuche erfolglos.

Hotspot Shield verspricht nämlich einen 24/7 Live-Chat, doch im Test kamen wir über das Ladefenster nicht hinaus. Auch der E-Mail-Support konnte uns bei diesem Problem leider nicht weiterhelfen. Dafür kam eine Antwort bereits nach etwa zwei Stunden.

Note: 2,7

Preisgestaltung

Mit dem monatlichen Tarif befindet sich Hotspot Shield eher im gehobeneren Preissegment, wobei die monatlichen Kosten wie bei VPN-Diensten gewohnt weitaus billiger werden, je länger der Vertrag abgeschlossen wird. Im Jahres- und Dreijahres-Paket ist der Service günstiger, aber noch nicht im Rennen für den günstigsten VPN-Anbieter.

Die aktuelle Preisliste von Hotspot Shield finden Sie hier:

Free3 Jahre1 Jahr6 Monate
Preise
Einrichtungsgebühr 0.00 € 0.00 € 0.00 € 0.00 €
Grundpreis pro Monat 0.00 € 3.99 € 6.99 € 10.99 €
Vertragslaufzeit (Monate) 0 36 12 6
Limits
Datenvolumen 15 GB unbegrenzt unbegrenzt unbegrenzt
Anzahl Geräte 1 5 5 5
Features
Anzahl Server 2500 2500 2500 2500
Anzahl Länder 1 25 25 25
Keine Logs
P2P erlaubt
Tor Zugang
Kill Switch
Protokolle
Eigenentwicklung
Eigenentwicklung
Eigenentwicklung
Eigenentwicklung

Fazit

Performance
Note 1,7
Server-Netzwerk
Note 2,0
Bedienung und Features
Note 2,3
Kundensupport
Note 2,7
Sicherheit und Privatsphäre
Note 4,0

Operativ lässt sich Hotspot Shield wenig zu Schulden kommen. Das Silicon Valley-VPN liefert gute Geschwindigkeiten und weiß mit seinen Anwendungen zu gefallen, und auch das Server-Netzwerk kann sich sehen lassen. Leider bestätigen sich aber die Ängste vor der Datenkrake, die der Hauptsitz des Unternehmens weckt: Das undurchschaubare, proprietäre Protokoll stimmt skeptisch, und die Log-Richtlinien tun ihr Übriges. Für Datenschutz-Enthusiasten gibt es womöglich zu viele Warnsignale, die Hotspot Shield im Vergleich zu anderen VPN-Lösungen weniger attraktiv machen. Wer hingegen vor allem auf Performance und Bedienbarkeit wert legt, könnte trotz dieser Fragezeichen mit dem Programm glücklich werden.

Hotspot ShieldHotspot Shield VPN
 1396793
0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
3200+ Server
70+ Länder
Bietet kostenlose Version
Unternehmen aus den USA
Hotspot Shield Free + 7 weitere Tarife
1
Gerät
15 GB
Datenvolumen
1
VPN Protokoll

Kundenbewertungen

Hotspot Shield erreicht in den von uns erfassten Kundenrezensionen nur ein "befriedigend", was vor allem auf viele Negativbewertungen bei Trustpilot zurückzuführen ist. Viele Nutzer kritisieren die Preispolitik und werfen dem Unternehmen Unehrlichkeit vor, weil sich das Probe-Abo automatisch verlängert und die kostenlose Version stark beschnitten ist.

Experte.de hat die Erfahrungsberichte und Bewertungen von verschiedenen Bewertungsportalen untersucht und dabei 1396793 Bewertungen mit einer Gesamtwertung 4.2 von 5 ermittelt (Quellen).

Alternativen

Wenn Ihre Skepsis bei Hotspot Shield vor allem mit Datenschutz-Gründen zu tun hat, können Sie zu einer Reihe von anderen Programmen greifen, die in diesem Bereich weniger Fragezeichen aufwerfen: ExpressVPN, NordVPN, HideMe oder ProtonVPN. Die gesamte Liste der von uns getesteten VPNs finden Sie hier.

Empfehlung: Testsieger 2019
ExpressVPNExpressVPN
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7,43 €
∅ mtl. Effektivpreis
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2000+ Server
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ExpressVPN 12 Monate + 2 weitere Tarife
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VPN Protokolle
Empfehlung: Preis-Leistungs-Sieger 2019
NordVPNNordVPN
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36 Monate Laufzeit
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60 Länder
Keine Logs
6 Geräte gleichzeitig
NordVPN 3-Jahres-Paket + 3 weitere Tarife
6
Geräte
Datenvolumen
4
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hide.mehide.me VPN
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0,00 €
∅ mtl. Effektivpreis
ohne Vertragslaufzeit
55+ Standorte in 34+ Ländern
Speichert keine Logs
14-Tage Geld-zurück-Garantie
mit kostenlosem Tarif
hide.me Free + 4 weitere Tarife
1
Gerät
2 GB
Datenvolumen
6
VPN Protokolle
Autor: Martin Gschwentner
Martin Gschwentner hat Amerikanistik und Medienwissenschaft in Deutschland, den USA und Frankreich studiert und arbeitet als freier Redakteur in Paris. Er forscht als Doktorand am Institut für England- und Amerikastudien der Universität Paris Diderot zum Einfluss des Geldes auf die US-Politik. Auf EXPERTE.de schreibt er über IT-Sicherheit, Datenschutz und Software für Selbständige und Kleinunternehmen.